Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Neues zu Landolin Oßmacht in Hamburg

Mit zwei Abbildungen auf einer Tafel

Von ALFRED ROHDE-Hamburg

Roßrs Bud) über den Straßburger Bildhauer Landolin Oßmacßt 1911 erfcßien1,


ftand die Forfcßung über diefen Meifter des Klaffizismus nod) am Änfang. Die

L gleichzeitige Oßmacht-Ausftellung, die Polaczek in Straßburg veranftaltete, gab
über das Bud) hinaus ein lebendigeres 3eugnis [einer Cätigkeit. Diefer unmittelbare Ein-
druck veranlaßte ÜJillg Cohn zu einem Auffatj im Cicerone2, der über die Beengtheit
der Roßrfcßen Biographie hinaus mehr Klert legt auf die großen ^Handlungen in Oß-
maeßts Klerk und [einer ganzen 3^it: Rokoko, Louis XVI., Klaffizismus und fcßließlicß
Realismus der Romantik charakterißert Coßn als die großen Etappen in Oßmacßts Schaffen.
Kürzlich ßat ödalter H- Dammann3 das ttlerk Oßmacßts durch eine be[ondere Be-
leuchtung [eines Hamburger Aufenthaltes zu vervollftändigen und vermehren gefueßt,
zugleich die Auffaffung Coßns über Oßmacßts Stellung zum Klaffizismus in einigen
Punkten richtig [teilend. Aber auch Dammanns Aufteilung konnte noeß nichts Ab-
[cßließendes geben, da er lediglich einen allerdings in [tattlicßer 3aßl vorhandenen und
dureß zwei wertvolle Bei[piele von ißm vermehrten Denkmälerbe[tand auffüßrt und
durch Heranziehung des begeiferten zeitgenö[[i[chen Qrteils, das der Domherr Meyer
gibt, den Aufenthalt Oßmacßts in Hamburg und [eine Bedeutung für Hamburg fcßildert:
„Sein ßiefiger Aufenthalt macht hier eine feßöne Epoke für diefe Kunft. Durch [eine
vielen bei uns zurückgelaffenen Klerke gehört die[er Kün[tler auch Hamburg an.“ (Meyer.)4
Gänzlich feßlt noch die arcßivale Forfcßung, ein etwas mühevoller und von 3ufällen
oft abhängiger i£Ieg, den Dammann nicht begangen ßat. Aber gerade von diefer Seite
ßer wird man noch manche Überrafcßungen für die Bereicherung von Oßmacßts ülerk
erleben.
Allein feßon die Akten der um 1765 gegründeten Hamburger Patriotifcßen Gefellfcßaft
zeigen, wie [eßr dureß die Vermittlung des Domherrn Meyer der Name Oßmacßt für
die Hamburger Kunftwelt von damals eine Offenbarung bedeutete. Im Sommer 1794
[eßeint er gekommen zu [ein und [cßon im Oktober des[elben Jahres wurde er von
der Patriotifcßen Gefellfcßaft mit einem größeren Auftrag bedacht.
In die Mittwocßsverfammlungen der Gefellfcßaft war er anfeßeinend dureß den Dom-
herrn Meyer eingeführt, hier ßat er wiederholt [eine Arbeiten vorgelegt und großen
Beifall gefunden. Die Patriotifcße Gefellfcßaft war im Herbft 1793 in ein eigenes Y)eim
in den Brodfcßrangen übergefiedelt. In diefem Haufe wurden auch die freundfeßaft-
licßen Mittwocßsverfammlungen, zu denen bisher der Kapitän Bude feinen botanifeßen
Garten zur Verfügung geftellt hatte, abgeßalten. Anfäffige und durchreifende Künftler
wurden aufgefordert, ißre neueften tüerke vorzulegen. Manche Anregung mag von
diefen 3ufammenkünften, deren Seele der Domßerr Meyer gewefen ift, ausgegangen
fein. Die wichtigen Protokolle der Mittwocßsverfammlungen, die die Namen der be~
fueßenden Künftler und ißre öderke aufgeführt haben, feßeinen leider verlorengegangen
zu fein.
Als 1794 der um Hamburgs Kloßl fo verdiente Nikolaus Matfen ftarb, erhielt Oßmacßt
1 I. Roßr, Der Straßburger Bildhauer Landolin Oßmacßt. Straßburg 1911.
2 m. HI. Coßn-Straßburg, Landolin Oßmacßt. Cicerone III, 1911, S. 653.
3 Cicerone XIII, 1921, S. 21 und 149. An weiterer Literatur vgl. Simon in wAlt-Frankfurt‘ II,
1910, S. 13, 85, 115; III, 1911, S. 122; V, 1913, S. 50 und Monatshefte für Kunftwiffenfcßaft VI,
1913* s. 374; Neeb, Cicerone VII, 1915, S. 168; Goldfcßmidt, Amtliche Berichte, Berlin XXXVIII,
1917,’ S. 253; Schmitt, Mainzer 3eitfchrift VIII/IX, S. 141; Brinckmann, Jahresbericht des ßamburgifeßen
Mufeums für Kunft und Gewerbe, 1910, S. 71.
4 Als zeitgenöf]ifcßes, nicht minder begeifertes ürteil über Oßmacßts Hauptwerk in Fjamburg.
das Grabmal der Frau Engelbacß, ift noch hinzuzuziehen: Erinnerungen an ßamburg. Aus den
Papieren des armen Mannes von Gutbronn. Leipzig 1803, S. 109—113.

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