Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

Page: 354
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cicerone1922/0376
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

Sammlungen
Die Berliner Mufeumsfrage
Perfönliche Streitigkeiten zwifchen Glilhelm
v. Bode und dem Architekten Ludwig Fjoßmann
führten zur Ablöfung Bodes durch den Kultus-
minifter Boelilj als Vorp^enden der Mufeums-
baukommifpon. Man hofft nun durch diefe neu-
trale Inftanz die Mufeumsbauten ohne weitere
Behinderung fortführen zu können. Über die
Gründe, die dem urfprünglich großzügig ge-
dachten Plane eines Apatifchen Mufeums in
Dahlem entgegenftehen, erfahren wir aus zu-
verläffiger Quelle folgende Einzelheiten: Es
werden in dem Plane Bruno Pauls vier Gebäude
vorgefehen, in denen die Aufßellung der ge-
famten ethnologifchen Sammlungen fowie der
apatifchen Kunft ermöglicht worden wäre. Da
unter den heutigen pnanziellen Verhältniffen nur
das eine bereits begonnene Gebäude in Betracht
kommt, fo wurde diefes großzügige Projekt von
felbft hinfällig. Es hätten hier alfo nur die
Ethnologie und Kunft Hpens fowie die iflami-
fche Sammlung Aufftellung pnden können. Die
Überführung der hohen Kunft Oftapens erübrigte
pd) durch das Freiwerden des ehemaligen Kunft-
gewerbemufeums in der Prinz-Hlbrecht-Straße,
die iflamifche Kunft jedoch fchließt fid) ihrem
Stile nach aufs engfte an die alte byzantinifch-
helleniftifdbe Kunft Vorderapens, mit der zu-
fammen pe auch im unteren Gefcpoß des Kaifer-
Friedrich-Mufeums angeordnet werden foll.
Noch zweckwidriger würde fid) eine Verlegung
wichtiger Geile der apatifchen Sammlung aus
technifchen Gründen geßatten. Das überaus emp-
pndliche Material, aus dem namentlich die Fresken
aus Curfan hergepellt pnd dürfte aud) bei der
forgfältigften und koftfpieligften Überführung
Schädigungen erfahren, die, wenn überhaupt,
fo nur nach langwierigen Arbeiten wiederher-
gepellt werden könnten. Ferner bedarf es zu
ihrer Konfervierung einer gleichmäßig warmen
Gemperatur, für die ein Neubau keine genügenden
Garantien bietet. Die Sammlungen würden alfo
neben einem Mehraufwand von 14 Millionen
für das Gebäude einem mindeftens zweifel-
haften Sdjickfal preisgegeben fein. Übrigens
ginge es auch nicht an, die Koßen teilweife
durch den Verkauf von Doubletten und ent-
behrlichen Gegenftänden zu decken, da diefe

gerade dringend dazu gebraucht werden, die
Neuanfchaffungen der Mufeen auf der Fjöhe zu
halten. Gegenüber diefen von den leitenden
Fachmännern erhobenen Einwänden erfcheint
der Nachteil allerdings gering, den die Trennung
des Magazins des ethnologifchen Mufeums von
feiner Schaufammlung darpellt. Nur in feiner
urfprünglidhen Geftalt wäre der Plan eines Äfia-
tifchen Mufeums aufrecht zu halten gewefen.
(Hie die Dinge heute liegen, würde es pd) bei
dem Plane eines Apatifchen Mufeums in Dahlem
nicht um eine Möglichkeit handeln, mehr Raum
zu gewinnen. Auch dürfte die Raumfrage durch
den Fortgang der Bauten auf der Mufeumsinfel
für lange 3eit in ausreichendem Maße gelöft
fein. IJier konnte bereits die Vafenfammlung
im Neuen Mufeum bis auf einen Saal eröffnet
werden, Glir wollen demnäd)ß ausführlich) auf
diefe muftergültige Hufftellung zurückkommen.
Curt Bauer.
DasSdjickfaldes Folkwang-Mufeums
Anfchließend an die an diefer Stelle in Fjeft 7
veröffentlichte Mitteilung von dem Erwerb des
Folkwang durch die Stadt Eßen, muß leider
gefagt werden, daß durch den inzwifchen er-
folgten Einfprud) der Stadt Fjagen wiederum
eine vollkommen neue Situation eingetreten ift.
In der Gat hat Eßen das Mufeum gekauft. Da-
gegen verharrt die Stadt Fjagen nach wie vor
auf ihren Anfpruch, Folkwang fei ihr vermacht
worden und pe hat beim Landgericht Fjagen
eine einftweilige Verfügung erwirkt, wonach
dem Ceftamentsvollßrecker der Erben Ofthaus’
verboten iß, die Folkwang - Sammlungen aus
Ijagen zu entfernen. Infolgedeßen beßeht die
Gefahr, daß die le^te Entfdjeidung über das
Schickfal des prachtvollen Ofthausfd)en Ver-
mächtnißes die Gerichte fällen, was eine, in ihren
Folgen gar nicht abfehbare Verfchleppung der
Angelegenheit bedeuten würde. Im Intereße der
deutfchen Kunftpßege muß man wünfchen, daß
dennoch einGüeg gütlichen Ausgleiches gefunden
werden möchte. B.
Ämfterdam
Die Leitung des Rembrandthaufes hat fo-
eben die Katalogbeilage über dieNeuerwerbungen
des Jahres 1921 erfdjeinen laßen, tlnter diefen
find als befonders bedeutfam verfd)iedene Ra-
dierungen von Rembrandts Fjand zu melden,

354
loading ...