Eckardt, Anton [Editor]; Bayern / Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul-Angelegenheiten [Editor]
Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern (4,2): Bezirksamt Landshut — München, 1914

Page: 134
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II. B.-A. Landshut.

Kirche. Felder durch Gurtrippen getrennt. Die fünf Joche des Mittelschilfes und die drei
Beschreibung. ^Vggtjoche des nördlichen Seitenschiffes haben Rippenkreuzgewölbe, die letzteren
mit ringförmigen, runden Schlußsteinen. In den zwei Ostjochen des nördlichen
Seitenschilfes Sternfiguration. Tellerförmige Schlußsteine mit aufgelegten, spitzen
Wappenschilden. Im südlichen Seitenschiff einfache Netzfigurationen ohne Schluß-
steine. In den drei westlichen Jochen der beiden Seitenschiffe ruhen die Gewölbe
an den Umfassungsmauern auf schwachen, gefasten Wandpfeilern und spitzen Schild-
bögen. Im Mittelschiff und in den drei westlichen Jochen der Seitenschiffe Birn-
stabrippen, die auf profilierten, halben Achteckskonsolen ruhen. In den beiden
Ostjochen der Seitenschiffe doppelt gekehlte Rippen auf einfachen Spitzkonsolen,
teilweise profiliert und mit spitzen Wappenschilden belegt.
In der Sakristei Rippenkreuzgewölbe mit großem, rundem Schlußstein. Die
Rippen, teilweise einfach gekehlt, teilweise mit reicherem Birnstabprohl, entwachsen
der Wand.
Die Fenster des Chores sind spitzbogig, zweiteilig, mit Maßwerk. (Fig. rig
und 114.) Die Leibung teilweise schräg, teilweise gestuft und gefast. In der nörd-
lichen Schrägseite des Chores spitzbogige Blende, gefast, mit zwei eingelassenen
Rundfenstern übereinander. (Tafel XIII.) Im südlichen Seitenschiff zwei breite, vier-
teilige Spitzbogenfenster mit Nasen. Die übrigen Fenster ebenso breit, aber rund-
bogig. Kleine Spitzbogenfenster auf der Westseite neu.
Die Kirche hat drei Portale, alle spitzbogig. Gewände mit Rundstäben — am
West- und Südportal je zwei, am Nordportal einer — und Kehlen.
Außen am Chor schwache Dreieckstreben und Dachfries. Am Langhaus recht-
eckige Strebepfeiler, einmal abgesetzt. Das Langhaus ist mit Ausnahme der zwei
Ostjoche des Nordschiffes ohne Sockel. Die Langhausdachung erstreckt sich über alle
drei Schiffe. Der ansehnliche gedrungene Turm erhebt sich in fünf ungleich großen
Geschossen. Am fünften Geschoß Spitzbogenblenden und spitze Schallöffnungen.
Dachfries. Eingeschnürte Kuppel. Der Bau ist teilweise unverputzt. Von malerischem
Reiz für das Gesamtbild der Kirche (Tafel XIII) ist der im Winkel zwischen Chor
und Turm angebrachte steile, holzverschalte Turmaufgang und, nordöstlich und süd-
lich der Kirche, je ein Torbogen der Friedhofmauer mit Spitzbogen und steilem
Treppengiebel.
Wandmalereien. Im Chor und im Mittelschiff des Langhauses haben sich Wandmalereien
erhalten. Im Chor an der Nordwand, innerhalb der Schildbögen, Alariä Verkündigung
und die Sieben Schmerzen Alariä (Fig. 110), unter dem ersteren beschädigte Inschrift
mit der Jahreszahl vjpp und dem Wappen der Patzinger. Der ursprüngliche Charakter
wurde durch wiederholte Übermalung beeinträchtigt. Uber die ursprüngliche Farben-
gebung läßt sich aus dem gleichen Grunde nicht urteilen. Trotzdem sind die Alale-
reien, die in stilistischer Hinsicht noch manche Anklänge an die Gotik zeigen, be-
achtenswert, besonders das Bild der Sieben Schmerzen, dessen einzelne Rundbilder —
Beschneidung Christi, Flucht nach Ägypten, der zwölfjährige Jesus im Tempel, Kreuz-
tragung, Kreuzigung, Beweinung, Grablegung — manche Feinheit der Komposition
enthalten. (Erwähnt bei HANS BucHHEiT, Landshuter Tafelgemälde des XV. Jahr-
hunderts und der Landshuter Alaler Hans Wertinger genannt Schwabmaler, Leipzig 1907,
S. 66.) Das Bild der Sieben Schmerzen ist mit gleichzeitigem, flott gemaltem Ranken-
werk umgeben, das die Leibung des Schildbogens und die entsprechenden Wand-
pfeilerseiten überzieht. Die Ornamentbemalung der Fensterleibungen um 1399. Ebenso
an der Ostseite des Chorbogens zwei Engel mit dem Schweißtuch Christi.
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