Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Aus dem rßeinifdjen Kultur gebiet

Vom (üallraf - Ricßarfe - Mufeum und der Stadtverwaltung / Salmonys
Äusftellung / Die Eröffnung des Kölnifcßen Kunftvereins / Der Fjilde-
brandbrunnen / Düffeldorf er Porträtausftellung u. a. m. Von H.v.WEDDERKOP
ährend die Ereigniffe künftlerifcßer Natur in Köln zunäcßft nocß etwa nad) Äb-


lauf eines Jahres Anlaß zu einem mageren Bericht geben, wird es dazu woßl

” v näcßftens des Ablaufs eines Luftrums bedürfen. Man fielet nicht, wie das
Cempo befcßleunigt werden könnte. (Darum dies eher als ein Vorteil anzufeßen ift,
foll fpäter gefagt werden.
Es muß wiederum daran erinnert werden, daß es in Köln ein Ülallraf-Richarfe-
Mufeum gibt. Darauf muß ßingewiefen werden, denn es fcßeint nacß der Stellung-
nahme der Stadtverwaltung diefem Inftitut gegenüber, daß die fefte Äbficßt befteßt,
feine Exiftenz zu negieren. Das Mufeum ift zwar, foviel mir bekannt, aus dem
Dezernat, in dem es mit Müllabfuhr unter anderem vereinigt war, herausgenommen
und irgendeinem fogenannten Kultusdezernat angegliedert, aber das Äußerfte, wozu
ficß der jefeige Dezernent zu verfteßen fcßeint, ift die Erhaltung des Beftandes. Das
Dezernat ift übrigens in fozialdemokratifcßen Fjänden. Die (Tätigkeit des Direktors
Schäfer befteßt daßer gezwungenermaßen im Liebäugeln mit Dingen, die er anfcßaffen
möchte. Er ließt fie ganz deutlich, fie fteßen auch im Mufeum, aber nur zur Änficßt
für ißn felbft und diejenigen, denen feine Liebenswürdigkeit 3utritt zu der großen neu-
gotifcßen Crypta, feinem Bureau geftattet. Ift ein neuer Privatkäufer da oder wird der
Kunftßändler, dem die zur Änficßt gefcßickten Kunftgegenftände gehören, ungeduldig,
verfcßwindet der fcßöne Gegenftand und das Neugotifcße tritt wieder fcßonungslofer
und kälter denn je hervor. Diefer Augenblick, wo fie es wegßolen, muß traurig und
verödend fein, fcßwäcßt ficß auch kaum durch (Diederßolung ab. Diefes Syftem fefet
außerdem außergewöhnlich gutmütige Kunftßändler voraus, die eine 3citlang auf Gefcßäfte
verzichten. Die Kunftßändler, überhaupt die wirklichen Pioniere der Kunft, Pioniere
der Cat, zu Kunfttßeoretikern fidß verhaltend wie der Fechter zum Phantom, ftüfeen
ßeute diefes (Xlallraf-Ricßarfe-Mufeum, zeigen docß nocß manchmal Neues. Gebe Gott,
daß ißre Geduld vorßält und fie nicht fagen, daß fie derartige Kunden, die alles be-
fcßnüffeln und nichts kaufen, fatt haben.
Jedenfalls fifeen diefes Mufeum und fein Direktor ungefpeift. Ab und zu werden
Neuarrangements gemacht, die niemand aufregen, die man aber manchmal fcßade findet.
Diefe Verßältniffe in Köln find außergewöhnlich, es ift zu diefen Dingen, die in Köln walten
und mäcßtig find, überhaupt woßl kein Verhältnis ßerzuftellen. Sobald der Etat mitfpielt,
kommt das Eifige eines Verßältniffes hinein, was immer zwifcßen dem Subfidienberecßtigten
und Verpflichteten befteßt. Es bleiben alfo die inoffiziellen Spender, die der Verewigung
in Meffing und Marmor harren oder ficß damit begnügen, daß der Volksmund fie ver-
ewigt. Es gibt davon wie Sand am Meer in Köln, man müßte fie mit allen Mitteln
einfangen, und wenn es nicht anders ift, mit dem Vorhalten des moralifcßen dlertes
einer Stiftung, bei der Vorliebe für Sachwerte ziemlich nicßtsfagend für die heutige
3eit. Icß war niß verantwortlich für die Entwicklung eines Mufeums, danke Gott nach-
träglich, daß er derartigem aufkeimenden Ehrgeiz nie nacßgegeben hat, kann es daßer
aucß mcßt beurteilen, ob es fcßwierig ift, Privatftifter ßeranzuzießen. Mir ift nur be-
kannt, daß Fjerr Louis Fjagßn z- B* viel Verftändnis und Intereffe für alte Kunft hat,
daß Fjerr Otto (Dolff wegen feiner Großzügigkeit im Geben bekannt ift und daß Fjerr
Otßmar Strauß ein temperamentvoller Sammler ift. Dies nur, um einige ideale Stifter
zu nennen. Die Änzaßl läßt ficß unbefcßränkt vermehren.
Meiftens ift man aus einem konventionell-traditionellen Empfinden heraus gedrängt
entfcßieden Stellung zu nehmen, in diefem Fall gegen die Stadtverwaltung, die, icß

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