Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — N.F. 27.1916

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Nekrologe — Personalien — Ausstellungen

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Klinger für die Kreishauptmannschaft geschaffene Ra-
dierung und das schöne Gedenkblatt von Erich Gruner
für das Rote Kreuz hervorragen. Auch das ebenfalls von
Gruner geschaffene ernste und wirkungsvolle Plakat der
Ausstellung gehört der Aufgabe und dem Gegenstande
nach zu den graphischen Kriegerehrungen und sei hier
abschließend erwähnt. hermann voss

NEKROLOGE

Der Senior unserer Mitarbeiter, der seit Jahrzehnten
zu den regelmäßigen Korrespondenten der Kunstchronik
gehörte, Freiherr Otto von Schleinitz, ist vor einigen
Wochen im 78. Lebensjahre in London verschieden. Schlei-
nitz war in Trier als Sohn des dortigen Regierungspräsi-
denten geboren und trat, wie viele Sprossen dieser bekannten
Familie, in den aktiven Heeresdienst ein. Im Kriege 1864
hat er die Düppeler Schanzen mit gestürmt, und kurz vor
Ausbruch des jetzigen Krieges, am Erinnerungstage von
Düppel, wurde ihm die Freude, durch ein Telegramm unseres
Kaisers geehrt zu werden. Auch in den Kriegen 1866 und
1870 hat Schleinitz mit gekämpft; aber seine Gesundheit
zwang ihn dann, die militärische Laufbahn aufzugeben und
sich den literarischen und künstlerischen Interessen, die ihn
von Jugend auf bewegten, ausschließlich zuzuwenden. Er
siedelte nach London über und entwickelte von dort aus
eine rege Korrespondenten-Tätigkeit für eine Reihe von
Zeitungen und Zeitschriften. So trat er auch mit der Kunst-
chronik in Verbindung, und lange Jahre hindurch haben
sich die Leser seiner auf guten Kenntnissen der Dinge und
der Personen beruhenden Berichte über das englische Kunst-
leben erfreuen können. Rührend war die Treue, mit der
der alte Herr noch in den allerletzten Jahren seine Pflicht,
so schwer es ihm auch wurde, zu erfüllen trachtete, und
wir haben noch kurz vor Ausbruch des Krieges ihn in seinem
freundlichen Londoner Heim bei leidlichem Wohlsein be-
sucht. Der Krieg und die damit für ihn verbundenen
Schwierigkeiten trafen ihn so schwer, daß er langsam da-
hinsiechte, bis ihn schließlich ein sanfter Tod erlöste. —
Das beste was Schleinitz an literarischen Arbeiten hinter-
lassen hat, ist wohl sein Buch über Trier und sein knapp
und gut unterrichtendes Buch über London (beide in der
Sammlung »Berühmte Kunststätten«). Dann hat er auch
über eine Reihe von englischen Künstlern in Velhagen 8t
Klasings bekannter Serie Bände veröffentlicht, über Burne-
Jones, Crane, Hunt, Morris und Frederik Watts; mit Watts
war er auch näher befreundet. — Otto von Schleinitz
war eine liebenswürdige, hilfsbereite, anspruchslose Natur.
Wer das näher erfahren hat, wird sich seiner dankbar
erinnern. Die zahlreiche Teilnahme an seinem Leichen-
begängnis in London, trotz der jetzigen Zeit, hat davon
Zeugnis abgelegt. q k

Franz Hoch f- Am 17. Juni ist Franz Hoch im Alter
von 47. Jahren als Leutnant in den Vogesen gefallen. Ob-
wohl bei Kriegsausbruch schon über das militärpflichtige
Alter hinaus, trat er doch als Kriegsfreiwilliger in das Heer
ein. So wie er sich hier mit seinem Blut für die Sache
seines Vaterlandes eingesetzt hat, war er zeitlebens von
der größten Begeisterung für die Schönheit seiner deutschen
Heimat, erfüllt und er wurde nicht müde, sie in Gemälden,
Radierungen und Lithographien immer aufs neue zu preisen.
Als Künstler war er zwar nicht von großer Eigenart. Gern
ließ er sich von bedeutenden Meistern anregen. Vor allem
schloß er sich an Emil Lugo, an Thoma und Schönleber
an. Seine Liebe für die ausgesprochene Stimmungsland-
schaft mußte ihn naturgemäß nach München führen. Seit
1898 war der 1869 zu Freiburg i. Br. geborene, in Karlsruhe

herangebildete fast dauernd in München tätig. Künstlerisch
mit am wertvollsten sind wohl seine Schneelandschaften aus
dem Isartal und den bayrischen Bergen. a. l. m.

