Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Sammlungen
Ämfterdam
Die Ankäufe neuerer Kunftwerke für das
Städtifche Mufeum werden durch eine Ver-
einigung getätigt, die auf ihrer diesjährigen
Generalverfammlung einen recht betrüblichen
3uftand ihrer Kaffenverhältniffe bekannt geben
mußte. Im Jahre 1911 war durch befondere Stif-
tungen ein Fonds von 100000 Gulden zufammen-
gebracht worden, der pch nunmehr als verbraucht
herausftellte. Und wie der Kaffenwart fepftellen
mußte, kann jene zehn Jahre zurückliegende
Kraftprobe unter den heutigen wirtfchaftlichen
Umftänden nicht wiederholt werden. Auch ftarben
verfchiedene Mitglieder oder traten aus, fo daß
pch ein erheblicher Rückgang der Beiträge be-
merkbar macht. Es ift demnach anzunehmen,
daß die Ankaufstätigkeit der Vereinigung min-
deftens vorläupg zum Stillftand kommen wird.
Im abgelaufenen Rechnungsjahre erwarb man
für das Mufeum u. a. ein Landfchaftsbild von
Suze Robertfon und ein Landfchaftsbild
(„ßeidearbeit“) von Breitner. Fj.
Bauten
Die „Gefellfchaft der Freunde des Stadtmufeums
Bauten“, die am 3. Mai im Stadtmufeum nach
zweijährigem Beftehen ihre erfte ordentliche Mit-
gliederverfammlung unter Leitung des erften
Vorptjenden, Fjerrn Stadtrats Rudolf CU eigang,
abhielt, tätigte für die Sammlungen des Stadt-
mufeums bisher folgende Ankäufe:
1. Eine Böttger-Steinzeugtaffe aus der
Auktion Lepke; 2. eine gotifche Madonnen-
ftatue aus der Sammlung Klunderlid), vermut-
lich eine Breslauer oder Görlitjer Arbeit aus der
zweiten Fjälfte des 15. Jahrhunderts; 3. zwei
Sepiazeichnungen „Gelehrter“ und „Kupp-
lerin“ von Johann Eleazar Schenau aus
Großfchönau bei 3ittau (1737—1806); 4. ein Öl-
gemälde „Gutshof“ von Max Artur Stre-
mei aus3ittau; 5. außerdem ermöglichten zwei
Mitglieder der Gefellfchaft aus eigenen Mitteln
den Ankauf des Abguffes einer archaifch-
griechifchen Prießerinnenßatue aus dem
Nationalmufeum in Athen, der als dekoratives
Mittelftück für die Eingangshalle des Stadt-
mufeums verwendet wurde.
Bern
Mitte Mai wurde der Neubau des FJiporifchen
Mufeums feierlich eröffnet, der die berühmte

orientalifche Sammlung Dr. Fjenri Mofer,
die der 78jährige Sammler der Stadt vermacht
hat, enthält. Diefe einzigartige Kollektion, für
die dem Donator fchon vor Jahren viele Mil-
lionen Dollar; geboten worden pnd, ift nach An-
lage und Qualität vorbildlich. Befonders reich
find Perpen und Curkeftan vertreten. n.
Elberfeld
Der Direktor des StädtifchenMufeums, Dr.Fries,
hat kürzlich den Jahresbericht 1921/22 erßattet,
der nun gedruckt vorliegt und zahlreiche Neu-
erwerbungen, fpeziell für die Abteilung der Ge-
mälde verzeichnet. Unter den Gefchenken feien
befonders erwähnt von Baron von der ßeydt
ein Gemälde Erich Fjeckels „Brandung“; von
Julius Peter ein „Blick auf Capri“ von Osw
Achenbach; von Adolf Simons Max Unolds
„Straßenecke“; vom Mufeumsverein Schnorr
v. Carolsfelds „Ausblick vom Kirchentor der
St. Annakirche auf den Oetfcher. Erworben wur-
den aus der Boeddinghaus-Stiftung Alfons
Spring, „Interieur aus Schloß Klarth“, und Phi-
lipp R oeth, „Regenpimmung“, ferner wurde an-
gekauft tU. v.Lindenfehmitt, „Szene aus den
luftigen Kleibern“.
Den Fjaag
Dem Mauritshuis pnd durch einen hollän-
difchen Liebhaber zwei Bilder von Pieter Poort
zum Gefchenk gemacht worden, das eine ein
Reitergefecht, das andere einen Angriff auf einen
beerestroß vorpellend und beide mit P. I. Poort
1631 gezeichnet. Poort war vor allem Bau-
meiper — er baute u. a. das Mauritshuis — und
obwohl bekannt war, daß er auch malte, waren
doch bisher keine Bilder von feiner band auf-
getaucht. Die beiden vorerwähnten Stücke pnd
die einzigen, die man bis jetjt kennt. F).
Nymwegen
Fjier wurde durch die Behörden ein Mufeum
römifcher und mittelalterlicher Alter-
tümer eingeweiht, de^en Gebäude und Inhalt
der Sammler C. M. Kam der Stadt Nymwegen
zum Gefchenk gemacht hat. Das Mufeum liegt
an der Eleonorapraat und enthält an Gegen-
pänden aus Glas und Con 8822 Nummern, an
Münzen mehr als 2000 Nummern. T)ierzu kom-
men in außerordentlicher Menge Bronzegegen-
pände, Klaffen und CUerkzeuge aus Eifen und
Stein. Als Direktor des Mufeums wurde Dr.M. A.
Evelein angepellt, der in feiner Eröffnungsrede

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