Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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1 cm
facsimile
Das Kruzifix des Giovanni da Bologna in

der Münchner Midjaelskirdje

Von RUDOLF BERLINER
Mit einer Tafel

In einem [einer ausgezeichneten Auffätje hat Rudolf Ä. Pelzer zufammengefaßt, was
die bis dahin bekannten Quellen über das nach München gefandte Bronzekruzifix
Giovannis da Bologna ausfagen1. Er wies darauf hin, daß das ttlerk in der Michaels-
kirche erhalten und eine üdiederholung des Kruzißxus der Annunziata zu Florenz ift.
Nur der ümftand, daß es [o h0(h> [d)lecht ficht- und photographierbar, aufgehängt
ift, erklärt wohl, daß diefe Erkenntniffe Peltjers noch nicht allgemein vertraut geworden
find. Vor der Abbildung leuchtet ihre Richtigkeit unmittelbar ein.
Die — für die 3cit Klilhelms V. betrüblich armen — Beftände der Münchner Archive
fchweigen über die Sendung Giovannis da Bologna. Dagegen fand id) im Archivio
Mediceo in Florenz2 den Dankbrief des Bayrifchen an den Florentiner Fjerzog für [ie;
datiert vom 3. XII. 1594. Misit ad nos Joannes Bologna Celsitudinis Vestrae statuarius
plane eximius, Christi cruci affixi imaginem, ex aere conflatam, summaque cum arte,
tum diligentia elaboratam: quam ut Celsitudinis Vestrae bona cum venia nobis faceret
petiveramus. Caeterum is nobis una signißcavit, Celsitudinem Vestram non modo non
gravate, ut opus hoc conficiendum susciperet, permisisse, verum etiam sumptus quos
requirebat (non paucos vero procul dubio requirebat) omnes liberaliter suppeditasse . . .
Das Kruzifix war alfo bei Giovanni da Bologna von München aus beftellt worden
und wurde erft auf diefe Anregung hin als Gefchenk überfandt. Einen Anhalt für die
Vermutung Pelzers, daß ßans Reichel bei feiner Bestellung beteiligt und es vielleicht
felbft überbracht hah ergibt der Brief nicht. Man dürfte wohl fogar erwarten, daß
von beidem die Rede wäre, falls es [ich fo verhalten hätte.
1 Kunft und Kunftbandwerk XXII (1919), S. 3ff.
3 Nr. 4282.


Degas

Mit einer Tafel

Diefes aus dem Befijs der Bachfti|rGalerie hier zum erftenmal veröffentlichte
Paftell (Größe 50X62 cm) ift eine der duftigften Skizzen diefer Art und dabei
von einem Schwung der linearen Führung, die auf den erften Blick die unüber-
troffene Meifterhand erkennen läßt. Cechnifcße Überlegenheit und Leichtigkeit der
Kontur [teilen diefes köftliche Blatt in eine Linie mit der beften franzöfifchen 3ßi<hen"
kunft des 18. Jahrhunderts; erftaunlich daneben die üreffficherheit des Momentes zu
beobachten, die durchaus von klaffifcher Größe ift. B.

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