Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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der Lage ein würdiges Gepräge zu verleiben, das zurtieift eines etwas behäbigen An-
triebes nicht entbehrt. Kurz der Aufbau der bolländifcben Manufakturen ift nicht wie
in Brabant in erfter Linie auf das böfifcbe Leben, fondern auf die bürgerlichen und
ftädtifchen Bedürfniffe eingeftellt
Am 28. Februar 1547 wird „Peter Jellot, van Bru]Jel, Capedjier“ als Bürger von
Ämfterdam aufgenommen. Arbeiten feines Ateliers find bislang nicht bekannt1.
Der 1564 in den Rechnungsbelegen erwähnte „Cuffenmaicxter ende tapeetwercker“
Garbrät Claefzn ift der erfte Klirker, der in Ämfterdam bei ftädtifchen Lieferungen in
Erfcheinung tritt. Er fertigt vier Dufeend „groene cuffens“ und bezieht hierfür ins-
gefamt 133 Gulden 8 Stuivers. Von fonderlidjer Bedeutung fcheint das Unternehmen
nicht gewefen zu fein; 1568 fetjt fich der Rat mit dem Leidener Klirker Klillem Andriefz
in Verbindung, der für fieben Kiffenblätter — fecbs mit dem Ämfterdamer Klappen,
eins mit dem Schilde von Holland — mit neun Gulden 16 ft. abgefunden wird2.
Die Erfolge des Herzogs von Parma und die damit verbundene Ausrottung der kal-
viniftifchen Gemeinden der Südprovinzen bringen ein ftärkeres 3ußuten von Kunft-
handwerkern. Um 1586 erfdjeint Jan Janfz de Buck auf der Bildfläche. Das Unter-
nehmen wird von feinem Sohne Gerrit fortgefe&t, der zum letzten Male 1598 in den
Stadtrechnungen Erwähnung findet. Der Betrieb befchränkt fich im wefentlichen auf
die Anfertigung von Kleinwirkereien. Insgefamt liefert die Manufaktur: 1581 (Jan Janfz)
12 Kiffenblätter zu fünf Gulden das Stück, 1585 (Jan Janfz) 12 „cuffens“ mit dem Stadt-
wappen zum gleichen Einheitspreife, 1587 (Jan Janfz) 18 Kiffenblätter mit dem Stadt-
wappen zu je 5 Gulden 5 ft., 1593 (Gerrit Janfz de Buck) 12 Blätter mit dem Ämfter-
damer Klappen für insgefamt 87 Gulden, 1593 (Gerardt de Buch) 25 Kiffenblätter mit
dem Stadtwappen zum Einheitspreife von acht Gulden, 1593 (Gerrit Janfz) 12 „Cuffens“
mit dem gleichen Motive für insgefamt 100 Gulden. Ändere Klerkftätten, wie die der
Sara Dircx (1585, 1588), des Jakob Pieters (1591) und des Meifters Jacques (1592) er-
fcheinen gleichfalls mit Kiffenlieferungen.
3u Beginn des 17. Jahrhunderts übernimmt das Atelier der Simays die Führung.
Der Name ift in den Belegen häufig entftellt: Symen, Simon, Semey, Cimay. Der
Seniorchef des Unternehmens ift der aus Oudenaarde eingewanderte Goofart (Goofaert,
Gofert, Gerrit, Gofen) Simays. Der jüngere Dirck Simays (Simon) ift ein Sohn oder
naher Verwandter des Meifters. Simays d. Ä. ift zugleich Klirker und Händler, der
ftärkere Nachdruck liegt auf der letzteren üätigkeit. Nach feinem Fortzuge von Oudenaarde
fefet fich der rührige Unternehmer znnächft in Antwerpen feft. Er fteht 1573 in Gefcbäfts-
verbindung mit dem portugiefifchen Capifferiebändler Eduard Salvator Rodrigues. Eine
eigene Manufaktur fcheint Simeys in der Scbeldeftadt nicht betrieben zu haben. Er
erbt im September 1585 ein Daus und Grundftück in der Nähe der Pant von einem
Verwandten, dem Kapitän Adrian Simays. Klenig fpäter veräußert der Meifter das
'Cerrain an den bekannten Händler und Klirker Franz Sweerts, 1586 fcheint feine Über-
fiedelung nad) Ämfterdam erfolgt zu fein. Der Name der Firma taucht in den Be-
legen faft aller ßolländifchen Manufakturen auf. U. a. fleht Dirck Simays auch mit Delft
in Verbindung. Karel van Mander, der bekannte Patronenmaler der Spierincx’fchen
Manufaktur, fertigt — anfcheinend ohne Vorwiffen feines Arbeitgebers — für ihn
verfchiedentlid) Verdürenentwürfe. Bei der „Schlacht von Bergen-op-3oom“, dem
von Spierincx gelieferten erften Behänge der bekannten Middelburger Folge, fpielt
Meifter Goofaert (1592, 1595) eine Art Vermittlerrolle; er liefert ferner den nötigen
„canifas“ zur Fjinterfütterung desCeppichs. 1589 wird Simays als Bürger von Middelburg
genannt. In den Ämfterdamer Stadtrechnungen erfcbeint der Klirker 1602 mit den üblichen
Kiffenlieferungen; insgefamt handelt es fich um 18 Blätter zum Preife von 92 fl. 8 ft.
1 Oud Dollarn! 1887, S. 240.
- Nalezing van de stadsrekeningen van Ämfterdam van af bet jaar 1531 door Eduard van Biema
in: Oud ßolland 1905, 1906.
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