Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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Nekrologe — Ausstellungen

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Körper mit dem umgebenden braunen Ackerland wird
hier durch das blau spiegelnde Wasser einer Tränke
noch besonders bereichert.

Ein schon 1882 entstandenes, von klarem Nord-
licht erfülltes »Atelier-Innere mit Malerin« des Frei-
herrn Hugo von Habermann, gleichsam ein »Neben-
bild«, bedeutet eine erfrischende Abwechslung im
Werke des fruchtbaren Damenporträtisten.

Als glücklichen Treffer muß man auch eine ältere
Arbeit von Lovis Corinth, »Vor dem Spiegel«, be-
zeichnen, die von rückwärts gesehene Gestalt eines
Mädchens im Neglige, das seine braunen Haarfluten
ordnet. Die in hellem Freilicht stehende Gestalt von
Max Liebermanns »Tennisspielerin« (1906) ist ein
Beispiel für die starke Vereinfachung malerischen
Sehens und zeichnerischen Darstellens, die sich im
späteren Stile ihres Schöpfers vollzogen hat.

Wilhelm Trübners kleiner »Waldspaziergang«, eine
vortreffliche Jugendarbeit (1876), zeigt die einst so
beliebten, nur in ihrer unteren Hälfte sichtbaren Baum-
stämme, zwischen denen in der Ferne ein paar rote
Frauenkleider aufblitzen. Dreiundzwanzig Jahre später
entstand sein »Mädchen im Garten«, auf dessen nied-
lichem Gesichtchen der grüne Widerschein des durch-
sonnten Laubes lagert.

Zu den Glanznummern der reichen Bilderschau
gehört ein Karl Schuch, der flockig breit mit vorzüg-
lich gelungener räumlicher Illusion dargestellte stei-
nige Treppenaufstieg einer »Straße in Olevano«.

In allerjüngster Zeit endlich erhielt die Sachssche
Galerie einen großartigen Zuwachs durch das bei
Arnold erworbene »Bildnis des Geheimrat Ernst
Seeger« von Wilhelm Leibi (Katalog-Nr. 246 in
Waldmanns Leibi-Werk). Es ist vielleicht das spre-
chendste Porträt von allen, die der Meister von seinem
bekannten Mäzen geschaffen hat, und zählt zu den
letzten, im Jahre vor Leibis Tode (4. Dezember igoo)
gemalten Bildern. So können wir in dem lebens-
vollen Kopfe des ergrauten Mannes mit dem klugen,
klaren Augenpaar ein Dokument der höchsten Voll-
endung Leibischer Kunst erblicken.

Es wäre noch vieles über diese erlesene Privat-
sammlung zu berichten, deren Zusammensetzung ihren
Besitzer ehrt und deren vorzügliche Pflege übrigens
auch ein rühmliches Zeugnis von der Kunst des Bres-
lauer Gemälderestaurators Oskar Loch ablegt. So
konnte bisher der Handzeichnungsabteilung noch nicht
gebührend gedacht werden. Und doch enthält diese
manches Kleinod. Da ist von Ludwig von Hof-
mann ein üppiger Frauenakt in weicher Pastellmodel-
lierung, sehr beachtenswerte Aquarelle von Gotthardt
Kühl und Walter Klemm, Paul Rieths orgiastische
»Ballvision« (Guasche), ferner Zeichnungen von Ludwig
Richter, Adolph von Menzel, Käthe Kollwitz, Wilhelm
Diez, Otto Greiner, Hans Meid, F. A. Weinzheimer
und manch anderem Meister.