August Fink f. Am 25. Juni starb in München der
Landschaftsmaler August Fink. Erst vor wenigen Monaten,
am 30. April, hatte er seinen 70. Geburtstag feiern können.
Fink war geborener Münchner, bis zu seinem 26. Lebens-
jahre Kaufmann, und wandte sich dann der Landschafts-
malerei zu. Ed. Schleich und A. Lier waren seine Lehrer,
später schloß er sich an Wenglein an, doch ist seine Kunst
matter als die der genannten Meister der Stimmungsland-
schaft geraten. Seine Herbst- und Winterlandschaften mit
Motiven der bayrischen Hochebene und des Vorgebirges
erfreuen sich bei dem größeren Publikum seit langem
einer außerordentlichen Beliebtheit. a. l. m.

Am 19. März d. J. starb im Felde infolge eines Un-
glücksfalles der am 27. April 1874 geborene Frankfurter
Architekt und Glasmaler Rudolf Linnemann. Er war der
Sohn Alexander Linnemanns (1839—1902), der seit 1878
mit Steinle zusammen die Innendekoration des Frankfurter
Domes ausgeführt hatte und ist von seinem Vater natur-
gemäß stark beeinflußt worden. Seine eigentliche Schulung
empfing er auf der Berlin - Charlottenburger technischen
Hochschule besonders unter Karl Schäfer (1891 — 1894).
Auch ein längerer Aufenthalt in England (1898—1899)
wurde wichtig für ihn durch die Anregungen des dortigen
modernen Kunstgewerbes. Nach dem Tode seines Vaters
übernahm er mit seinem Bruder Otto die Anstalt für Glas-
malerei, die noch bis in die letzte Zeit sich weiter ent-
wickelt und Beschäftigung und Anerkennung auch im Aus-
lande gefunden hat. Von Rudolf Linnemann rührt u. a.
der Entwurf für die Ausstattung der Gesellschaftsräume des
»Steinernen Hauses« (1906) her, ebenso die Außenmale-
reien an einem Hause des Römerberges. Nebenher gingen
eine Anzahl Arbeiten für Kirchen. Seine liebenswürdige,
tüchtige Persönlichkeit befähigte ihn auch dazu, organisato-
risch als Leiter des Frankfurter Bundes für Heimatschutz und
als Vorsitzender der Frankfurter Ortsgruppe des Bundes
Deutscher Architekten hervorzutreten und eine fruchtbare
Tätigkeit zu entfalten.

PERSONALIEN
Dresdner Kunstakademie. Der Stuttgarter Maler
Robert Breyer hat sich zunächst grundsätzlich bereit er-
klärt, die Stelle an der Dresdner Akademie anzunehmen,
dann aber, nachdem seine Stellung in Stuttgart entsprechend
aufgebessert worden war, den Ruf nach Dresden abgelehnt.
— Ludwig von Hofmann hat sich noch nicht entschieden,
ob er nach Dresden gehen wird. — Georg Lührig hat
die Stelle als Vorsteher des Malsaals angenommen.

AUSSTELLUNGEN
Die Sommerausstellung der Münchener »Se-
zession«. Wenn ich in meinem Bericht über die vorjäh-
rige Ausstellung der Münchener Sezession die Tatsache
beklagen mußte, daß die Ausstellungsleitung wie die Mit-
glieder selbst eigentlich nichts getan hatten, um jene Aus-
stellung, die die letzte in dem Gebäude am Königsplatz
zu sein schien, besonders eindrucksvoll zu gestalten, um
die Berechtigung ihrer Forderung, daß man ihr als der
noch immer bedeutendsten Münchener Künstlergruppe be-
sondere Vorrechte einräume, eindrucksvoll jedem Besucher
vor Augen zu führen, so bedauere ich heute, daß es meine
Pflicht ist, über die diesjährige, unwiderruflich letzte Aus-
stellung in dem Haus bei den Propyläen berichten zu müssen,
daß der deprimierende Eindruck noch viel größer ist, als der
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