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Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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Nekrologe — Personalien — Ausstellungen

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Pinakothek wandte, erreichte den Fälscher sein Ver-
hängnis. Die Fälschungen sind sehr freche, schlechte
Fabrikate und mühelos als solche zu erkennen. Bei dieser
Gelegenheit sei noch kurz bemerkt, daß das Panorama-
gebäude auf der Theresienhöhe vollständig abgebrannt
ist. Das Rundgemälde »Sturm auf Champigny«, die
gemeinsame Arbeit der Maler Nißl, Putz und Neu-
mann, sowie verschiedene andere große Panoramabilder
und Kaulbachs »Schützenlisl« sind dabei ein Raub der
Flammen geworden. A. L. M.

NEKROLOGE
Robert Ockelmann f. In Dresden ist am 25. Ok-
tober der Bildhauer Robert Ockelmann, geboren in Hamburg
6. Oktober 1849, 66 Jahre alt, gestorben. Er war Schüler des
Berliner Bildhauers Eduard August Lürssen und Johannes
Schillings in Dresden. Seitdem er seine Studien abge-
geschlossen hatte, wohnte er dauernd in Dresden. Er hat
namentlich genrehafte Werke geschaffen, darunter einen
heimkehrenden Fischer, eine Sandalenbinderin, einen Jungen
mit einem zerbrochenen Kruge (Bauernfigur), ein Stand-
bild Gottfried Sempers, einen Lionardo da Vinci, dazu
Bildnisbüsten, Grabdenkmäler u. a.

Dr. Hermann Brandt ist am 25. September in Ge-
fangenschaft geraten und bald darauf seinen Verletzungen
erlegen. Am 8. November 1887 zu Heidelberg geboren,
hat Brandt bei Clemen, Wölfflin und Thode studiert und
im November 1910 promoviert auf Grund einer Dissertation:
»Die Anfänge der deutschen Landschaftsmalerei im 14. und
15. Jahrhundert«. Ostern 1912 wuide er Assistent von
Prof. Clemen, 1913 veröffentlichte er »Goethe und die
graphischen Künste«. Das Hauptgebiet seiner Arbeiten
sollte die mittelalterliche deutsche Kunst werden. Durch sein
frühes Scheiden ist Brandt einer schönen wissenschaftlichen
Zukunft und einer erfolgreichen Tätigkeit entrissen worden.

PERSONALIEN
Emil Doepler der Jüngere beging am 29. Oktober
seinen 60. Geburtstag. Er ist in München geboren, wo
sein Vater als Maler und Illustrator wirkte, und er ist der
Tradition, in der er aufwuchs, treu geblieben, nicht nur
indem er durch den Zusatz zu seinem Namen sich für
immer als Fortsetzer des Werkes seines Vaters kennzeichnete.
Ihm half er schon als Knabe bei dem historischen Wart-
burgfest, und von ihm erbte er die Kenntnis alter Stile
und Kostüme, die ihn zum gegebenen Lehrer an der neu-
gegründeten Berliner Kunstgewerbeschule machten. Wenn
er dort noch heut trotz des gründlichen Wandels unter
Bruno Pauls Leitung als allgemein geachtetes Mitglied des
Professorenkollegiums zu wirken imstande ist, so ist es
das beste Zeugnis dafür, daß er nicht in der Stilformel
erstarrte, während er andererseits auf Grund seiner um-
fassenden Kenntnisse auch den jüngeren Generationen der
Schüler Wertvolles zu geben vermag.

AUSSTELLUNGEN
Berliner Ausstellungen. In Schuhes Kunstsalon
zeigt Fritz Erler Bilder, die er vom westlichen Kriegs-
schauplatz heimgebracht hat. Wenn Dettmann Eindrücke
verschiedenster Art draußen sammelte, denen er mit allen
Mitteln seines vielgewandten Könnens gerecht zu werden
suchte, so fand Erler in allem den Vorwand zu stark sprechen-
den dekorativen Bildkompositionen. Bei Dettmann zitterte
etwas nach von der starken Erregung eines übermächtigen
Ergriffenseins,das seinen Blättern weit über ihren objektiven

