Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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in den Monatsheften für Kunftwiffenfd)aft mitgeteilt hat. Es heißt hier: „Äntinous,
Büfte en Basrelief 6 3oll hocl> aus Älabafter.“ Das Ohmachtfdhe Original fcheint
ebenfalls noch nicht aufgetaucht zu fein.
Nr. 119. Kopf der tragifdjen Mufe. Basrelief von Älabafter. Nach derÄntike in Rom.
Nr. 119 ift vermutlich identifch mit Sammlung Lausberg, Nr. 375: „Ein Mufeumskopf
en Basrelief, ovale Form, 4% 3oll hoch, aus Älabafter,“ aber auch verfchollen.
Nr. 120. 3wei gruppierte Porträts, von hießgen Frauenzimmern. Basrelief in Älabafter.
Bei Nr. 120 geht man nicht fehl es mit dem von Dammann veröffentlichten und
abgebildeten Schwalb-Schrammfdjen Relief zu identifizieren.
Nr. 121. Porträt eines verdorbenen Frauenzimmers fyerfelbft: Basrelief in Älabafter.
Nr. 121 ift vermutlich ein Bildnis der 1797 verftorbenen Frau Engelbach, von der wir
das bekannte Grabmal und eine Erinnerungsurne kennen.
Nr. 122. Porträt eines hüefigen Frauenzimmers. Basrelief in Älabafter.
Nr. 123. Porträt eines hiefigen Frauenzimmers. Basrelief in Älabafter.
Für Nr. 122 und 123 kommen Damen aus den Familien Jenifd), Juftus, Ärens unter
anderen vor allen Dingen in Betracht.
Nr. 124. Ein männliches Porträt in Profil. Basrelief in Älabafter.
Nr. 124 ift ebenfo wie Nr. 121 bis 123 bisher nicht bekannt.
Schon aus diefer Lifte erfieht man, daß noch eine ganze Reihe von Älabafterreliefs
fiel) in Privatbefitj befinden müffen, die das üüerk Ohmachts in Hamburg noch beträcht-
lich erweitern werden.
öCIie die Bildniffe Nr. 120 bis 124, fo fcheinen auch die Reliefs nach Äntiken erft in
Hamburg nach t795 entftanden zu fein. Der Domherr Meyer, der felbft drei Reliefs
nach Äntiken Ohmachts befaß, fcheint die Änregung zu ihnen gegeben zu haben, wie
er auch nach feiner eigenen Äusfage dem Bildhauer die Idee zum Lübecker Peters-
grabmal gab. Die unmittelbaren Vorbilder zu diefen Äntiken find eher Stiche der 3eit
gewefen als die Originale in Rom, wo Ohmacht vor feiner Frankfurter 3ßit weilte.
Das erkennt man unzweideutig, wenn man zum Beifpiel das Mainzer Äntinousrelief
— mag es auch möglicherweife nicht in Hamburg entftanden fein — mit dem Original
der Villa Älbani und der Äbbildung in Klinkelmanns Monumenti inedeti, Äbb. 180, der
es ungleich näher ftehl vergleicht. Äud) den Äntinous aus Frascati, den CUinkelmann
unmittelbar vorher, Äbb. 179, wiedergibt, hat ja Ohmacht modelliert! Inwieweit dem
Meifter neben diefen Vorbildern noch Gipsabgüffe Vorlagen, darüber find wir nicht
orientiert; wir wiffen nur, daß gerade damals durch einen glücklichen Kauf Godefroy
eine ganze Reihe von für Berlin beftimmten Gipsabgüffen erwarb, die aus einem in
der Elbe geftrandeten Schiff ftammten.
Die Sammlung Clemens in Köln
I. Plaftik und Kunftgcwcrbe Mit 18 Abbildungen auf acht Tafeln / Von MAX CREUTZ
In diefen unerfreulichen feiten bedeutet die Schenkung der Sammlung Clemens an
die Stadt Köln eine Kulturtat, die um fo höher bewertet werden muß, als fid) ge-
rade jetjt um den Befitj von Kunftwerken ein tüettkampf entfponnen hatte, der
offenfichilich aus wenig edlen Motiven hßrvorgegangen, alles andere eher als ein
inneres Verhältnis zur Kunft und kultureller Bildung verrät. Diefer kraffe Materialismus
fcheint keineswegs ausgeglichen durch die ünfäl)igkeit jener modernen Mäcene, fid)
ohne weiteres als Sammler aufzufpielen. ülenn fie ohne üliffen und ÜJollen auch
felbft die Leidtragenden in der Cragikomödie wertlofen Erwerbs darftellen, fo ift diefe
Profanierung der Kunft damit keineswegs befeitigt. Hier bedeutet die Schenkung der
bekannten Münchener Sammlung die kulturelle Ehrenrettung unferer 3ßit für die Spä-

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