Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Sammlungen
Das Folkwang-Mufeum inEffen
Hus dem Beftreben heraus, die Koftbarkeiten
des Folkwang-Mufeums fo rafd) wie möglich
wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen,
find die beiden Fjauptgefcboffe des F>ans Gold-
fchmidt-Fjaufes den Gemälden der Fjagener
Sammlung eingeräumt worden, denen fid) die
wertvollften Stücke des bisherigen Effener Be-
ßres an modernen Meiftern eingliedern; ein er-
heblicher Ceil der afiatifchen Sammlung hat da-
neben in Seitenräumen und im Creppenbaus eine
vorläufige Unterbringung erfahren, da fiel) in-
folge der Schenkung des Nadjbarhaufes, das
durch einen Jwifchenbau mit dem Fjans Gold-
fcbmidt-Fjaus verbunden werden foll, fchon in
abfehbarer 3eit die Möglichkeit ergeben wird,
alle Räume in neuerund großzügiger Ärt zu ver-
teilen und dann die beiden wefentlichften Geile
der Sammlung zu ihrem Recht kommen zu laffen.
Die Eröffnung hat Ende Oktober, mit Rückficht
auf die Gefühle der Fjagener Kunftfreunde ohne
befondre Veranftaltungen, im engften Kreife ftatt-
gefunden.
GCIem die Ofthausfche Sammlung gerade um
ihres perfönlichen Charakters willen teuer war,
der wird [ich mit einiger tüebmut darein finden
müffen, daß fchon allein die Veränderung in den
Elementen der Gefamtwirkung an diefem perfön-
lichen Charakter dies und jenes verwifchen wird;
infoweit es fich für die neuen F)üter und Be-
wahrer des Folkwang darum handelt, gleichfam
das kulturelle Ceftament des Stifters zu voll-
ftrecken, flehen fie vor einer Aufgabe, welche an
Cakt und Pietät die höchften Anforderungen
ftellt, weil es eben doch ein Ding der ünmög-
lichkeit ift, das, was als Auswirkung einer leben-
digen Perfönlichkeit einmal triebhaft, irrationell
gewachfen und geworden und dann durch die
Macht der Verhältniffe in feinen Klefensgrund-
lagen untergraben, in feiner ganzen tüeiter-
exiftenz in der bisherigen Form in Frage geftellt
worden ift — nun hier gleichfam als ein Denk-
mal feiner felbft in verfteinerter Form wieder auf-
zurichten. Mit Notwendigkeit zerfällt der
Organismus wieder in die ihn aufbauenden Ele-
mente, und die Aufgabe wird fein, diefe Elemente
fo zu ordnen, daß in ihrem neuen 3ufammen-
klang eben doch wieder der Sinn erkennbar

wird, welcher fie einft zufammengeführt hat.
Aber ihre Logik und Notwendigkeit muß diefe
neue Ordnung in fich felbft und in den neuen
Dafeinsbedingungen der Sammlung finden.
Denn auf der anderen Seite ftebt ebenfo be-
rechtigt und felbftverftändlid) die Forderung, daß
dem zukunftsvoilen Effener Mufeum fein Rah-
men nicht für alle3ukunft in ein feitiger und be-
engender dieife durch Ideen gezogen werden
darf, welche auf anderem Boden und unter an-
deren Verhältniffen gewachfen waren; mit Frei-
heit und Größe des Urteils und des Empfindens
muß die Aufgabe angefaßt werden, das wunder-
volle Erbe in den Mittelpunkt einer nach allen
Seiten feböpferifeh ausbauenden Cätigkeit zu
ftellen. Anfätje üiefer Art find gegeben in der
fchon jeljt recht bemerkenswerten Sammlung von
Romantikerzeiebnungen, welche, durch Leihgaben
wie die febönen Badenden Kinder von Feuer-
bacb in glücklicher öüeife ergänzt, einen Finger-
zeig für künftige Möglichkeiten gibt.
Unter folcben Gefichtspunkten kann einftweilen
felbftverftändlid) eben nur die Anordnung der
Gemälde und der zu ihnen gehörenden moder-
nen europäifeben Skulpturen in Betracht gezogen
werden. Mufeumstechnifd) fo ungünftige Räume
wie die Fjalle und das Creppenbaus mit feinem
oberen Umgang werden auf die Dauer wol)l nur
für kunftgewerblicbe und dekorative Stücke und
allenfalls für Graphik ein Unterkommen bieten.
Dagegen ift der Blaue Saal der gegebene Ver-
fammlungspunkt der Auslefe des impreffionifti-
fchen 3eiialters. Daumiers Ecce Fjomo, Renoirs
Life, im Vorraum die Eva von Rodin, im Saal
dazu die Kauernde und das Eherne 3e>talter —
von diefen gewaltigen Akzenten beberrfebt,
hinterläßt der Raum einen unvergeßlichen Ein-
druck. Kleinere Renoirs dazu, Corots Badende
Nymphe, Cezanne, van Gogh, die Italienerin von
Feuerbach, Monet, Liebermann, Cboma, einige
Meuniers und ein wundervoller fpanifeber Mar-
morkopf der Barockzeit — vielleicht wird fich in
den Einzelheiten der Anbringung noch manches
ändern, Crübner würde fich vielleicht beffer als
gerade diefer Cboma hier einfügen und die
dekorativen Fjolzfkulpturen würde man gern ent-
behren — aber manche, gerade der bedeutend-
en Cüerke, haben einen befferen Pla& gefunden,
als fie in Fjagen hatten.
Der Gartenfaal möchte eine repräfentative
Schau der deutfeben nad)impreffioniftifd)en Kunft

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