Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Als entwerfender Künftler wird diesmal der FJaarlemer Maler und Radierer Pieter
Fransz De Grebber genannt, der im Gegenfafee zu der etwas kalten Ärt lüieringens
in Farbengebung und Kompofition mehr der Rubens’fd)en Malweife zuneigt. Der Karton
ift nod) in Daarlem vorhanden, er trägt die Signierung P. D. G. 1630. Die Gefamt-
unkoften für den dritten Bedang beziffern fid) auf 819^ 4 fd}.
1642 wird Cliybout mit einem neuen Aufträge für die Stadt betraut; das Motiv wird
in den Rechnungen nicht näher angegeben. Im übrigen erfcheint der Meifter mehrfach
als Lieferant gewirkter Kiffenblätter. In den fünfziger Jahren geht das Atelier ein.
1668 zieht der ßaarlemer Magiftrat den Delfter Meifter Maximilian van der Gucht
zu Rat und betraut ihn mit der Ausführung des noch erhaltenen Behanges „die Burg
Alt FJaarlem“ für das Bürgermeifterzimmer. Die Ausgaben belaufen fiel) auf 2233 fl.
15 ft., möglicherweife kamen auch noch andere Arbeiten in Frage. Der prächtige Cep-
pid) befindet fid) zur im Franz FJals-Mufeum zu Haarlem (Abb.) \

Die hl. Familie mit ^eiligen eines Äntwerpener
Manieriften im Mufeum der bildenden Künfte
zu Leipzig Mit einer Tafel


Zu der 3eid)mmg des Antwerpener Manieriften, die der Cicerone in Fjeft 10 aus dem
Befih von A.S.Drey, München, veröffentlichte, teilt unsDerrEduard Crautfd)oldt,
Leipzig, eine von ihm gemachte wertvolle Beobachtung mit. Danach ftimmt die
3eid)nung fo gut wie vollftändig überein mit dem im Mufeum der bildenden Künfte
zu Leipzig befindlichen Gemälde, zu dem der Katalog diefer Sammlung unter Nr. 249
folgendes Enthält: „Flämifcher Meifter, Anfang des 16. Jahrhunderts, Maria mit dem
Kinde unter einem von Engeln gehaltenen Baldachin, zur Seite Barbara, Jofeph und
Katharina. Das Bild ift ftark befchädigt und hat durch Übermalung gelitten. Nach
Bode vielleicht von Fjendrik met de Bless (1480 bis nach 1521). Ölgemälde auf Eichen-
holz. F). 1,14 m, Br. 0,88 m. Gefd)enk des Fjerrn Legationsrates Dr. A. Keil 1860.“
Das vorfid)tige (und weit zurückliegende) Qrteil Bodes ift heute nicht mehr aufrechtzu-
erhalten. Man hatte noch vor kurzem in Leipzig Gelegenheit, einen unbezweifelten
Civetta (jetjt in der Dresdner Galerie) zum Vergleich heranzuziehen, wobei nicht nur
der Qualitätsunterfd)ied zwifd)en diefem und der Leipziger üafel zuungunften der
lederen fid) als fehr erheblich erwies, fondern auch der 6defensunterfd)ied zwifcpen
fjerri met de Bles und den Manieriften, den Friedländer bereits eindringlich betonte,
evident zutage trat. Ein ähnlicher, wenn auch weniger ftarker Unterfchied in der Güte
fd)eint zwifd)en der 3eid)nung und dem Bilde vorhanden. Die Übereinftimmung beider
geht im übrigen bis in die einzelnen Knitter der Gewandung, fo daß man mit einiger
Sicherheit die 3eid)nung fogar als Schlüffel für den ehemaligen 3uftand des Gemäldes
benutzen kann. In zahlreichen Einzelheiten ift das Bild reicher; man vergleiche das
üeppid)mufter, den mit Blumen und Gräfern beftandenen Vordergrund, die Bäume in
der Ciefe. Andererfeits enthält die 3ei<hnung Details, die auf dem Bild fehlen (fchon
immer?), wie z. B. den Engel in der Mitte am oberen Rand, die kleinen Engels-
geftalten rechts vom Curm, den Blumentopf auf dem, in der Schmalwand auch ge-
gliederten, Kaften(?) hinter der Barbara. Ob wir es bei der 3ßict>nun9 mit dcm Ent"
wurf für das üafelbild zu tun haben, läßt fid) mit Sicherheit kaum entfcheiden. Die
1 Befonderen Dank fcbulde id) Fjerrn Gemeente Ardjivar F)- E. Knappert zu Y)QBr\em, der mir
liebenswürdigerweife die Abzüge der Chyboutfdjen Ceppidje und des van der Gud)tfd)en Be-
hanges zur Verfügung ftellte.
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