Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Über Buftellis Arbeiten find wir and) im einzelnen verhältnismäßig feßr gut unter-
richtet, da fleh die Fabrikrechnungen aus diefer wid)tigften Periode der Produktion
nahezu lückenlos erhalten haben, ürofedem in den lebten Jahren das ttlerk Buftellis
manche Ergänzung und Bereicherung erfahren hat, find doch noch zahlreiche Stücke
abgängig, vornehmlich naturgemäß deswegen, weil die Lifte feiner Modelle aus den
Jahresred)nungen der Fabrik in folcßer Vollftändigkeit, wie bei keinem anderen der
Nymphenburger Modellmeifter, zufammengeftellt werden kann. Aus dem reichen ard)i-
valifchen Material ergibt fleh folgende Reihe von verfallenen Figuren und Gruppen
Buftellis1:
1. „Auffäzlen, fo gemufchelt mit Voglen ä 4 Dukaten.“ Unter „gemuffelt“
ift „mit Mufchelwerk verfehen“ zu verftehen.
2. „Baumfiguren“ ä 4 Dukaten. Jedenfalls Figuren unter größeren Bäumen.
3. Fjufarcn zu Pferd ä 4 Dukaten.
4. Schlitten mit Pferd zu .. Dukaten. (Preis nicht eingefetjt!) Das Modell wurde,
wie die meiften diefer fehr teueren Figuren, wahrfdjeinlid) nur in einem einzigen
Exemplar ausgeformt. Aus einem Eintrag in den Fabrikrechnungen geht hefvor, daß
das einzige in der Manufaktur damals vorrätige Exemplar am 27. Oktober 1755 an
einen Käufer abgegeben wurde. Allem Anfcßein nach ha* raan es dann überhaupt
nicht mehr nach gefertigt. Im Formenverzeichnis von 1760 ift die Form nicht mehr
auf geführt, fie war alfo jedenfalls damals fd)on fo fchadhaft, daß fie ausgefeßieden
wurde. Auch im gedruckten Preiskurant von 1767 kommt das Stüde nicht vor.
5. Götterfigürchen von größerer Gattung (2. Sorte) ä 9 Gulden. Diefe
Figuren waren fomit größer als die im gleichen Verzeichnis aufgeführten „Götterfigurlen
von kleinerer Gattung 1. Sorte ä 6 Gulden,“ unter denen die bekannten, durchfchnittlich
11 cm hohen „Putten als ovidifche Götter“ zu verftehen find. Huch die Formen zu
diefen Modellen waren jedenfalls fd}on frühzeitig nicht mehr verwendbar, denn das
Formenverzeichnis von 1760 erwähnt diefe Serie nicht mehr im ganzen, fondern nur
die drei Stücke: Diana, Merkur und Venus, und auch diefe nur mit dem 3ufats „fint
alle 3 Furm unbrauchbar, fohin fchon abgenuzt.“ Es ift jedoch anzunehmen, daß (ich
das eine oder andere Exemplar diefer Serie (höchftwahrfcheinlich ohne Fabrikmarke)
noch vorfinden wird, denn nach einer Notiz in den Fabrikrechnungen waren im Jahre
1760 bereits 295 Stück davon angefertigt.
6. Flora ä 5 Gulden. Dem Preis nach zu fchließen, jedenfalls ein kleines Figürchen,
kleiner als die oben befprochenen 11 cm großen Putten („ovidifche Götter“), die
6 Gulden kofteten.
7. Fortuna ä 3 und 15 Gulden. In der billigeren Sorte fomit noch kleiner als
die Flora, in der teueren ungefähr fo groß wie die im gleichen Verzeichnis aufgeführten
„Dames und Meffieres“, unter denen die frühen Damen und Kavaliere, durchfchnittlich
20 cm hoch, zu verftehen find.
8. FJunde ä 1 Gulden.
9. Katzen ä 1 Gulden.
10. Kätschen ä 30 Kreuzer.
11. Basrelief ä 1 Gulden. Im Jahre 1755 angefertigt; dem Preis nach ein ganz
kleines Stück, vermutlich ein Medaillonporträt.
12. Fjirfche ä 6 Gulden. 1757 angefertigt.
13. Schwäne ä 30 Kreuzer. 1757 angefertigt; dem Preis nach ebenfalls ganz
kleine Stücke, wahrfd)einlich Flacons für Parfüm.

1 3u diefer Lifte find entnommen: Die Nummern 1 mit 11 dem Verzeichnis der in Neudeck
vorrätigen Porzellanwaren vom 8. fluguft 1755; die Nummern 12 mit 16 den Materialrechnungen
der Fabrik von 1755 bis 1767; die Nummern 17 mit 24 dem Formenverzeichnis von 1760; die Num-
mern 25 mit 28 dem gedruckten Preiskurant der Manufaktur von 1767.

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