Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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von Wolfgang von Dettingen.

Die internationale ^ubel-Ausstellung in Wien.


des Lichtes illustrieren, seien nur noch ein paar andere, Sorglosigkeit der Künstler gegenüber angeblichen Sieben-
neutralere genannt: eine flotte Skizze von Theodor suchen); eine technisch sehr gelungene Gnomenszene von

Rocholl, auf der ein preußischer Ulan einen fran- Karl Gehrts „Jägerlatein", ein „Trödlerladen" von

zösischen Kürassier verfolgt (letzterer ist im Katalog als Fritz Schnitzler.

Linkshänder abgebildet, dank jener keineswegs seltenen ' (Ein Schlußartikel im nächsten Hefte.

Die internationale Jubel-Au^steliung in Wien.

von Larl von vincenti.

II

Die Engländer in Wien,
as Ereignis der Ausstellung sind die Engländer.
Sie sind neu bei uns und, wie überall, eine Über-
raschung. Weder 1882 noch 1888 sind sie im Künstler-
hause gewesen. Wir liegen eben schon weit im Osten
hinten. Weitere Kreise haben hier bis jetzt nur Herkomer
und Neid gekannt. Das entzückende transatlantische
Käthchen des elfteren war bis jetzt der größte englische
Kunsterfolg in Wien gewesen. Den schottischen Koloristen
haben nicht alle verstanden, selbst aus der Kunstgemeinde
nicht. Jetzt füllen Engländer und Schotten zwei Säle
und sind unsre vornehmsten Gäste. Es ist somit gewisser-
maßen schon Anstandspflicht, sich mit ihnen zuerst und
besonders zu beschäftigen. In den Jungferntagen der
Ausstellung konnte man bisweilen in der englischen Ab-
teilung recht hilflose Leute sehen, heute ist sie bereits
populär. Nicht allein Schaulust, sondern auch Kauflust

*) I. siehe Heft 13.

für die Engländer ist vorhanden, die blauen Zettel be-
zeugen es. Es ist merkwürdig, wie die Ausgeglichenheit,
das vornehme Blaß, die schöne Ruhe dieser Kunst selbst
auf den gewöhnlichen Beschauer wirken. Die Räume
atmen Noblesse, heischen eingehende Betrachtung. Kein
flüchtiger Reiz ist's der hier fesselt, sondern das sich als-
bald einstellende Bedürfnis intimer Vertiefung. Jeder
empfindet sich hier einer im vollsten Sinne nationalen
Kunst gegenüber. „Nationale Kunst" als solche hat in
diesen Blättern allezeit warme Fürsprache gefunden und
angesichts des geschlossenen Auftretens der Engländer in
Wien sagen wir: Mit Recht. Wir wären glücklich, gäbe
es in Deutschland eine Kunst wie diese englisch-schottische
Jnsular-Malerei, welcher allerdings alle Kontinente zur
Verfügung stehen.

In Londoner Ausstellungen geht's allerdings nicht alle-
mal so gewählt und gedämpft her, wie in den englischen
Sälen des Wiener Künstlerhauses. Dort fehlt es nicht
an krauser Querköpfigkeit, die entweder um jeden Preis

Da xacsin, Oornlns, ln Msdus riostvls. von Hermann Prell.
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