Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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für 2 erdene Figuren“ 2 fl. 50 Kr. Der berühmte Bildhauer Franz Ignaz Günther empfing
im Jahre 1769 „laut Conti“ 29 fl. von der Fabrikkaffe.
Ferner wurde es aud) ab und zu untergeordneten Organen ermöglicht, ein Modell
für die Fabrik l)erzuftellen. Unter diefen vor allem Peter Änton Seefried, der 1756
bis 1767 in der bayerifd)en Manufaktur als „Reparierer“ und Boffierer tätig, fpäter
in Kelfterbad) und etwa ab 1770 wieder in Nymphenburg als Oberboffierer erfdjeint.
Oder der gleichnamige Sohn des Modellmeifters Äuliczek, Dominikus Äuliczek d.J.,
der, 1775 geboren, von 1794 ab einige Jahre als beigeordneter Infpektor in Nymphen-
burg angeftellt war und ab und zu wohl aud) einmal ein plaftifd)es Modell angefertigt hat.
Die hi[t°rifchen Nachrichten, die über die Cätigkeit aller diefer Künftler zur Ver-
fügung ftehen, find fo vage und unbeftimmt, daß es unmöglich ift. den etwa von ihnen
gefertigten Arbeiten im einzelnen nad)zugel)en. Nur ein einziges plaftifches Modell ift
fo genau bezeichnet, daß man es vielleid)t, obwohl es bis jetjt nicht im Vorrat der
Nymphenburger Stücke aufzufinden war, dod) nod) irgendwo feftftellen könnte:
Die Entdeckung der Falfchheit. Das Modell wurde am 14. Oktober 1758 für
20 fl. von dem fonft unbekannten Bildhauer Johann Neumann für die Manufaktur in
Neudeck angekauft. Die Form beftand aus 22 Stücken. Eine Ausformung ift nicht bekannt.

Ältweftpreußifdje Cöpferkunft

Mit 13 Abbildungen auf vier Tafeln

Von HANS F. SECKER

u den im VII. Jahrgang 1915 im Cicerone veröffentlichten Beiträgen über die


alte Cöpferkunft Danzigs und feiner Nad)barftädte find inzwifd)en keinerlei neue

Urkunden und Gefchid)tsquellen lymzugetreten. Einige wefentliche Ergänzungen
— namentlich die d)arakteriftifche Gegenüberftellung einer Danziger mit einer Elbinger
Ulafferblafe und die merkwürdige Abwandlung eines Landfchaftsmotivs, das durch
China angeregt, über Delft vermittelt, im Dekor von fpäten Fayencetellern des Elbinger
Fjaffs bis zur Unkenntlichkeit verkümmert nachklingt — brachte dann 1917 der „Uleg-
weifer durch die Kunftfammlungen im Franziskanerklofter zu Danzig“ (bei Julius Bard).
Der vorliegende Nachtrag foll noch einige inzwifchen notierte Stücke zeigen, die das
Bild diefes Kreifes ergänzen, und ferner das damals nicht mitbehandelte Chorn ein-

beziehen.

Vor allem hat fid) durch alle weiteren Funde beftätigt, daß der Scherben am Elbinger
5aff im Gegenfab zu Danzig ausgefprochen rot ift, daß die Dekoration der ßafner-
keramik in Danzig zurückhaltend, in Elbing ausgelaffen, oft überreich ift, und daß das
frühe Blau in Danzig dunkel ift, am F>aff dagegen milchig klar. Auch daß die Archi-
tektur der Elbinger Öfen die Danziger um ein drittes Gefcßoß und überhaupt durch
größere Mannigfaltigkeit der Formen überbietet.
Ulas die Renaiffancezeit anbelangt, fo find unfere Kenntniffe mittlerweile nur feßr
unwefentlid) bereichert worden. Der 38 Fuß hohe Ofen des Artusl)ofs, den der Meifter
Georg Stelzener 1546 feijte, fleht immer noch ol)ne zweites Beifpiel da und ift zum
mindeften feinen Formen nach füddeutfd)er Art. 3wei feiner bunten Porträtkacheln
woßl bei Gelegenheit einer Reparatur rückfeitig losgelöft — wurden bezeichnender-
weife einmal imStadtmufeum zwifchen—SchweizerKacheln eingemauert.— Dann finden
ßch da und dort noch grünglafierte Refte von Kacheln des 16. Jahrhunderts in Marien-
burg und Danzig, die aber nicht zu dem Schluß berechtigen, daß fie im <XIeid)felland
fabriziert worden find, felbft wenn auf einem Gefimsftück das Danziger (Xiappen vor-

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