Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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Nekrologe — Personalien — Vermischtes

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Ihre Krönung erlebt diese reichste wissenschaftliche
Tätigkeit in mehreren großen, abschließenden Publi-
kationen; die »Denkmäler der Renaissance-Skulptur
Toskanas« (1892—IQ05), »Rembrandt« (1897—1905),
»Die italienischen Bronzestatuetten der Renaissance«
(1906—12), »Die Anfänge der Majolikakunst in Italien«
(1911), »Frans Hals« (1914 mit Text von Binder) fassen
die Resultate jahrzehntelanger Bemühungen zusammen.

Die Zusammenstellung in dem »Verzeichnis« läßt
deutlich erkennen, wie sich die wissenschaftliche Tätig-
keit Bodes entwickelt und immer weiter greift. Das
beinahe Unfaßbare bei diesem Weitergreifen auf neue
Gebiete aber ist, daß es kein Verdrängen früherer In-
teressen bedeutet. Nichts, was einmal in den Ge-
sichtskreis Bodes getreten ist, verschwindet wieder
daraus. Alle Themata werden gelegentlich wieder
hervorgezogen, neu durchforscht, in andere Formen
gegossen. So erhält sein literarisches Werk das Ge-
präge einer stets wirkungsbereiten Fülle, die keine Ge-
legenheit zu neuer Manifestation vorübergehen läßt.
Die Übersicht war mit den Jahren schwer geworden,
und mancher Forscher mag lange gesucht haben, wo
eine der zum Allgemeingut der Kunstgeschichte ge-
wordenen Ausführungen Bodes zum erstenmal aus-
gesprochen sei. An der Hand der Bibliographie
wird man in Zukunft rascher zum Ziele kommen.

AT. ZOEGE VON MANTEUFFEL.

NEKROLOGE
Der Berliner Bildhauer Professor Julius Moser, ge-
boren in Berlin am 14. Juni 1832, ein Schüler der Berliner
Akademie unter Drake und Fischer und ein Studiengenosse
von Reinhold Begas, ist in Steglitz im Alter von 84 Jahren
gestorben. In Berlin und seinen Vororten ist er durch
mehrere größere Werke vertreten, so zum Beispiel durch
die Sandsteinfigur »Die Kunst« auf der Freitreppe der
Nationalgalerie, das Chamisso - Denkmal, eine Marmor-
gruppe »Die Fischerei« auf der Belle-Alliance-Brücke und
eine Bronzegruppe »Elektrizität« auf der Potsdamer Brücke.

Der Schweizer Maler Wilhelm Füssli, ein Schüler
der Münchener Akademie und von Couture, ist in Baden-
Baden im Alter von 85 Jahren gestorben. In seinen ita-
lienischen Studienjahren, die Zeit zwischen 1850 und 1860,
schuf er Bildnisse in strenger Stilkunst. Bekannter ist das
Bildnis Conrad Ferdinand Meyers im Züricher Museum.
Die Züricher Stadtbibliothek besitzt eine große Anzahl seiner
Handzeichnungen. In Italien, wo er sich jahrzehntelang
aufhielt, trat er Adolf Hildebrand näher, der von ihm und
seiner Schwester eine schöne Bildnisbüste geschaffen hat.

PERSONALIEN

Den Lehrern an der Kunstgewerbeschule in Magde-
burg, Maler Fritz v. Heider und Maler und Graphiker
Richard Winckel ist der Titel Professor verliehen worden.

Ferd. Noack. An Stelle des vor kurzem verstorbenen
Georg Loeschcke (siehe den Nekrolog in der Kunstchronik
vom 17. 12. 15) ist der Tübinger Archäologe Ferd. Noack
auf den archäologischen Lehrstuhl der Reichshauptstadt
berufen worden und hat diesen Ruf, wie wir vernehmen,
auch angenommen. Noack hatte schon früher an einer
preußischen Universität, in Kiel, gelehrt. Es mag dem,

