Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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1 cm
facsimile
Eine Fayencefigur nad) Giovanni da Bologna
Mit zwei Abbildungen auf einer Tafel Von O. RIESEBIETER-Oldenburg
Bei Befdtjreibung der Kunftfchä^e der Bad)j"ti£~Galerie im Fjaag in ßeft 3 diefer 3eit-
fchrift, S. 102, hat L. Balet auch die bekannte, prachtvolle, aus dem Bade fteigende
Venusfigur, bezeichnet Johannes Bologna Belga (25 cm hoch), veröffentlicht, die
bisher in der Sammlung des Erzherzogs Leopold Salvator in Güien fiel) befand und
die von Giovanni für den Kaifer Maximilian 1565 angefertigt wurde. Vgl. darüber
näher Sd)loffer, Ausgewählte Gegenftände der kunfthiftorifchen Sammlung des Aller-
höchften Kaiferhaufes, Güien 1901, Chi. XXVI 1—2.
Von diefer Figur exiftieren eine ganze Änzahl alter Nachbildungen in Bronze (fo
z. B. im Landesmufeum in Braunfchweig), in Elfenbein, ÜHachs ufw.
Auch die Keramik hat fich diefes herrliche Vorbild zu Nutjen gemacht; ob auch in
Porzellan, ift mir unbekannt, jedenfalls aber in Fayence. Vgl. die Abbildungen.
Auf hohem Sockel, der mehrfach eingekehlt und mit plaftifd)em Blattwerk gefchmückt
ift, erhebt fid) die einfdt)ließlich des Sockels 47 cm hohe Figur. Die aufgefteckten ßaare
find ebenfalls plaftifrf) gebildet. In dem Blattwerk des Sockels befindet fleh vorne ein
querliegendes und türmen ein aufrechtfteßendes Oval mit Landfchaft in Blaumalerei,
Der Schleier ift ebenfalls blau.
Es handelt fleh hicr nach Scherben, Glafur und Bemalung ficherlict) um ein deutfeßes
und wahrfcheinlid) um ein mitteldeutfches Erzeugnis. Es könnte Fulda in Betracht
kommen oder Fjannoverfcß-Münden, wo ja die Fuldaer Formen vielfach benutzt worden find.

ßubertusburger Vafen aus der 3eit von üaennid)
Mit zwei Abbildungen auf einer Tafel Von O. RIESEBIETER- Oldenburg
Im Jahrgang 1912 diefer 3eitfd)rift, S. 301 ff., habe ich über Fjubertusburger Fayencen
aus der 3eit von Caennich berichtet und hervorgehoben, daß nach der Konzeffions-
urkunde es den Fabrikinhabern Johann Samuel Friedrich Caennich bzw. dem wirklichen
Geheimrat und Oberftallmeifter Fjeinricß Graf von Lindenau nicht geftattet war, „Vafen,
[o über einer Elle in der ßöße“ herzuftellen, weil man für die Meißener Fabrik Konkurrenz be-
fürchtete, daß dann aber tatfäcßlid) diefe Befcßränkung nicht ftrenge innegeßalten wurde.
Bisher waren aus der Fabrik zwei prächtige Vafen bekannt, zunächft die von K. Ber-
ling, Ein Beitrag zur Gefehlte der fäcßfifcßen Keramik (Dresden Stempel & Markert,
1909), befchriebene, voll bezeichnete Vafe des Dresdner Kunftgewerbemufeums, die auch
Stöhr, Deutfche Fayencen und deutfeßes Steingut, S. 438, abbildet, und ferner die von
mir a. a. O. und in meinem Buch, Die deutfehen Fayencen des 17. und 18. Jahrhunderts
(Klinkhardt & Biermann, Leipzig) S. 333 abgebildete Vafe.
Beide Stücke ßnd mit bunten Muffelfarben bemalt, erftere auf zitronengelbem (rich-
tiger wohl ockergelbem), letztere zum Ceil auch kalt mit Gold im Rokokogefcßmack
gefchmückt, auf meergrünem Grunde. Cßarakteriftifcß für beide ift einmal, daß die
Glafur überall mit ßaarriffen durchzogen ift und fodann die Form, insbefondere des
[ich nach oben erweiternden Fjalfes.
Auf Grund diefer Merkmale kann ich die geringe 3aßi der bekannten Fjubertusburger
Fayencen um zwei weitere, unbezeidßnete Stücke bereichern:
Die auf beigegebener Cafel linksftehende Abbildung zeigt ein Sd)wefternftück zur
Vafe des Dresdener Kunftgewerbemufeums, die kürzlich in Clien verfteigert wurde: Auf
ockergelbem, mit Fjaarriffen durchzogenem Grund ift vorne ein großer prächtiger

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