Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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3 um malerifcßen Cüerk von Rubens
Mit sechs Abbildungen auf vier Tafeln Von AUGUST L.'MAYER

Die neue Auflage des Rubensbandes in der Folge der „Klafpker der Kunft“ hat dank
der großen Kennerfcßap und der Arbeitskraft des allzufrüh verftorbenen Bearbeiters
Rudolf Oldenbourg die Rubensforfcßung einen mächtigen Schritt vorwärts gebracht.
Klie Oldenbourg felbft ausdrücklich) bemerkt, find infolge äußerer (Imftände die Skizzen
und Bildniffe, die ißm bekannt waren, nicht alle zur Reproduktion gelangt. Abgefeßen
aber von diefen nur in den Erläuterungen erwähnten Arbeiten, die alfo wenigftens durch)
diefe kurzen 3itate Eingang in die Rubensliteratur gefunden haben, find in jüngfter
3eit einige wichtige Arbeiten aufgetaucßt, die noch) Oldenbourg unbekannt geblieben
waren oder von ißm mcßt in ißrer vollen Bedeutung eingefcßäßt worden find. Von
einigen diefer Stücke [oll im folgenden die Rede fein, ebenfo wie ich) dabei die Ge-
legenheit ergreifen möcßte, zu verfcßiedenen Bemerkungen Oldenbourgs kurze Ergän-
zungen zu geben.
In feinem Auffatj „Rubens in Italien“1 2 ift Oldenbourg naturgemäß auf das fcßon
wiederholt behandelte Kapitel „Rubens und die Antike“ erneut eingegangen. In einer
Anmerkung fpricßt er (a. a. O. S. 278) auch von einer Darftellung des Fjerkules, die un-
mittelbar von dem „Herkules Farnefe“ abhängig ift. Das betreffende Bild, das Olden-
bourg nur nad) einer Photographie kannte und vor etwa zehn Jahren im deutfcßen
Kunftßandel auftaudjte, feßien ißm eine direkte Kopie nach) einem verfcßollenen Rubensfcßen
Original zu fein. Diefes Stück ift nun vor einiger m eine bekannte Münchner Privat-
fammlung gelangt (Abb. S. 55). Der Befitjer ließ das kleine Fjolzbild reinigen, und fieße da,
die derben, entftellenden Übermalungen verfeßwanden, und eine prachtvolle eigenhändige,
feßr flüffig gemalte Skizze von Rubens kam zum Vorfcßein! ((Iiederum verrät pcß die
ganze Selbftßerrlicßkeit des Flamen. Denn intereffanter und wertvoller noch) als die
Übernahme des Motivs ift die Art der (Imgeftaltung, die Überfettung ins flämifcße Barock.
Daß die Formen in jeder hjinpcßt den eeßt Rubensfcßen Duktus zeigen, ift felbftver-
ftändlicß. Von der (Imwandlung des Standmotivs in das Scßreitmotiv ßat fcßon Olden-
bourg kurz gefproeßen. Aber der Drang des Meifters nach) Bewegung, nach Aktivität
ift damit noch) nießt befriedigt: Rubens läßt den Fjerkules über die Leiche des Antäus
feßreiten. Docß auch) dies ift für Rubens noch) nießt genug: Die Rechte des toten Antäus
verkrampft pcß in die Keule des Siegers.
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Die beiden unvollendeten Bildniffe des Erzherzogs Albrecßt und der Infantin
I fab eil a, die Glück vor einiger 3^it für das Kliener Staatsmufeum erworben ßat, pnd
in Facßkreifen viel diskutiert worden-. Icß möchte mich) aus zwei Gründen hier dazu
äußern. Einmal weil dem Schreiber diefer 3eüen naeßgefagt wurde, er habe die Authentizität
der Bilder angezweifelt, und zweitens um auf den 3ufammenßang mit der Porträtauf-
faffung des jüngeren Pourbus ßinzuweifen. Die Kliener Bilder pnd zweifelsohne eigen-
händige, für unfere Kenntnis von Rubens künftlerifcßer Entwicklung ßöcßft auffcßluß-
reieße Arbeiten. Icß bin unabhängig von Oldenbourg und Glück zur gleichen Datierung
auf das Jaßr 1609 gekommen. In London faß icß im Fjerbft 1921 bei Durlacßer Bros,
ein männlicßes Bildnis von der Fjand des jüngeren Pourbus, genau wie die ((Iiener vor
einen brennendroten, leicßt horizontal (durch) Schatten?) geftreiften Vorhang geftellt
(Abb. S. 58). Aucß das Stockholmer Mufeum bep^t ein pourbusartiges weibliches Porträt,
das ähnlich) behandelt ift. Aber welch) ein (Interfcßied in der Modellierung
1 Jabrbud) der preußißben Kunftfammlungen Bd. XXXVII.
2 Äbgebildet bei Oldenbourg a.a.O. und in dem Äuffaß von G.Glück in „Die bildendenKünße“ (1921).
Der Cicerone, XIV. Jaljrg., Fjeft 2 3 53
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