Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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unbekannten italienifcßen Meifter um 1580 modellierte „Ojefeus, die klaffen [eines
Vaters Ägeus vorwälzend“ (vgl. Bode, S. 27). 3um Schluß kommen noch zwei Gegen-
[tücke von Niccolo Roccatagliata, Nachfolger des Aleffandro Vittoria: „Knabe mit Bünd-
chen“ und „Knabe mit Doppelflöte“ (Bode, S. 3).
Das 18. Jahrhundert ift in der Sammlung Bacßftits felbftverftändlid) ebenfalls reich
vertreten: Gobelins, Bijouterien, Cafcßenußren, Miniaturen, Porzellane in Bülle und Fülle
Für ein hervorragend gutes Stück hake ich den Louis-XIV.-Gobelin von dem Parifer
Martin Roulens (figniert M. R. mit drei hellblauen bourbonifchen Lilien in weißem Felde)
mit der Darftellung einer Landfcßaft mit Nymphen.
Unter den Cafcßenuhren fällt ein goldenes Exemplar mit Emailmalerei auf. Das
ttlerk ift figniert A. Bourdillon; der Stockholmer Emailmaler, der im Jahre 1761 die
entzückenden Putten malte, fcheint nicht bekannt zu fein.
3um Schluß noch ein paar Ulorte über die Miniaturen. Für Sir Richard Cosway
(1742—1821) dürfen vier Porträtbildniffe in Anfprurf) genommen werden. 3unächft das
bezeichnete und 1792 datierte Bruftbild eines jungen Fjerren in grauem Bat mit breiter
Krempe und Straußfeder, dann das bekannte Bruftbild einer jungen Dame in weißem
lila garniertem Kleide mit großem Bat m:t Bändern, ferner das unvollendete Bruftbild
eines jungen Mannes aus der Kollektion Bawkins, endlich die hübfche Frau mit ge-
pudertem Baar in weißem Kleid mit violettem Gürtel. Dem Bofmaler Georgs III., George
Engleßeart (1772—1829) wurde das Bruftbild des Mrs. Äbington zugefchrieben. Sie
trägt ein graues mit Spieen befefetes Kleid, das [ich vorteilhaft von dem grünlichgrauen
Bintergrund abhebt. Von Andrew Plimer (1763—1837) ift das aus dem Gutman-
Katalog (Nr. 321) bekannte Knieftück einer jungen Dame mit offenem hellblonden Baar
in weißem Kleide mit roter Schärpe. Von den franzöfifchen Miniaturmalern ift der
Parifer Künftler Violet mit einem bezeichneten und 1786 datierten Porträt einer jungen
Frau nach Greuze vertreten (vgl. Benri Buchot, La Miniature fran^aise, S. 78—80), dann
de Valori mit dem ebenfalls fignierten und 1790 datierten Bildnis des Benjamin Franklin,
endlich der Bofmaler Ludwigs XVI., Louis Gicardio (1746 —1825), mit dem fignierten
Bruftbild einer Dame mit lockigem Baar, die ein rotes Band durchzieht. Beinrich
Fr. Füger (1751 —1818) hat anfdjeinend das Bruftbild des Grafen Franz Jofeph Johann
Fries mit Federhut, rotem Mantel und hellviolettem Rock gemalt.
Das wären die Bauptftücke der Sammlung Bachftiö- tüer noch in der Lage ift, die Samm-
lungen zu befichtigen, bevor fie in alle Ulindezerftreut fein werden, foll die Gelegenheit nicht
unbenutzt laffen. Manchen Deutfchen wird es traurig ftimmen, daß diefer zum allergrößten
Ceil ehemalige deutfche Kunftbeptj im allgemeinen für Deutfchland rettungslos verloren ift.
3u den Äbbildungen
Hndrea Riccio, Bronzebüfte eines Satyrs auf ßoßem Marmorfockel. Böße ohne Sockel 13cm,
mit Sockel 26 cm. (Cafel S. 98) / Giovanni da Bologna, Barpyie auf einem Delphin reitend.
Böße oßne Sockel 19 cm, Länge 21cm (Hbb. S. 101) / Guglielmo della Porta, Latona und ißre
Kinder. Vergoldete Bronzegruppe. Länge oßne Sockel 19 cm, Böße 12 cm, Breite 8 cm (Hbb. S. 101) /
Giovanni da Bologna, Venus nach dem Bade. Bronze in Goldton angefertigt für Kaifer Maximilian
von Öfterreicß. Signiert: JOHHNNES BOLOGNÄ BELGÄ. Böße oßne Sockel 25 cm (Hbb. S. 102) /
Niccolo Roccatagliata, Knabe mit Doppelflöte. Büße oßneSockel 21 cm (Hbb. S. 103) / Niccolo
Roccatagliata, Knabe mit Bündcßen. Böße oßne Sockel 21 cm (Hbb. S. 103) / Corfo ausparifcßem
Marmor. Hpßrodite. Böße 65 cm. 3. Jaßrß. v. Cßr. (Hbb. S. 104) / Canagra, Mädchen mit dem
Spiegel. Böße 24,5 cm. 3. Jaßrß. v. Cßr. (Hbb. S. 10h / Gobelin Louis XIV. (Hus den Metamor-
pßofenOvids.) Signiert: M. R. mit drei bourbonifcßen Lilien im weißen Feld. 340X^60 cm (Hbb. S. 109) /
Kugelige Flafcße mit langem BaL- Römifcße Kaiferzeit. Böße 15 cm, Durcßm. 7,5 cm (Hbb.
S.110) / Goldener Scßwertgriff. Islamitifcße Goldfcßmiedearbeit. 12. Jaßrß. (Hbb. S. 110) / Ge-
betbuch Kaifer Karls V. Officium dive Virginis Marie. Pergamentßandfcßrift. Spanien, Mitte
16. Jaßrß. (Hbb. S.111) / Gebetbuch Jagiello von Polen. Pergamentßandfcßrift. Frankreich, um
1420 (Hbb.S. 111) / Ganymed-Scßmuck (Grabfund, Mazedonien). 4.—3. Jaßrß. v. Cßr. (Hbb. S. 112).

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