Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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ist ein nach Inhalt und Ausstattung vorzügliches und
wohldurchdachtes kleines Werk von 96 Seiten mit
45 Bildern. Nun gibt er die damals in Aussicht ge-
stellte Erweiterung und Begründung unter dem Titel:
Beiträge zur Baugeschichte des Domes zu Lund (Bi-
drag tili Lunds Domk. Hist. Lund u. Leipzig, Harrasso-
witz. 308 S., 198 Abb. Preis 7x/2 Kronen).

Der Titel läßt etwas weniger erwarten als was das
Buch leistet. Wir haben hier, in zwölf Abhandlungen
oder Abschnitten, eine Auswahl dessen, was für die
Erkenntnis vom Werden und der ersten Gestaltung
des Domes bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts von
Wichtigkeit ist. Da das mit ausgezeichneten Abbil-
dungen ausgestattete Buch geschickterweise einen ge-
nügenden deutschen Auszug als Beigabe hat, so hat
der Anzeigende keinen Anlaß, diese Stelle für ein-
gehende Mitteilungen in Anspruch zu nehmen.

Doch wird man gerne die zum Teil neuen und, so-
weit man urteilen kann, nun feststehenden Ermittelungen
über die Hauptzüge der Baugeschichte der Anfangs-
zeit zur Vergleichung mit dem dargelegt finden, was
die Lehrbücher mitteilen, in denen ja dieser Dom
eine wichtige Rolle einnimmt und stets behaupten wird.

König Knut der Heilige 1080—86 ist der Gründer
und »erste Erbauer«. Zu seiner Zeit hat die kirch-
liche Bautätigkeit überhaupt eine erste Blüte erlebt.
Der Dom, ein Sandsteinbau, war angelegt als große
schlichte kreuzförmige flachgedeckte Basilika, die
Scheidebogen im Schiffe von rechteckigen Pfeilern
getragen. Der Ostarm oder Chor etwas kürzer als
von quadratischem Grundriß, daran aber eine große
breite Apsis. Unter dem ganzen Ostteile, das Quer-
haus mit einbegriffen, war eine Unterkirche oder Krypta
einzubauen. Die Planung hielt sich in den bereits
hergebrachten Formen; die Anlage war, soweit wir
urteilen können, dieselbe wie die bei dem 1018 von
Knut d. Gr. angelegten Dom zu Schleswig befolgte.

Drei Jahre nach Knuts Tode bestieg Bischof Ascher
den Stuhl, der zweite Erbauer des Domes. Man
nimmt an, daß nach Knuts Hingang, und auch lange
nachher, für den Bau nichts hat geschehen können.
Dann aber trat, durch Erich Eiegod, jener gewaltige
Umschwung ein. In persönlicher Feindschaft gegen
den deutschen Erzbischof, und in Feindseligkeit gegen
Kaiser und Reich, betrieb er beim Papste, den er ein-
oder zweimal aufgesucht hat, die Losreißung. Zum
kirchlichen Mittelpunkte des Nordens ward Lund er-
sehen. Erich war ein Freund der Baukunst; zu Pia-
cenza hat er ein Hospital gestiftet, in der Heimat nach
der Heimkehr fünf Kirchen gebaut; für eine hatte er
aus Bari Reliquien des hl. Nikolaus mitgebracht.

So ward denn unter dem tatkräftigen Erzbischofe
Ascher die Unterkirche zu Lund zustande gebracht;
1123 ist der Hauptaltar geweiht, und die zwei Altäre
der Kapellen 1126 und 1131. Diese Krypta nun zeigt,
zwar durchaus nicht in der Anlage, die ja dem längst
feststehenden Plane entspricht, aber in einzelnen Zügen
der Ausführung, deutliche Spuren eines neuen Geistes,
die darauf hinweisen, daß man sich nunmehr der Hilfe
eines fremden Meisters versichert hatte und zwar eines
langobardischen. Die Langobarden waren zwar auch

stammverwandte Germanen, aber nach Süden gezogen
hatten sie in schneller Entwicklung des angeborenen
Kunstgefühls eine ihnen eigene kräftige Formensprache
gefunden. So finden wir hier am Dombau das Er-
gebnis der Bemühungen der Männer, die mit dem
seither wirksam gewesenen Geiste brechen wollten.
Als Baumeister des Domes wird nun Donatus genannt,
dessen Name sogar italienisch klingt, und einen Donato
oder Donatello vorstellen soll. Sicher ist, daß nunmehr,
nach Vollendung der Krypta, auch mit großem Reich-
tum und herrlicher Vollendung der Durchbildung in
gleichem Geiste der Ausbau der oberen Kirche vor
sich ging. Sie ward im Jahre 1145 geweiht, in dem
der Hauptaltar und ein Seitenaltar in Gebrauch
genommen ward; der nächste Seitenaltar folgte im
Jahre danach.

Alle diese Arbeiten betrafen aber nur den Bau
und die Vollendung des Ostteiles; nur ein kurzes Stück
des Schiffes, mit drei Paar Pfeilern, gehörte dazu
und eine vorläufige Westwand wird diesen Teil ab-
gegrenzt haben. Nachher schloß sich, wohl schon
von Donatus geplant und angefangen, der Westteil
des Schiffes daran, kunstvoll angelegt im gebundenen
System mit Haupt- und Nebenpfeilern. Wesentliche
Vorbereitung dieses Prachtbaus war die schon ge-
schehene Einwölbung des Ostteils, des Chores (der
ein Tonnengewölbe erhielt, wie in Schonen üblich)
und des Querhauses, wozu dann auch die Wölbung
des schon vollendeten Schiffteiles kam. Mit diesen
Arbeiten trat noch in Verbindung die besonders pracht-
volle Neugestaltung des Äußeren der Apsis, die um-
mantelt und zu bedeutender Höhe hinauf geführt ward.
Die Vollendung des Ganzen wird um 1160 oder 1170
stattgefunden haben. Inzwischen hatte sich eine ein-
heimische Bildhauerschule herangebildet; der Steinmetz
Regnerus wird namentlich genannt und für den Leiter
nach Donatus gehalten. Mit der Vollendung des Ganzen
war natürlich noch nicht die innere Einrichtung und
Durchbildung abgeschlossen; ja noch heute zeigen
die Skulpturen manches unfertig,

Die Fortführung zeigt ein starkes Fortwirken jener
langobardischen Stilrichtung, aber auch ein Wieder-
eingewöhnen ins Einheimische, wobei ganz deutlicher-
weise auch rheinische Anklänge und besonders eng-
lisch-normännische Formen sich geltend machen. Das
ist namentlich an den Türmen zu beobachten gewesen,
die erst der große Erzbischof Absalon (1177—1202)
angefügt, und die er eben noch zum Abschluß ge-
bracht hat. Diese sind aber gänzlich entfernt und neu
aufgebaut. RICHARD HAUPT

NEKROLOGE

Die am 13. Dezember 1844 in Hamburg geborene
Malerin Helene Cramer ist dort gestorben. Sie hatte
erst mit 38 Jahren zu studieren angefangen, und zwar in
Hamburg bei Oesterley und Rodeck und später bei Marga-
reta Roosenboom und Eugene Joors. Ihre Blumenstilleben
waren auf größeren deutschen Ausstellungen vertreten. Eine
Reihe ihrer Gemälde sind auch im öffentlichen Besitz, z. B.
in der Hamburger und Bremer Kunsthalle. In Hamburg
erfreute sie und ihre Werke sich einer größeren Beliebt-
heit, zum Teil auch dank ihren gesellschaftlichen Beziehungen.
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