Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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Nekrologe — Personalien — Wettbewerbe — Denkmalpflege

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Tafel voll der feinsten Leckerbissen angerichtet war.
Dabei sind die guten Sachen, die von den feinsten
Weinen und Schnäpsen begleitet werden, immer so
massenhaft da, daß man, wenn fünfzig Herren davon
gegessen haben, noch kaum merken kann, daß es
weniger geworden ist.

Um 3 Uhr sah ich mich noch ein wenig auf dem
Newski um, um das Petersburger Nachtleben zu stu-
dieren. Denn um ^ 12 Uhr nachts »beginnt Petersburg
zu erwachen«, hatte einer der russischen Herren geäußert.
Ich fand die breite, tagsüber durch ihr Volksgewimmel
so anziehende Hauptstraße zu dieser vorgerückten
Stunde jedoch völlig leer, ausgestorben und öde.
(Schluß folgt)

NEKROLOGE

Rudolf Hirth du Frenes f. Am 1. Mai starb zu
Miltenberg am Main der Maler Rudolf Hirth du Frenes
im siebzigsten Lebensjahr. Er war der jüngste Bruder des
vor kurzem verstorbenen Georg Hirth und wie dieser in
Gräfentonna bei Gotha zur Welt gekommen. Mit Hirth
du Frenes ist einer der bedeutendsten älteren Maler aus
dem engeren Münchner Leibikreis dahingeschieden. Der
Künstler war nicht nur im äußerlichen Sinne ein Freund
Leibis und Schuchs, sondern ihnen durch seine Kunst
wahrhaft innerlich verbunden. Er hatte 1861—64 an der
Nürnberger Kunstschule unter Kreling studiert, danach an
der Münchner Akademie unter Ramberg, wo er mit Leibi
bekannt wurde. Fünf Jahre widmete er einem sehr er-
giebigen Studienaufenthalt in Holland, Belgien und Frank-
reich, kehrte dann nach München zurück, zog aber später
von der Stadt weg aufs Land, nach Dießen am Ammersee.
Hirth war zweifelsohne ein feines Talent. Seine Anfänge
ließen freilich noch weit mehr erwarten, als was der reife
Künstler uns später geboten hat. Seine in den siebziger
Jahren entstandenen Werke sind von hoher malerischer
Kultur und außerordentlichem Schmelz. Als Bildnismaler war
Hirth ebenso sehr geschätzt wie als Genremaler, wobei er
ebenso reizvolle Kinderstücke schuf wie stimmungskräftige
Bilder mit Motiven, die er sich an der Nordsee geholt hatte.

Als seine besten Leistungen in öffentlichem Besitz
seien genannt: die »Hopfenlese« (1870) im Museum zu
Breslau, das »Porträt Schuchs« in der Münchner Neuen
Pinakothek, das »Selbstbildnis« im Städelschen Institut zu
Frankfurt a. M., »Sperl und Leibi im Segelboot« in der
Karlsruher Galerie und der »Allerseelentag« im Museum
zu Gotha. a. l.m.

* Moritz Röbbecke f. In Dresden ist am 29. April der
Maler Moritz Röbbecke gestorben. Er war am B.Januar 1857
zu Meerane in Sachsen geboren, erhielt seine Ausbildung
in München unter Löfftz, Lindenschmit und Max und lebte
dann dauernd in München, die letzten beiden Jahre in
Dresden. Er malte Genrebilder, Landschaften, biblische
Bilder, namentlich aber Bildnisse und Kopien alter Gemälde.
Auch in seinen Bildnissen wandelte er durchaus auf den
Wegen der alten deutschen Meister. Besondere Eigenart
wird seinen Selbstbildnissen und den Bildnissen seiner
Freunde in Phantasietracht nachgerühmt; seine Kopien,
für die er die Urbilder bis auf das Holz oder Pergament,
den Malgrund und die selbstbereiteten Farben nachahmte,
zeugten von dem Ernst, mit dem Röbbecke seinen Idealen
nachstrebte. Diese Kopien haben auch einen gewissen
Eigenwert, der dauern und des Künstlers Andenken er-
halten wird.

