Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 8.1892-1893

Seite: 356
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Die Iahresausstelluiig der Mustlergenossenschaft zu lllünchen.

Genrebild, von L. ksarburger.

sehr rührender Abel von Carlss in Paris. — Eine ganz besonders drollig aufgefaßte Dame ist dann „die
Konkurrenz" des Wieners Dürnbauer, die an Heißhunger zu leiden scheint, während der hl. Georg von Syrius
Eberle seinen kleinen Haus-Drachen doch etwas gar zu gemütlich absticht. — Fremiet in Paris sandte dies-
mal nur Bronzefigürchen, unter denen ein „Alguazil" zu Pferde durch sein keckes Auftreten besonders gefällt.
Viel Rasse und Energie zeigt auch die Judith von Günther-Gera, die den eben abgehauenen Kopf des
Holofernes noch in der Hand haltend sich eben ein wenig verschnauft. Daß die aber gefährlich ist, das sieht
man jedenfalls. Recht hübsch ist dann noch die Brunnenfigur einer „Träumerei" von Kauffungen in Wien.
Zu diesen Brunnenfiguren voll Lebendigkeit und naturalistischer Frische zählt auch Netzers Jüngling, der sich
einer wasserspeienden Schlange zu erwehren sucht, eine talentvolle Arbeit, die jetzt als pikanter Springbrunnen
den großen Bildhauersaal ziert. Sehr schön gedacht ist dann der „Moses" von König in Wien, der auf den
von der Maria gehaltenen kleinen Christus hinweist. Ebenso eine „Urania" von demselben, wie denn wenige
Künstler so gut verstehen, auch mit kleinen Figürchen grandios zu wirken. Edel erfunden erscheint ferner eine
Genie, die den Lorbeerkranz auf ein Grab niederlegt, von Kühn in München, wie die begeisterte Gestalt eines
jungen Künstlers von Kumm in Berlin. Auch des Genfers Leroi „Fatalits" ist nicht ohne Verdienst in
ihrer furchtbaren Unerbittlichkeit, und Mayers „Betrachtung" bleibt wenigstens eine hübsche Person, was für
allegorische Damen ja so oft genügen muß, da man die hübschen Mädchen bekanntlich selten überflüssig findet.
Der talentvolle Wadsre gab dann die kleine trotzige Bronzefigur eines Herzogs Christoph des Kämpfers
und eine sehr anmutige Madonna in trono. Zu den zierlichsten Arbeiten der Kleinplastik zählen Fritz
von Millers „Violinspieler" und „Amor", in Silber sehr pikant ausgeführt, während ein „Archimedes"
von Pfannschmidt doch etwas zu sehr als Herr Professor geriet. Ringel d'Jllzach giebt dann seinen „König
Zufall" als einen betrunken herumtaumelnden Riesen nicht ohne guten Humor, und Ried iss er charakterisiert in
seinem als Kriegerdenkmal gedachten, die Fahne hochhallenden bayerischen Soldaten recht gut die unverlierbare
Bravheit der Rasse. Den hartnäckigen Mut und die Unbeugsamkeit des Schweizers zeigt dann vortrefflich der
unglückliche Stauffer-Bern in seinem „Bubenberg", wie denn auch sein „Adorant" über seine plastische Be-
gabung keinen Zweifel läßt und uns aufs neue mit Bedauern über die rohe Mißhandlung erfüllt, die man
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