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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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https://doi.org/10.11588/diglit.6189#0204

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395

Erste Ausstellung der Künstlervereinigung Dresden

396 .

Koloristik aufgebauten, oft mit starken Beleuchtungs-
effekten arbeitenden Landschaftsmalerei, die mit ihrem
Akkord von blau, grün und blau mehr als einmal auf das
lebhafteste an Hagemeister erinnert. Vor allem gilt
dies von dem 1878 entstandenen »Waldinneren bei
Pang«. Dabei verrät Wenglein auch noch in relativ
reifer Zeit einen gewissen Einfluß Rottmanns, wie die
beiden gutgestimmten, aber doch ganz leicht theatralisch
wirkenden Studien zu einem Isarbild von 1879 deutlich
dokumentieren.

Nicht ohne Interesse gerade für München ist auch
die Kunst des Berliners Hans Looschen, der mit Land-
schaften, Stilleben und Kompositionen verschiedenen
Inhalts vertreten ist. Er ist Impressionist nach Münchener
Geschmack, mit stark dekorativer, oft etwas theatralischer
Note: manchmal fühlt man sich bei seinen neueren
Werken ein wenig an Arbeiten der ehemaligen »Scholle«
erinnert, nur daß alles sehr ins Berlinische übersetzt ist.

Überaus stark wirken auch in München die 250
Kriegsblätter Ludwig Dettmanns. Die große Sachlich-
keit und die schlichte künstlerische Form, der ganze
Stil dieser höchst eindrucksvollen Kriegsblätter machen
hier vielleicht noch größeren Eindruck als seinerzeit
in Berlin.

Aus der großen Fülle der einzelnen Werke kann
natürlich hier nur ein ganz kleiner Bruchteil hervor-
gehoben werden. Besonders hinweisen möchte ich auf das
schöne Campagna romana-Bild von G. J. Buchner, die
Dachauer Landschaften von G. Beda, die Stilleben von
L. Muhrmann, die noch immer starken Einfluß der Kunst
Schuchs verraten, die Porträts des etwas von Haber-
mann abhängigen E. H. Zimmermann, die Arbeiten
von H. Moor und die Kircheninterieurs von W. Kreling.
Sehr charakteristisch für den oben bereits allgemein
gekennzeichneten Status des Glaspalastes ist es, daß
sich A. Marxer bei seinem »Paar im Walde« aufs
stärkste an Weisgerber anlehnt und der Ungar O. Glatz
in seinem Bild »Am Sonntagmorgen« seinem Kollegen
Gröber von der Sezession sehr verwandt erscheint.
M. Heymann wirkt diesmal wie Monticelli in moderni-
siertem Gewand, Ernst Liebermann scheint noch mehr
als früher alles durch eine grüne Brille zu sehen,
Urban, Thor und Schuster-Woldau fahren mit viel
Behagen in ihren ausgetretenen Geleisen weiter.
C. von Marr wirkt diesmal in seinen Zeichnungen
(Aktstudien) weit sympathischer als in seinen zu äußer-
lichen Bildern.

Die Plastik ist etwas mager vertreten. Neben der
Mädchenstatuette von Dasio seien die sehr geschickt gear-
beiteten Porträtbüsten von E. Beyrer und das sehr gedie-
gen durchgearbeitete, nuretwaszu klassizistisch wirkende
edle Grabmal von K. Kiefer erwähnt. a. l. m.

ERSTE AUSSTELLUNG DER KÜNSTLER-
VEREINIGUNG DRESDEN

Am 6. Juni wurde die erste Ausstellung der Dresdner
Künstlervereinigung im neuen städtischen Ausstellungs-
hause feierlich eröffnet. Dieses monumentale Gebäude,
die letzte Schöpfung des verstorbenen Dresdner Stadt-
baurates Hans Erlwein, wurde von der Stadt erbaut,

damit die Dresdner Kunst nicht mehr bloß in großen
Ausstellungen mit längeren unzuträglichen Pausen,
sondern alljährlich und zwar mehrmals in jedem Jahre
an die Öffentlichkeit treten könne, wie dies die Ber-
liner und die Münchener Kunst seit Jahren tun. Das
neue Ausstellungshaus liegt neben dem alten städtischen
Ausstellungspalast mit der Front nach der Lennestraße
und umfaßt außer der monumentalen Empfangshalle
neun Räume, die alle vorzüglich beleuchtet sind und
im ganzen bei lockerer Anordnung etwa 200 Kunst-
werke aufnehmen können. In der schlicht-vornehmen
Monumentalität erscheint das Haus durchaus seinem
Zweck angemessen. Die Stadt hat es auf fünf Jahre
an die Künstlervereinigung Dresden verpachtet, die
etwa der Münchner Sezession entspricht. Sie will
aber »über alle Vereinsgrenzen hinaus ein rein künst-
lerisches Ziel verfolgen. Alles, was künstlerischen
Willen aufweist, aus welchem Lager es auch komme,
soll in den Ausstellungen seine Förderung finden,
und nicht zuletzt die sprudelnde Jugend, der doch
die Zukunft gehört, soll hier eine Heimstätte haben.«

Diese Grundsätze, die bei der Eröffnung der Aus-
stellung der Vorsitzende der Künstlervereinigung Otto
Gußmann verkündete, werden durch die Ausstellung
durchaus bestätigt. Denn unter den 72 Dresdner
Ausstellern sind auch 29 Künstler, die der Künstler-
vereinigung nicht angehören; dabei sind alle Rich-
tungen von der älteren impressionistischen bis zur
expressionistischen und kubistischen vertreten, und
auch die einläßliche Feinmalerei findet sich in ver-
einzelten Bildern. Außer den Dresdnern haben auch
35 auswärtige Künstler ausgestellt. Im ganzen sind
gegen 150 Gemälde und 50 Bildwerke vorhanden. Die
Ausstellung gibt in ihrer gediegenen Auswahl einen
ausgezeichneten Überblick über den gegenwärtigen
Stand der Dresdner Kunst und muß als ein bedeut-
sames Ereignis im Dresdner Kunstleben bezeichnet
werden. Denn Dresden tritt damit in die Reihe der
deutschen Städte ein, die in alljährlichen Ausstellungen
vom deutschen Kunstleben Zeugnis ablegen, und er-
hält damit eine neue Anziehungskraft.

Die Dresdner Künstler haben sich mit Erfolg an-
gestrengt, in ihrer ersten Ausstellung auch am besten
vertreten zu sein. Robert Sterl, Otto Gußmann, Georg
Wrba, Carl Bantzer, Eugen Bracht geben ihr das Ge-
präge im Zeichen überragender Meisterschaft. Von
Sterl stammen zwei Gemälde von der deutschen Front
in Frankreich: Kameraden (ein Soldat trägt einen ver-
wundeten Kameraden durch den Schützengraben,
während einige andere ihm nachschauen) und eine
Grablegung im freien Felde, dann ein Bild von der
Arbeit der Sandsteinbrecher in der Sächsischen Schweiz
(welches Gebiet Sterl für die Malerei entdeckt und
malerisch glänzend geschildert hat), Schiffszieher von
der Wolga und Ernst von Schuch als Dirigent. Alle
diese Gemälde zeigen Sterl als einen Maler, der die
Eindrücke der Wirklichkeit mit eindringlicher Kraft
in lebendiger Unmittelbarkeit wiederzugeben weiß, so
daß man von seinen Bildern wie von der lebendigen
Wirklichkeit selbst gepackt wird, und dabei offen-
baren sie eine meisterhafte Beherrschung der male-
 
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