Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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KUNSTCHRONIK

Neue Folge. XXVII. Jahrgang 1915/1916 Nr. 12. 17. Dezember 1915

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NEKROLOGE

Georg Loeschcke f. In Georg Loeschcke, dem Ver-
treter der klassischen Archäologie an der Universität Berlin,
verliert diese Wissenschaft einen führenden Meister. Der
63 jährige Gelehrte (geb. 28.6.1852) ist am 26. November
in Baden-Baden den Folgen mehrerer Schlaganfälle erlegen,
nachdem er schon längere Zeit seiner Lehrtätigkeit durch
die Krankheit entzogen war. Erst seit 1912 hatte Loeschcke
den Berliner Lehrstuhl Kekules inne; und wenn man von
der Bedeutung Loeschckes als Universitätslehrer sprechen
will, muß man seiner Bonner Lehrtätigkeit gedenken, wo-
selbst er während 22 Jahren eine große Zahl tüchtiger und
auch bedeutender Archäologen heranbilden konnte. Es
war seine Stärke, daß er seinen Geist und seine Methode
auf seine Schüler im höchsten Maße zu übertragen verstand,
so daß die Arbeiten seiner Schüler vielfach dasjenige ver-
treten, was ihm in eigenen Arbeiten auszusprechen nicht
möglich gewesen war. Er war in der Art seines Lehrens
stark von Furtwängler unterschieden, der seinen Schülern
eine gewisse, und zwar große Selbständigkeit anzuerziehen
stets bestrebt gewesen war. Wenn speziell Furtwängler
zum Vergleich mit Loeschcke herangezogen wird, so ist
es, weil von den Publikationen Loeschckes gerade diejenige,
welche für ihre Zeit die größte Bedeutung hatte, in ge-
meinsamer Arbeit mit Furtwängler entstanden war. Als
die mykenischen Funde Ende der siebziger Jahre des vorigen
Jahrhunderts sich häuften, war es ein unvergänglich
verdienstvolles Werk von Furtwängler und Loeschcke, daß
sie rasch eine große Veröffentlichung der mykenischen
keramischen Funde unternahmen. Keine Publikation Loesch-
ckes hatte größere Bedeutung, als die »mykenischen Ton-
gefäße« und die »mykenischen Vasen«, mit denen er und
Furtwängler 1879 resp. 1886 neue Forschungsbahnen eröff-
neten. Im übrigen waren die Veröffentlichungen Loeschckes
meist kleine Monographien und Zeitschriftenaufsätze über
archäologische Einzelforschungen, die seine vortreffliche Me-
thode überall erkennen lassen, wenn auch die Resultate
nicht immer bestehen blieben. Namentlich während seiner
Dorpater Lehrjahre in den achtziger Jahren des vorigen Jahr-
hunderts hat Loeschcke vortreffliche Universitätsprogramme
aus archäologischen Einzelforschungen veröffentlicht, welche
die ältere Generation der deutschen Archäologen regelmäßig
mit größter Spannung erwartete. Als Organisator wissen-
schaftlicher Arbeit zeigte sich Loeschcke vor allem in seinem
Bonner Seminar und den akademischen Kunstmuseum der
Universität Bonn. In den 20 Jahren, die er am Rheine
wirkte, hat er dann die ganze Altertumsforschung der Rhein-
provinz zu neuer, lebhafter und ergebnisreicher Tätigkeit
anfachen helfen. Wenn auch das Provinzialmuseum in Bonn
unter Lehners Leitung seine eigene bedeutsame Entwicklung
genominen hat, so war es doch mit der Geist, den Loeschcke
in den Rheinlanden angeregt hatte, der zu dieser Ent-
wicklung viel beitrug. — Das größte Interesse bewies
Loeschcke auch dem Limes-Unternehmen und der germanisch-
römischen Forschung (Haltern); und so wurde auf seinen
und Conzes Betrieb im Jahre 1901 die Gründung einer
Abteilungdesdeutschen archäologischen Instituts für römisch-
germanische Forschung hervorgerufen. Die Abteilung hat

bekanntlich in Frankfurt a. M. ihren Sitz, und einer der her-
vorragendsten Schüler Loeschckes, Dragendorff, hat sie ge-
leitet, bis Dragendorff im Vorjahre an die Zentraldirektion
nach Berlin berufen worden ist. — In Berlin selbst konnte
Loeschcke sein Organisierungstalent noch beweisen, als
er die Trennung des Gipsmuseums von der Antikensamm-
lung und seine Überweisung an das Institut für Altertums-
kunde durchführte, wo es in ganz anderer Weise den ar-
chäologischen Studien dienen kann, womit auch die Antiken
des alten Museums jetzt einen weiteren Raum für sich ge-
funden haben. — Georg Loeschcke war ein liebenswürdiger
Mensch, ein geistvoller und überaus anregender Redner.
In seiner Familie hat er durch den Tod kaum dem Jüng-
lingsalter entwachsener Kinder manches Traurige erlebt;
vor kurzer Zeit hat er einer Schülerin noch die Hand zu
einer neuen Ehe gereicht, die nun so rasch durch den Tod
gelöst worden ist. m.

PERSONALIEN
Wilhelm von Bode hat an seinem 70. Geburtstage
am 10. Dezember eine Fülle von Zeichen der Verehrung
empfangen, die nur leider den Gefeierten durch seinen (gut
heilenden) Beinbruch ans Bett gefesselt trafen. Hervor-
zuheben ist eine von Dr. Ignaz Beth mit großer Sorgfalt
und Erfahrung bearbeitete Bibliographie aller Werke und
Aufsätze Bodes, mit einem Vorwort von M. J. Fried-
länder; dann ein stattliches, von Adolph Goldschmidt
eingeleitetes Sonderheft des Jahrbuchs der Königlich
Preußischen Kunstsammlungen, an dem sich auch die
Leiter der völkerkundlichen und archäologischen Museen
beteiligt haben; von diesen beiden inhaltreichen Festgaben
wird noch ausführlicher zu sprechen sein. Aus Leipzig
spendeten einige Freunde Bodes die zur Feier des Tages
von E. Einschlag geschaffene Radierung nach Rembrandts
Selbstbildnis im Leipziger Museum; und die Zeilschrift für
bildende Kunst gab durch eine Adresse ihrer Dankbarkeit
für Bodes bald fünfzigjährige Mitarbeiterschaft Ausdruck.

München. Bei der Direktion der Kgl. Bayer. Staat-
lichen Galerien wurde der Kustos Dr. Walter Gräff zum
Konservator, der wissenschaftliche Hilfsarbeiter Dr. Rudolf
Oldenbourg zum Assistenten und der Assistent am Re-
staurierungsatelier Josef von Tettenborn zum Kustos
ernannt. —- Dem Privatdozenten der Kunstgeschichte an
der Universität Dr. Hugo Kehrer wurde Titel und Rang
eines außerordentlichen Professors verliehen. a. l. m.

Dr. Karl Westendorp ist das Prädikat »Professor«
vom Großherzog von Hessen verliehen worden.

KRIEG UND KUNST

Die Berliner Akademie der Künste hat sich in einem
energischen Sendschreiben an den Oberbürgermeister von
Wilhelmshaven gegen den Unfug der Nagelungsdenkmäler
ausgesprochen. Wir lassen das bemerkenswerte Schrift-
stück hier im Wortlaut folgen:

»Aus Zeitungsnachrichten ersehen wir, daß die Stadt
Wilhelmshaven beabsichtigt, das Standbild eines Seemanns
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