PERSONALIEN

In der Angelegenheit eines künstlerischen Beirats für
den Wiederaufbau in Belgien hat der Generalgouverneur
in Brüssel aus einer gemeinsam vom Bunde Deutscher Archi-
tekten und vom Verbände Deutscher Architekten und Inge-
nieur-Vereine aufgestellten Vorschlagsliste die Herren: Geh.
Hofrat Dr.-Ing. Dülfer-Dresden, Geh. Baurat Prof. Frentzen-
Aachen, städt. Baurat Prof. Grässel-München, Geh. Ober-
baurat Saran-Berlin und Geh. Oberbaurat Dr.-Ing. Stübben-
Berlin als Mitglieder des genannten Beirats ausgewählt.

WETTBEWERBE
Das Preisausschreiben der Allgemeinen Elek-
trizitäts-Gesellschaft für den Entwurf eines Plakats ihrer
AEG-Nitralampen ist erledigt. Das Preisgericht, dem
Peter Behrens, Curt Herrmann, Emil Orlik, E. R. Weiß,
Kommerzienrat Paul Mamroth, Dr. Walter Rathenau, Dr.
Ernst Salomon angehörten, hat folgende Entscheidung ge-
troffen: einen ersten Preis erhielten Busch-Berlin, Ludwig
Hohlwein-München, Max Sch warzer-München; einen zweiten
Preis GustavSchaffer-Chemnitz, Elisabeth vonSydow-Berlin,
Max Schwarzer-München; einen dritten Preis F. Nigg-Köln,
Jupp Wiertz-Berlin, Paul Plontke-Berlin. Außerdem wurden
zehn Entwürfe mit einem vierten Preis bedacht und fernere
zwölf Entwürfe von der AEG angekauft. Es gelangten
8000 Mark zur Verteilung. Von den eingegangenen 1925
Entwürfen werden die in die engere Wahl gezogenen Ent-
würfe vom 10. bis 17. Mai im Sitzungssaal der AEG zur
Ausstellung gelangen.

DENKMALPFLEGE
Der Verein zum Schutze der Denkmäler der Ver-
gangenheit in Warschau hat die wichtige Angelegenheit
des Wiederaufbaues von Kirchen und anderen künstlerisch
oder geschichtlich wertvollen Gebäuden, die durch den
Krieg vernichtet wurden, in die Hand genommen. Ob-
gleich der Wiederaufbau selbst erst nach dem Kriege er-
folgen kann, scheint diese Maßnahme doch schon jetzt
angebracht. Die Mehrheit der Denkmäler der Vergangen-
heit ist nur zum Teil zerstört, es steht aber, wie die Zeit-
schrift »Polen« berichtet, zu befürchten, daß sie durch
atmosphärische Einflüsse oder den Vandalismus der Be-
völkerung bis zum Augenblick des Wiederaufbaues völliger
Vernichtung preisgegeben sind. Die Gebäude sollen daher
zunächst provisorisch gesichert werden und ihr Wiederauf-
bau durch Unberufene verhindert werden. Der Verein
will photographische Aufnahmen sämtlicher zerstörter
Denkmäler veranlassen und so den Wiederaufbau unter Bei-
behaltung der ursprünglichen Formen ermöglichen. Bei
der Bearbeitung der Pläne wird es sich auch darum han-
deln, die neueren Umgestaltungen und Zubauten zu besei-
tigen, die den grundsätzlichen Charakter und den Stil der
Bauten zerstörten. Die Angelegenheit ist bereits günstig
erledigt worden, und die in Betracht kommenden Behörden
haben die Bewilligung zur photographischen Aufnahme erteilt.

Heimatschutz in Ostpreußen. Der Deutsche Bund
Heimatschutz hat, um Beispiele für die Gestaltung des
Wiederaufbaues geben zu können, Ostpreußen bereisen
lassen. Die noch vorhandenen wertvollen alten Baulich-
keiten wurden sorgfältig in den Einzelheiten aufgenommen.
Die Aufnahme der Geräte wird später erfolgen. Eine um-
fangreiche Veröffentlichung, die auch die Fluchtlinien und
Bauordnungen berücksichtigt, ist im Werk und soll den
Bauberatungsstellen und Bauenden zugänglich gemacht
werden. Ferner wird, wie Dr.-Ing. Werner Lindner kürz-
lich im Berliner Architektenverein mitteilte, beabsichtigt
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