Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Der Grapl)ikfammler

des Katalogs) führte, wie feinerzeit die David-
fohn-Äuktion, wieder die Elite der Graphik-
liebhaber aus Qändler-, Sammler- und Mufeums-
kreifen im Limburger-Qaus zufammen. Die weft-
europäifch orientierte Hielt war nahezu voll-
zählig beifammen: Belgien, Fjolland, Frankreich,
England, Amerika, die Schweiz hatten u. a. In-
tereffenten geftellt. Entfprechend waren auch
die Abgänge nach dem Ausland und — die Preife.
Colnaghi-London und Keppel-New York traten
vielfach als Käufer von FJauptblättern auf. Immer-
hin gingen einzelne bedeutende Stücke auch in
deutfcbe Sammlungen über, z. B. Goltjius’ „Sohn
des Fripus mit dem Fjunde“ ans Berliner Ka-
binett, van Legdens „Simfon und Delila“ an die
Hamburger Kunfthalle, der frühe altkolorierte
franzöpfcheFSolztafeldruck mit „Rochus demMär-
tyrer und Rochus dem Bifchof “ an die Albertina,
Klienj (M. 420 000.—). Der 3ufammenfehung
der kaufenden Intereffenten entsprechend ge-
ftalteten pch die Preife faft ausfchließlid) nach
der Qualität, wobei die Schätjungspreife oft nicht
unwefentlich modipziert, meift überfchritten wur-
den. Der intereffantefte Druck, die [ehr frühe mo-
numentale Kreuztragung (Fjolzfchnitt) wurde von
dem Kunßhändler Ströhlin-Genf für M. 920000.—
erworben (Schälung M. 300000). Colnaghi-
London kaufte die niederländifche „Kreuzigung“
mit der reichen ornamentalen Einfaffung für
M. 350000.— (M.200000.—). Das außerordentlich
ftilvolle und gefd)loffene Carockblatt Baldinis, die
„Mufe Chalia“, brachte derfelbe für M. 35000.—
an pch- Sehr hoch bewertet wurde eineLand-
fdßaft Campagnolas mit M. 105000.— gegen die
Schätzung von M. 20000.—. Dürers ßauptblätter
wichen im allgemeinen nicht wefentlich von der
Schälung ab. Die großePjolzfchnittpaffion koftete

patt M. 200000.— M. 450000.— (Colnaghi). Eine
der gefuchten Landfchaften PJirfchvogels (B. 73)
erzielte M. 80000.— (M. 50000.—; Macdonald-
London). Rembrandt, fehr gut vertreten, war
begehrt. „La petite Combe“ (B. 67) M. 190000.—
(M. 150000.—). Fjart war der Kampf um einen
frühen Abdruck des „Chrißus in Emmaus“:
M. 105000.— (M. 50000). B. 89, Chriftus erfcheint
den Jüngern, ßieg fogar von M. 40000.— auf
M. 110000.—. Eine fehr große, aber ihrer Schön-
heit entfprechende Preisfteigerung erfuhr die
feltene Folge von vier Landfchaften in clair-
obscur von Gol^ius (B. 242—245): Schälung
M. 2500.—, 3ufchlag M. 23000.— ; ähnlich lag
der Fall bei Piraneps „Invenzioni caprici di
carceri“ von 1745. Ihre Kühnheit reizt uns Qeutige.
In dem Preis von M. 23000.— (gegenüber der
Schälung von M. 8000.—) kam dies zum Aus-
druck. — Die neue Graphik war nicht fehr reich-
haltig angeboten, die Kaufluft oft zurückhaltend.
Goyas Cauromachie (in 2. Äufl.) brachte nur
Ml. 50000.— (ftatt M.80000.—). Vieles vonKlinger
und Greiner ging unter Schälung ab. Manet:
Der Äbpnthtrinker M. 14000.— (M. 8000.—). —
Pleitere Preife bringen unfere „Verfteigerungs-
ergebniffe“ im näcßften F)eft. (Vgl. auch die Er-
gebniffe der Verfteigerung Davidfohn, Ver-
fteigerungsergebniffe des Cicerone 1921.)
3u den Äbbildungen
Max Slevogt. Die drei Äbbildungen (S. 432,
435 und 438) pnd mit Erlaubnis des Verlages Fritj
Gurlitt, Berlin, wiedergegeben.
Die Abbildungen auf Seite 436, 437 und 439
find mit Genehmigung des Verlages F. IJanf-
paengl, München, dem Buche von Elfried
Bode: Die deutfdße Graphik entnommen.


Adolph Menzel. Kronprinz Friedrich und fein Erzieher.

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