Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Kopf feßlt der Vollbart, der den reifen Mann fpäter fcßmückte; auch) die vom Künftler ge-
wählte malerifcße Gracht [oll Fritj von ßarck in feinen jungen Jahren fremd gewefen fein.
So entfteht derGIunfcß, neben diefem Bildnis noch ein weiteres zu befifeen, das den hoch-
herzigen Stifter fo darftellt, wie wir ihn alle gekannt haben, denn „In der Geftalt, in der
der Menfch die Erde verläßt, wandelt er unter den Sternen“ Julius Vogel.
Kunftgewerbe
Für die künftlerifche Ausftattung feiner häuslichen Umgebung war niemand beffer
vorbereitet als Fritj von Garde. Er fammelte wie ein Liebhaber, der feinen Gefchmack,
je mehr er fich in der großen Gleit umgefeßaut hatte, fcßnell zur Reife brachte.
Aus Japan hatte er für die Ausftattung des Scßloffes zu Seußlilj nod) viel bric-ä-brac
l)cimgebrad)t, und als er der Mode deutfeßer Renaiffance in feiner Berliner Gloßnung
den fchuldigen Gribut dargebrad)t hatte, fchuf er fein väterliches Gaus in Leipzig zu
einem Gerrenfi^ um, dem die maßvolle dekorative Auszierung das Gepräge einer feltenen
Gefd)mackskultur verließen hat.
Garde feßä^te die dekorative Kunft des 18. Jahrhunderts, aber er begeifterte fich nocß
meßr für die italienifcße Renaiffance. Er fammelte mit dekorativer Abficßt, aber er
begnügte fich fließt mit einer bloß dekorativen Glirkung in gefcßmackvoller Garmonie
der Formen und Farben, denn er wußte das einzelne Stück nach feinem Giert zu
fcßäjsen. Garck war im beften Sinne bibeloteur. Er liebte das bibelot: einen fcßlicßten
Majolikakrug, einen perfifeßen Geppicß, ein Bronzefiegel des Quattrocento um ißres
Kulturgeßaltes willen, als Glerke alten Kunftßandwerks, die meßr find, als fie feßeinen.
Aber die mit glücklicher Gand ausgewäßlten Glerke waren ißm nicht nur ans Gerz ge-
waeßfen, weil fie von der Art find, die einer der beften Sammler alter Kunft, Dr. Figdor
in [Gien, „warm“ zu nennen pflegt, infofern fie von vergangenem Leben erzählen,
fondern weil ißre abgeklärte Kunftform feinem ausgefproeßen äftßetifcßen Bedürfnis
entfpraeß. Glie es in Garcks Naturell lag, daß er alles, was er tat, mit eleganter
Schlichtheit tat, fo duldete er auch m feiner Umgebung nur Dinge von gefälliger Form
und vornehmer Gediegenheit.
Daß ein aus innerftem Griebe fo äfthetifcß orientierter Mann nicht auf die Idee ver-
fallen konnte, in feinem feßönen Gaufe Serien teeßnifeß oder ßiftorifcß intereffanter
Kunftgegenftände aneinander zu reißen, ift felbftverftändlicß. Aber als er den Schmuck
feines Gaufes im wefentlicßen vollendet hatte, begann er bei feinen neuen Erwerbungen
doeß aueß gewiffe mufeale Geficßtspunkte gelten zu laffen. Es wird mir unvergeßlich
bleiben, wie er eines Abends in der Grattoria von Bonciani in Florenz — es war an
feinem Geburtstag 1912 — mit der ißm eigenen Gerzensfreundlicßkeit feine Abficßt zu
erkennen gab, den Mufeen feiner Vaterftadt alles von feinen Sammlungen zu ßinter-
laffen, was für fie in Betracht käme. Glillig ging er dabei auf die kühnen 3ukunfts-
pläne eines Neubaues des Kunftgewerbe-Mufeums ein und faß im Geifte feine Scßälje
mit dem Befilj des Mufeums in einheitlicher Gleife zufammengefaßt.
Im Giublick auf eine den Stilzufammenßang gefällig betonende Raumgeftaltung für
ein neues Mufeum, das nach feiner Meinung womöglich auch Glerke der ßoßen Kunft
alter 3eit enthalten follte, Bilder und Skulpturen, feßenkte er dem Mufeum eine Golz-
decke des 15. Jaßrßunderts, die, in Bologna erworben, feitdem in den Abftellräumen
des Mufeumskellers ebenfo ißrer Verwendung harrt, wie eine feßöne Renaiffancedecke
aus Ferrara, die, um gut geborgen zu werden, an einer Gland leßnt.
Glie glücklich er in den Erwerbungen, die zum Geil bereits in das Kunftgewerbe-
Mufeum übergegangen find, gewefen ift, das wurde uns Duldern der Nachkriegszeit
erft reeßt deutlich. Glas er felbft zu mäßigem Preife auf feinen Reifen erwarb, oder
was id) für ißn auf Berliner, Münd)ner, Londoner und Parifer Verweigerungen kaufen
konnte, wäre uns ja jet}t zu erwerben ganz unmöglich.

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