Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Quattrocentobüften und die Münchner ift aud) in hervorragender öüeife ftandficßer; das
kann man vom Marmor nid)t [agen. — Die Frontanfidßt des Marmors entfpricßt ziem-
lich dem Modell; nur daß diefes jünger erfcßeint und befer zu dem Änfatj der 27 Jaßre
paßt. Der Mund des A4armors ift konventioneller und leerer als die bocca in terra-
cotta. Ganz befonders aber [teigerten fiel) die ünterfeßiede bei der Rückfeite; wie reiz-
voll der feßwere Fjaarkranz von dem fteilen F)als getragen wird, wie elegant der Pelz-
befatj das Blumenornament in der Mitte und an den Scßultern einfeßließt, zeigen unfere
Äbbildunaen; das alles ift vom Marmor ins Flaue und Langweilige reduziert. Ganz
befonders plaftifcß und klar wirkt der Granatapfel an den Ärmeln, alfo der Brokat des
Giubbo, der über dem ärmeilofen Überßang zum Vorfcßein kommt. Äudß diefe Partien
find im Marmor feßr viel flauer. Einft muß die Farbe den bunten Kragen und die bunten
Ärmel feßr ausdrucksreicß von dem rußigen Gon des pliffierten Mantels abgeßoben ßaben.
Äd. Venturi (storia dell’a Ital. VI, S. 636 ff.) ßat bekanntlich alle die Mino ge-
feßriebenen Büften vor 1466, drei in Bargello und zwei in Berlin, Mino abgefproeßen,
die des Niccolo Strozzi und des Älexo di Luca vor allem trotj aller Infcßriften, weil
fie eben in Berlin fteßen, die der beiden Medici im Bargello, weil es fpätere Kopien
feien, und den Rinaldo della Luna nennt er „un debole busto di un donatelliano“; aueß
die 1464 entftandene Büfte des Dotisalvi Neroni der Sammlung Dreyfus in Paris
wird beanftandet und erft die 1466 gemeißelte Büfte des Bifcßofs Salutati auf feinem
Grabe in Fiefole anerkannt. Daß der 1430 geborene Künftler in den erften 36 Jaßren
feines fo überaus fleißigen Lebens nießts gemaeßt ßaben foll, was uns erßalten ge-
blieben wäre, ift doeß feßr unwaßrfcßeinlicß. Äls er 1463 naeß Rom berufen wird,
um die Kanzel für Pius II. zu maeßen, muß er doeß feßon bekannt gewefen fein. Ob
freiließ die 1454 datierte Büfte des Niccolo Strozzi wegen des 3ufafees: »in nrbe“
aueß feßon in Rom entftanden ift und nießt vielmeßr in Florenz, möcßte icß mindeftens
für waßrfcßeinlicß ßalten. Äuf jeden Fall ßaben wir fünf datierte oder datierbare
Büften von 1454—61, die von derfelben Fjand find und dreimal ausdrücklich die In-
feßrift opus Mini oder Nini tragen: 1. Niccolo Strozzi-Berlin, datiert 1454. 2. Pietro
de’Medici (um 1455). 3. Älexo di Luca-Berlin, datiert 1456. 4. Giovanni de’Medici
(um 1460 dem Älter naeß). 5. Rinaldo della Luna 1461 datiert. Diefer letztere
Marmor, in der Äusfüßrung fcßwäcßer als die vier anderen Büften, gewinnt nun fein
altes Gonmodell in der Müncßner Büfte wieder. Der matten Verfeinerung wird die
frifeße muntere Konzeption in Gon gegenübergeftellt. (Lür wiffen, wie feiten es ift,
daß ein Modell und Marmor nebeneinander verglichen werden können: wir ßaben ßier
denfelben Fall wie bei der Büfte des Filippo Strozzi, deren Modell in Berlin, deren
Marmor im Louvre fteßt. Äucß ßier fteßt die Äusfüßrung in Marmor viel tiefer.


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