noch in der Blüte des Mannesalters stehenden Gelehrten
(er ist geboren am 31. 12. 65) nicht leicht werden, die lieb-
liche erinnerungsreiche Universitätsstadt am Neckar und
sein Werk daselbst zu verlassen. Denn Noack hat in Tü-
bingen etwas Großes geschaffen, das archäologische Institut
der Universität Tübingen, das unter seiner Leitung zu einem
bemerkenswerten Antikenmuseum geworden ist. Freilich,
ohne Ernst von Sieglin in Stuttgart und dessen großartige
Liberalität hätte die Tübinger archäologische Sammlung
nicht zu solcher Bedeutung wachsen können. Aber Mäzen
und Gelehrter wirken aufeinander ein, und jeder Museums-
leiter und Organisator von Sammlungen hat den Mäzen
oder die Mäzene, die er verdient. So darf sich die Tübinger
Sammlung dank Noacks Initiative des Besitzes der hellenis-
tisch-ägyptischen Originalfunde aus den Sieglinschen Aus-
grabungen in Alexandria, von Schätzen aus dem alten ägyp-
tischen Reich aus den von Steindorff geleiteten Ausgrabungen,
die ebenfalls Sieglins Liberalität zu danken sind, einer her-
vorragenden archäologischen Lehrsammlung Paul Arndt-
scherHerkunft rühmen. Dem Organisator bleibt übrigens auch
in Berlin ein großes Feld; die von Loeschcke betriebene
Aufnahme der Berliner Gipssammlungen in das neuer-
stehende Institut für Altertumskunde liegt noch in ihren
Anfängen. Da gilt es Energie und Organisationstalent zu
zeigen, die Noack nicht fehlen. — Auch als akademischer
Lehrer genießt Noack, der ein glänzender Redner ist, einen
vortrefflichen Namen; er hat etwas Künstlerisches in seinem
Äußern, aber alles steht bei ihm auf solider, tüchtiger Basis.
Er ist kein Freund von luftigen Hypothesen. — So hat auch
seine Publikationstätigkeit stets ernste Anerkennung ge-
funden; seine Schriften zeigen wissenschaftliche Methode
und Beschränkung auf das Erreichbare. Seine Arbeiten be-
wegen sich zum größten Teil im Gebiet der antiken Bau-
kunst: Ovalhaus und Palast in Kreta, Homerische Paläste,
Die Baukunst des Altertums (I. Band einer nicht weiter ge-
diehenen »Geschichte der Kunst«) sind die Titel seiner
hauptsächlichsten dahingehörigen Publikationen. Im vo-
rigen Jahre sind auch sehr beachtenswerte »Studien über
die szenischen Anlagen auf derOrchestra des Aischylos und
der anderen Tragiker« von Noack erschienen. Und gerade
jetzt bringt das archäologische Jahrbuch (28. 12. 15) noch
»Amazonensludien« von Ferd. Noack, die ihn auch als
einen Meister des vergleichenden Schauens antiker Plastik
und Beherrscher des Denkmälermaterials zeigen. — Noack
erfreut sich als Gelehrter und charaktervoller Mensch großer
Beliebtheit. Es mag noch interessieren, daß seine Gattin
die Schwester des so früh hingeschiedenen Otto Erich
Hartleben ist. m.

VERMISCHTES
Das akademische Meisteratelier für Bildhauerkunst,
das Professor Louis Tuaillon leitet, erhält einen eigenen
Bau. Während die übrigen Meisterateliers der Berliner
Akademie der Künste in dem Hochschulgebäude an der
Hardenbergstraße untergebracht sind, mußte sich das erst
nach Vollendung des Hochschulneubaues für Tuaillon er-
richtete zweite Bildhauermeisteratelier bisher mit Mielräumen
begnügen. Sie waren auch räumlich getrennt von Tuaillons
eigener Werkstatt in der Kolonie Grunewald. Alles das
ließ einen Neubau wünschenswert erscheinen. Er entsteht
nunmehr auf dem Gelände der Kgl. Baumschule neben
dem Hochschulgebäude. Es wird ein breit gelagerter Bau.
Sieben Ateliers in der Front der Allee erhalten ein aus-
kömmliches Nord- und Oberlicht. Daran schließt sich
unmittelbar ein größeres Atelier für Tuaillon selbst.

Inhalt: Zwei Bode-Festschriften. Von K. Zoege von Manteuffel. —Julius Moser t; Wilhelm Füssli f. — Personalien. — Meisteratelier Louis Tuaillon.

Verantwortliche Redaktion: Gustav Kirstein. Verlag von E.A.Seemann, Leipzig, Hospitalstraßella
Druck von Ernst Hedrich Nachf., o.m.b.H., Leipzig
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