Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Der Kunftmarkt

Der Kunftmarkt
Vom amerikanifcfyen Kunftmarkt
Die legten Verkäufe diefer recht unerfreulichen
Saifon zeigten noch einmal den üblen Stand der
Dinge gierzulande. Die Ebricb Gallery fab fid)
genötigt, einen Geil ibrer Beftände auf den Markt
zu werfen, offenkundig um etwas Bargeld in die
Fjand zu bekommen, Glas war das Refultat?
Ein Rembrandt ging für $6100, und ein zwar
nur fkizzenbafter, aber doch feuriger Rubens
von großen Dimenfionen, ganz von der Fjand
des Meifters gemalt, brachte es nur auf $ 5400.
Daß der gleichzeitig angebotene van Dyck, .das
Bildnis des Cbomas Cbaloner“, nicht mehr als
$ 4900 eintrug, war dagegen nicht zu verwun-
dern, denn von van Dyck felber war bei ihm
nicht allzuviel mehr übrig geblieben; es war
ein „verfcbmiertes Bild“. So endet die Saifon
ebenfo kläglich wie fie begonnen hatte. Da man
aber überall von einem Hufleben des allgemeinen
Gefdjäftsganges hört, fo hofft man wenigftens
für näcbfte Saifon auf beffere 3eiten. Einwirk-
lid)es Gefunden aber dürfte wohl noch etwas
länger auf fid) warten laffen. Man wird fd)on
froh fein müffen, wenn die näcbfte Saifon ohne
fchwerere Verlufte und Kataftropben vorüber-
geht. (Fjierzu fiebe Verfteigerungsergebniffe.) F.
Bevorftel)ende Verweigerungen
Die Verweigerung der Sammlung
Ct)illing wortt)
Die bekannte Gemäldefammlung des Kom-
merzienrats Rudolf Chillingwortl) wird am
5. September in Luzern öffentlich verfteigert.

Die Huktion, die in der Galerie Fifd)er (Grand
Fjotel National) ftattfindet, wird von den Kunft-
firmen Frederik Müller & Co., Hmfterdam,
Galerie Fifctjer, Luzern, und Pro Hrte, Bafel,
durcbgefübrt. Die Beftimmungen der Gemälde
rühren zum großen Geil von Dr. Max J. Fried-
länder her, der mit dem Sammler jahrelang in
guten Beziehungen ftand und ihn bei feinen Er-
werbungen beraten hat. Die Sammlung umfaßt
eine große 3abl von Gemälden erfter Meifter.
Es feien genannt: Italienifcbe Primitive von her-
vorragender Qualität, Frübmeifter vom Range
eines Coffa, Signorelli, Gentile da Fabriano,
Filippo Lippi; dann deutfcbe Meifter des 15. und
16. Jahrhunderts (Meifter der heiligen Sippe, des
Marienlebens, von Meßkirch; Koerbecke, Lucas
und I)ans Cranad), FJans Fjolbein d. Baidung,
Striegel und manche andere). Ferner frühe rbei-
nifcbe, oberdeutfcbe und flämifcbe Meifter von
großer Seltenheit; bedeutende Niederländer wie
Jan Scorel, Ifenbrandt und vor allem Rubens,
Rembrandt und Fjobbema. über ^Einzelheiten
fpäter an Fjand des in Vorbereitung befindlichen
Katalogs. Die Sammlung Chilüngworth gehört
keineswegs zu den Privatgalerien, die über Älter
und Cradition verfügen. Der bekannte deutfcbe
Großinduftrielle hat fid) vielmehr erft während
und nad) dem Kriege in größerem Maßftab als
Sammler betätigt, zumal nachdem er feinen
Globnfig nach Luzern verlegt hatte. Gleiche
Gründe ihn veranlaffen, fid) fd)on nach ver-
hältnismäßig kurzer 3eit (und, wie uns fd)einen
will, zu keinem befonders günjtigen Moment)
von feinen Sd)ägen zu trennen, entzieht fid)
vorläufig unferer Kenntnis. Sicher aber wird
die Huktion als folcbe eines der wid)tigften Er-
eigniffe der Fjerbftfaifon fein.

Heft 14
d 15
. 16

Erfdjeinungstermin
. 20. Juli
.3. Huguft
.17. Huguft

Heft 14
n 15

Redaktionsfcfyluß

12. Juli
26. Juli
9. Huguft

Diesem Heft liegt je ein Prospekt der Kunsthandlung EDGAR GUTMANN, München, und
des Kunstverlages ANTON SCHROLL, Wien, bei, die Wir besonderer Beachtung empfehlen.

Herausgeber Prof. Dr. GEORG BIERMHNN, Reitrain am Cegernfee, Poft Rottad).
. Redaktionelle Vertretungen des .Cicerone“: ■■»>■•>■■>««*» Mminmiiiii..iiii.um.«...■>■»
BERLIN: CurtB au er,Berlin-Südende, Märkifci)eStr.3,ILCeI.SteglijjllO. / MÜNCHEN: Dr. Leopold3al)n, München,
Kaulbact)ftr. 35, I / FRANKFURT a.M.: Dr. Safdpa Sdjwabadjcr, Frankfurt a. M., Marienftr. 19 / ÖSTERREICH:
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