Den glücklichen Besitzer all dieser Schätze zeigt
uns ein Porträt von Leo Sambergers Hand. Mit der
ihm eigenen starken und flotten Charakterisierungs-
kunst hat ihn der Maler, der übrigens auch durch

ein Selbstbildnis vertreten ist, dargestellt. Wir sehen hier
Carl Sachs, wie er sich mit Kennerlächeln seiner Samm-
lung freut, die er in großmütiger Weise dereinst in den
Besitz des »Schlesischen Museums der bildenden Künste«
übergehen zu lassen gedenkt. A. LINDNER

NEKROLOGE

Die deutsche Künstlerschaft beklagt den Heimgang
des talentvollen Malers und Kunstgewerblers Alfred
Mohrbutter (geboren 10. Dezember 1867 zu Celle,
gestorben 22. Mai 1916 in Berlin). Wenn auch nicht
von Geburt, so doch nach Art und Betätigung war
Mohrbutter mit Hamburg und dem Hanseatentum ver-
knüpft; in Altona ist er aufgewachsen, und dort hat
er auch die besten Jahre seines Lebens gewirkt. Weit
bekannt wurde sein Einfluß auf die Scherrebeker Web-
schule, fruchtbar auch seine Freundschaft mit dem dama-
ligen Assistenten am Hamburger Kunstgewerbemuseum,
späteren Direktor des Krefelder Museums, Dr. Deneken.
In Hamburg hat Mohrbutter viele Porträts gemalt und
dekorative Tafelbilder geschaffen, die sich alle durch einen
sicheren Geschmack auszeichnen, auf dem das eigentliche
künstlerische Ansehen Mohrbutters beruhte. Auch bei den
Bestrebungen zur Verbesserung der Frauentracht, die Ende
der neunziger Jahre einsetzte, wurde Mohrbutters Name
viel genannt. Seit 1900 wirkte er in Berlin als Lehrer an
der Charlottenburger Kunstgewerbeschule, bis ihn schweres
Leiden in den letzten Jahren zwang, sich immer mehr
zurückzuziehen. Diesem Leiden ist er nun erlegen.

Der Kunsthistoriker Dr. Kurt Freise ist als Leutnant
Ende Mai gefallen. Er war am 22. September 1884 in
Metz geboren und trat zuerst mit einem Werk über Pieter
Lastman an die Öffentlichkeit. Längere Zeit arbeitete er als
Assistent von Dr. Hofstede de Groot im Haag. Mit Karl
Lilienfeld und H. Wichmann zusammen gab er eine wohlfeile
Gesamtausgabe von Rembrandts Handzeichnungen heraus,
die seinenNamen auch weiteren Kreisen bekanntgemachthat.

Gustav Ebe, einer der einstmals in Berlin führenden
Architekten, ist Mitte Mai fast 82jährig gestorben. In
den Berliner Gründerjahren spielte die Architektenfirma
Ebe und Benda eine große Rolle. Das 1872 bis 1874 er-
baute Pringsheimsche Haus in der Wilhelmstraße (in
welchem sich jetzt die »Deutsche Gesellschaft« heimisch
gemacht hat) mit dem reizenden Puttenmosaik nach Anton
von Werners Entwürfen, ist heute noch ein schöner und
erfreulicher Anblick und hat die Namen seiner Schöpfer
in Ruhm gehalten, so daß wir unwillkürlich mit der
Nennung ihrer Namen die Vorstellung jenes Patrizier-
hauses verbinden. Aber Ebe hat noch eine Fülle großer
anderer Bauten geschaffen und ausgeführt: in Berlin vor
allem das Palais Thiele-Winkler in der Regentenstraße und
das großartige Haus von Rudolf Mosse am Leipziger Platz.
Stark beteiligte er sich auch an Wettbewerben für Dome
und Rathäuser und gewann seinerzeit für das Wiener Rathaus
sogar den ersten Preis; sein Entwurf wurde aber nicht aus-
geführt. Auch literarisch hat sich Ebe mannigfach betätigt.

AUSSTELLUNGEN

Zur Feier des 25 jährigen Regierungsjubiläums des
Königs von Württemberg wird in Stuttgart von Mitte
Oktober 1916 bis Januar 1917 eine Kunstausstellung statt-
finden, die die Entwickelung der württembergischen Kunst
in diesen 25 Jahren zeigen wird.
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