Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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kommt. Es gibt ja aud) Raerener und naffauifcße Krüge mit dem Klappen Danzigs
in jener 3e^- — Übrigens bewahrt nod) das Elbinger Stadtmufeum ein buntglafiertes
Pilaflerbrucßflück mit Frucßtgeßängen und Delphinen, das nad) Art und Alter dem Artus-
hofriefen fet>r naße fleht. Klir haben aber keine Anhaltspunkte und nur Grund zu zwei-
feln, daß tecßnifd) fo fcßöne Stücke im Nordoften felbft entftanden find. Ißr Vorkommen
wäre fonft gewiß nicht fo feiten. Eher fcßon könnte die barocke, grünglafierte Giebel-
kacßel mit dem von zwei Engeln gehaltenen Elbinger Stadtwappen (Abb.) fchon dem
Scherben nach wirklich elbingifch fein.
In Preußifch-Königsdorf, unweit Elbing, hat bis vor wenigen Jahren ein großer
Fayencelöwe, in der Art des hier 1915 als Abbildung 30 gezeigten, den Giebel eines
Bauernhaufes gekrönt. Er ift nun zerftört, doch ift mit diefer Kenntnis der dekorative
3weck folcher Gebilde enträtfelt. Ein kleineres Exemplar aber, weißglafiert, einen
liegenden Löwen darftellend, der den Kopf eines Lamms zwifcßen den Klauen hält
(Abb.), hat gewiß zur Dekoration eines Kachelofens gehört und ziert jetfl einen
Barockfchrank im 3°PPOter Rathaus. Die Modellierung weift auf die erfte fjälfte des
18. Jahrhunderts.
3u dem Chriftoph-Schüller-Geller (1915 als Abb. 2) ift noch zu bemerken, daß er von
dem inzwifcßen verftorbenen Danziger Galerieinfpektor Maler Stryowfki vor vielen Jahren
für eine Mark erworben und 1914 dem Kleftpreußifcßen Kunftgewerbemufeum gefcßenkt
worden war, daß aber das Gefcßenk nach feinem Code, von der Klitwe beanftandet, an
diefe zurückgegeben werden mußte. Dadurch ging das für die Danziger Löpfereige-
fchichte wicßtigfte Originaldokument der Allgemeinheit verloren.
Dagegen find feitdem die prachtvolle Scßüffel des Deichhauptmanns Nickel und der
Kachelofen der Firma Fürftenberg KIwe. (damals Abb. 6 und 36a) dank der Fjeimatliebe
der Genannten in den Befliß des Danziger Mufeums übergegangen.
ünd durch Laufe!) mit dem kleinen, aber zu deutfeßer Seit mufterhaft gepflegten
Graudenzer Mufeum erhielt die Danziger Sammlung eine befonders fcßöne Scßüffel
(Abb.), die einen Durchmeffer von 35 cm hat, gewellten Rand und zwei aus Spiralen
gebildete Gandgriffe. Auf dem gelben Scherben liegt eine klare, leuchtende Glafur, im
Spiegel faftgrün mit weißen Ausfparungen, die manganbraun konturiert find. Das
Mufter, nervös empfundene Blumen, wirkt fo anziehend wie eine gefcßmackvolle Batik.
Ein Spruchband trägt die Infchrift „Anno 1771“. Das Stück ift leider befd)ädigt.
In der Sammlung des verftorbenen Danziger Kaufmanns Leffer Gieldzinfki, die
im Dezember 1912 beiLepke verfteigert wurde, befanden fleh vier große runde Scßüffeln,
die damals noch nicht als weftpreußifeße Arbeiten erkannt worden find. Da die Stücke
bei der Auktion an Kommiffionäre gingen, die fiel) ihrer Auftraggeber nicht mehr er-
innern können, ift ihr Verbleib nun unbekannt. Klir entnehmen die Abbildungen dem
Lepkefcßen Katalog. Dort finden wir Nr. 630, 631 und 632 zwar als norddeutfeh be-
zeichnet, aber mit „17.Jahrl).“ entfeßieden zu früh datiert, indes Nr.659 als „Salzburgifch?
Ende 17. Jaßrß.“ weit gefehlt war. — Die drei erften Stücke find in Blaumalerei aus-
geführt und flehen dem im Cicerone 1915 als Abb. 5 wiedergegebenen Geller des
Danziger Kunftgewerbemufeums außerordentlich nahe. Es find typifcß elbingifche
Arbeiten um 1740! Auf dem erften (Abb.) galoppiert ein Kavalier durch eine Land-
fchaft mit ruffifeßen Kirchen, ünd zu feinen Fjäupten hängt der große 3ipfßl eines
Vorhangs, der von cßinefifcßen Landfchaflsbildern übernommen ift und darum auf der
zweiten Scßüffel (Abb.) motivierter erfcßeint, weil da auch die Figuren nod) nad)
Delfter Mufter cßinefifdße Crad)t und 3eicßnung haben. Diefer Geller ift wiederum im
Dekor der 1915 als Nachtragabbildung Nr. 50 gezeigten Scßrankvafe gut vergleichbar.
Bei dem dritten Stück aber (Abb.) ift dann in eeßt weftpreußifeßer Göpferart der ehe-
dem eßinefifeße Vorhang neben einer Dame im Reifrock zu einem einfachen dekorativen
Dreieck verkümmert, wie es 1915 Abbildung 20c verdoppelt und noch grotesker auf-
trat. Die Durcßmeffer der drei Scßüffeln find 41, 42 und 35 cm, über den Scherben

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