Kunstwert hinaus eine rein menschliche Wirkung gab.
Dagegen bleibt Erler der kühle Artist, der nicht im
Innersten getroffen wird von den Ereignissen der Umwelt,
die er zu Bildern seines Willens umprägt. So war Dett-
mann stillos, weil er weniger an das Bild dachte als an
die Sache, und weil seine Hand nicht stark genug war,
auch ohne Willensanspannung jede Form sich Untertan
zu machen. Erler ist im Gegenteil allzu stilvoll, weil
er jede Erscheinung in die Formel seiner wohlgepflegten,
aber nicht eben ausdrucksreichen künstlerischen Sprache
einordnet. So ist kein großer Unterschied zwischen Erlers
früheren Idealkompositionen und diesen Kriegsbildern. Es
sind dekorative Entwürfe, die als geschickte Illustrationen
ihren Wert haben. Aber man soll ihre Wirkung nicht mit
Monumentalität verwechseln, denn es ist nicht eine innere
Spannung in ihnen, die den Rahmen zu weiten vermöchte,
vielmehr eine künstliche Leere, die einem abstrakten Umriß
zuliebe die Fülle des Ausdrucks einer einzigen Geste zum
Opfer bringt. Es bewahrheitet sich auch angesichts dieser
Erlerschen Kriegsbilder, daß nicht das Stoffgebiet, und sei
es das gewaltigste, eine Kunst erzeugt, sondern daß die
Persönlichkeit des Künstlers in jeder ihrer Äußerungen
gleichermaßen zum Ausdruck gelangt. Und alles Be-
mühen, der großen Zeit ein künstlerisches Denkmal zu
schaffen, wird nur zum Ziele führen, wenn der eine sich
findet, der einer genialen Eingebung das weithin leuchtende
Symbol dankt, dem wir alle willig folgen. Es wird dabei
schließlich am wenigsten in die Wagschale fallen, ob da-
heim im Lande oder draußen an der Front dieses Kunst-
werk entsteht, ob es den Krieg selbst zum Gegenstand hat
oder nicht. Die Geschichte bietet kaum Beispiele dafür,
daß ein großes politisches Geschehen in Werken bildender
Kunst durch unmittelbare Darstellung würdige Denkmale
findet, und so wollen auch wir uns bescheiden und nicht
vorlaut von einem »Hindenburg-Stil« sprechen, wie wenig
geschmackvolle Kunstschreiber es taten, um nicht Gefahr
zu laufen, mit solchem Wort die gewaltigen Taten unserer
Heerführer zu verkleinern.

Auch in weiteren Kreisen bricht mehr und mehr die
Erkenntnis sich Bahn, daß die Kunst am besten fährt,
wenn sie als friedliches Handwerk unbekümmert um die
Ereignisse einer anderen Welt ihren ruhigen Weg geht.
Und wenn nicht für anderes, so mag Herwarth Waldens
Ausstellungsunternehmen hierfür vorbildlich gelten, da er
als Einziger in Berlin unbeirrt an seinem Programm fest-
gehalten hat. So sieht man jetzt in den Räumen des
»Sturm« Bilder von Gabriele Munter, die als eines der
besten Talente aus dem jungen Münchener Kreise schon
öfter aufgefallen ist. In ihren Stilleben sind hier und da
zarte und reine Klänge. Mehr als in ihren ein wenig auf-
dringlich verinnerlichten Menschendarstellungen ist da etwas
von dem geheimen Leben der Dinge zur Oberfläche ge-
hoben. Es sind Versuche, die aber wohl Beachtung ver-
dienen, als Äußerungen einer echt empfindenden künst-
lerischen Persönlichkeit. oiaser.

Karlsruhe. Carlos Grethe-Gedächtnisausstellung
im Badischen Kunstverein. In der Blüte seines künst-
lerischen Schaffens starb im Herbst 1913 in seiner lang-
jährigen Studienstätte — dem durch den jetzigen Krieg so
bekannt gewordenen Nieuport in Westflandern — der un-
streitig erste unserer deutschen lebenden Marinemaler, der
in Montevideo geborene Hamburger Carlos Grethe. Da
der Künstler, bevor er dem Rufe an die Stuttgarter Kunst-
akademie folgte — zugleich mit Graf Kalckreuth und Poetzel-
berger — 15 Jahre lang, zuerst als Schüler von Ferdinand
Keller, dann als Professor an der Akademie, in Karlsruhe
tätig war, hat er wohl begründetes Anrecht auf eine so um-
 
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