Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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fein. In den 3ufammenhang der gleichzeitigen deutfcßen Malerei [teilt es [ich) mit
[einen Fjauptfarbklängen: warmes Ro[tbraun von tiefem Blau und gelblichem (üeiß be-
gleitet. Es find die Farbklänge der Feuerbach-Canon-Generation.
Die graphifche Abteilung zeigte nur eine Auswahl aus dem zur Verfügung ftehenden
Material. Auch fie brachte wichtige (derke. Drei Rembrandt benannte Blätter ftandcn
im Mittelpunkt, weitere Holländer (van Goijen, (üaterloo, de 5 ul ft) [chloffen [ich an.
Befonders [chön war die deutfdje 3ei<henkunft aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts
repräfentiert: C. D. Friedrich, J. A. Koch, (üeinbrenner, Ellenrieder, Frommei, Genelli,
Ernft Fries, Kerfting, Schwind, Preller, ((Unterhalter [ah man in vortrefflichen Proben.
Auf die neuere 3eichenkunft war verzichtet worden.
Ein ausführlicher Katalog mit 32 Abbildungen und genauen biographifchen Angaben
hält das Gefamtbild der Ausftellung feft.

Ein neuer


Von O. H. FOERSTER / Mit
zwei Abbildungen auf einer Tafel

In der Sammlung Richard v. Sdjni^ler in Köln befindet fid) ein 38 X 30 cm großes
Bildchen, der hl- ßieronymus im Studierzimmer am Pulte fixend, mit einem kleinen
Geräte-Stilleben an der ((Iand und einem Landfchaftsausblick durch die üür, welches im
Jahrgang 1917 des „Cicerone“ auf Seite 364 veröffentlicht worden ift. Die alte, an-
geblich auf Friedländer zurückgehende und eigentlich fchon lange von niemandem
mehr glaubhaft gefundene Beftimmung auf den Meifter des ßeifterbacher Altares wird
nun, wie wir auch im Bericht über die Kölner Privatbefits-Ausftellung kurz erwähnen,
durch Prof. ß. Reiners angefochten, der [ich in einem längeren Auffaft in Nr. 863 der
Kölnifchen Volkszeitung nachzuweifen bemüht, daß es [ich um ein Jugendwerk Loch-
ners handeln müffe. Bei der geringen 3ahl eigenhändiger Bilder von Lochner, von
denen wir Kunde haben, hat die Frage ein über das Lokale hinausgehendes Intereffe.
üüir [teilen hier das Bild einer Detailaufnahme aus dem ((Ieltgerichtsaltar gegenüber,
welche allerdings in den Cypen, in der Unausgeglichenheit der räumlich-plaftifchen
Vorftellungen und in der ganzen, weichen und doch energifchen Formenfprache große
Übereinftimmungen aufweift, (nichtiger aber ift, was nur die Vergleichung der Originale
erkennen läßt: die Ähnlichkeit in der farbigen Behandlung, die leichte jugendliche Be-
fangenheit bei aller Eckigkeit der Kompofition und der Figurenmotive, das einerfeits
eigenwillig-harte und andererfeits doch fchüchterne, unausgefprochene und gelegent-
lich ein wenig trocken-unperfönliche (Hefen, welches jedem Betrachter das Schnifeler-
fche Bildchen zunächft als eine recht [ekundäre Angelegenheit erfcheinen läßt — bis
man durch häufiges Betrachten in der Cat dazu geführt wird, unter der befcheidenen
ßülle die Löwenklaue zu entdecken. Lochner ift ja nicht, wie Jan v. Eyck oder ((Iifs,
ein Bahnbrecher räumlicher Kompofition gewefen — im vollkommen flächigen Dom-
bild hat er fiel) ganz gefunden, und feine in diefer Beziehung noch inftinktunfießeren,
nach den anders orientierten 3eitgenoffen [dielenden Frühwerke find darum wert-
volle Belege feines Ringens um die eigene Form; Vereinfachung und Klärung find die
Errungenfchaften feiner Mannesjahre, Selbftbefcheidung und dadurch Steigerung find
die wefentlicßen Vorausfetjungen jener Entwicklung, die vom „Jüngften Gericht“ zum
Dombild führt.
Sollte freilich die entgegengefehte Anfid)t namhafter Forfd)er fich als begründet er-
weifen laffen, wonach der ((Ieltgerichtsaltar (in München, Frankfurt und Köln) ein Spät-
werk wäre — dann könnte die 3ufd)reibung des ßieronymus an Lochner allerdings
nicht gehalten werden, denn nach 1430—35 ift das Bildchen beftimmt nicht entftanden.

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