Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Sammlungen
Landesgewerbe-Mufeum Stuttgart
Bericht über die Jab re 1916 bis 1921
Faft [amtliche deutfcße Mufeen haben fchon
feit Jahren die vor dem Kriege muftergültig aus-
gebaute Bericbterftattung über Neuerwerbungen,
Husftellungs- und Verwaltungstätigkeit notge-
drungen eingeftellt. Es ift ein neuer Beweis
für die unermüdliche Catkraft Pazaureks, daß
er für das ihm unterftellte — in Cüahrßeit von
ihm erft gefchaffene — Mufeum, diefe Bericßt-
erftattung in der alten Form, zurückgreifend bis
zum Jahre 1916, wieder aufgenommen hat. Qns
allen hat er damit ein nachahmenswertes Bei-
fpiel gegeben.
Äußerlid) freilich unterfcßeidet das foeben aus-
gegebene Fjeft fiel) nicht unwesentlich von den
ftattlichen Vorgängern, die uns in regelmäßiger
Folge und mit mufterhafter Pünktlichkeit bis zum
Jahre 1915 über alle Vorgänge am Klürttem-
bergifeßen Landesgewerbe-Mufeum unterrichte-
ten. Die Lichtdruck- und Farbentafeln mußten
fortfallen, der Cext befeßränkt fid) auf eine
inventarmäßige Hufzäßlung der Neuerwerbungen
mit den knappften wiffenfcßaftlicßen Nachweifen,
die vielleicht doch, wenn auch unter nocß kri-
tifeßerer Kürzung des über zehn Seiten um-
faffenden Verzeicßniffes der von den wiffen-
fcßaftlicßen Beamten des Äiufeums herausge-
gebenen Veröffentlichungen, etwas ausführlicher
hätten gehalten werden können.
Dem raftlofen Spüreifer Pazaureks, dem in
unbegreiflichem Maße die Gabe verließen ift,
feiner Sammlung ßilfe- und feßenkbereite Freunde
zu gewinnen, ift es gelungen, allen Fachabtei-
lungen feines Mufeums — auch der Sammlung
der Gefcßmacksverirrungen — wertvolle, oft her-
vorragende Ärbeiten zu fießern, von denen die
wießtigften im Bilde vorgeführt werden.
Neben diefer Vermehrung der Sammlungen ift
auch während der Kriegs- und Nacßkriegsjahre
eine ganz erftaunlicß vielfeitige Äusftellungs-
tätigkeit hergegangen, die in Stuttgart feit langem
geradezu zur Virtuofität ausgebildet ift.
Äuf jeder Seite des Berichtes fpürt man das
Cilirken des Geiftes, der im Verlauf weniger Jahre
das Stuttgarter Landesgewerbe-Mufeum zu dem
gemacht hat, was es heute ift. M. S.

Ein Millet- „Fund“
Im Jahre 1915 find dem Mufeum in Cherbourg
16 tllerke von Millet (neben einigen früheren
Genrebildern in der Fjauptfacße Selbftbildniffe und
Porträts feiner Verwandten) vermacht worden, von
denen man feitßer nichts meßr gehört hat. Diefer
ßalbvergeffene Scßat?> ift kürzlich von der Mu-
feumsdirektion öffentlich ausgeftellt worden und
damit konnte einem öffentlichen Skandal vorge-
beugt werden. Inwieweit das in Cherbourg
vereinigte Oeuvre des Meifters kunftgefcßichtlicß
wichtig ift, wird man erft fpäter feftftellen können,
nachdem das Material felbft veröffentlicht worden
ift. Für Millets Rußm forgt im übrigen gerade
in diefen Lagen eine dreibändige Publikation,
die Moreau-Nelation unter dem Eitel „Millet
raconte par lui-meme“ bei Laurens in Paris
herausgibt. Diefes grundlegende Klerk des be-
kannten franzößfeßen Schriftfteliers wird alle
auf Millet bezüglichen Dokumente, dazu an
400 Reproduktionen feiner <Uerke, darunter auch
die aus dem Mufeum in Cherbourg, veröffentlichen.
Bo [ton
Dem Mufeum ift ein Porträt der Maria Lßerefia
vonVelasquez zum Gefcßenk gemacht worden,
das im 17. Jahrhundert dem Erzherzog Leopold
gehört hatte und dann in den Befiß des öfter-
reießifeßen Kaiferßaufes übergegangen war. Im
Katalog der kaiferlicßen Kollektionen war es
unter Nr. 618 verzeichnet. F.
Brooklyn
Dem Mufeum ift die Sammlung antiker Bronzen
und Vafen fowie italienifcßer Renaiffancemöbel
und anderer Kunftgegenftände des verftorbenen
<11. F). Merriman im inerte von etwa einer
Million Dollar als Erbe zugefallen! F.
Cambridge
Im Fogg-Mufeum wurde jüngft ein Ältar-
gemälde von Fra Hngelico, die Kreuzigung
darftellend, zur öffentlichen Husftellung gebracht.
Es ift das Mittelftüdk eines Dreiflügelaltars, etwa
aus dem Jahre 1450. Links im Vordergrund kniet
ein Dominikaner. F.
djemnii^
Die Städtifcße Kunftfammlung erwarb aus
Stiftungsmitteln die Bronzeplaftik „Einzug“ von
Ricßard Scheibe, Berlin, einem geborenen
Chemnitzer, und das Gemälde „Männer bei Kerze„

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