Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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mittleren Sdjulgutes woljl kaum. Om fo ausgezeichneter gab pd) eine Landfcßaß des
Francois Millet, in der ßeroifcßes mit Naturaliftifcßem eine fynÜ>etifd)e Verbindung
eingetjt.
Die Abteilung Bildnismalerei bot die Oberrafeßung der Ausheilung. 3ßitbd) führte
fie vom 18. Jahrhundert bis in die fjälfte des 19.; nur wenige Arbeiten aus der zweiten
fjälße des 19. Jahrhunderts konnten pd) diefem Rahmen einfügen, weil die Bildnis-
malerei fid) in diefer 3eit pofitiv zur abfoluten Malerei, negativ zum aufgeblafenen
Prunkftück wandelt, dem die fd)lid)te, fympatl)ifd)e Sad)lid)keit der früheren Porträt-
kurjft abgel)t. Reich war das 18. Jahrhundert repräfenticrt. Viel Anonymes von hoher
Kultur und eine Reihe von Namen wie Kisling, Kloi}, Phil Jak. Becker, Graß, die zum
erfteri Male die ihnen gebührende Ächtung erfahren konnten, und deren ausgeftellten
töerke zugleich wertvolle Beiträge zu der im 18. Jahrhundert noch reichlich dunklen
Gefcßicßte der badifchen Malerei lieferten. Von großen Namen erfcßienen: Angelika
Kauffmann, Joß. Friedr. Äuguft und Joß. ßeinr. Ulilßelm üifcßbein, Kügelgen, von
mittleren Guibal, Oelenßeinz, Gröger, der ödeinbrennerfreund Feodor Jwanow, Gareis.
Die Sachlichkeit der Bildniskunft fteigert. fid) im Lauf der erften Jahrzehnte des 19. Jahr-
hunderts, die Form wird klar umriffen, die Farbe zur flächigen Kolorierung. Der
Gegenwart ftel)t diefe in Bezug auf maierifchen Rloßllaut asketifd)e Kunft erftaunlid)
nahe, wenn ße aud) das, was die Gegenwart bewußt anftrebt, unbewußt aus der Cra-
dition heraus erreicht. Die große Anzahl fold)er ÜLIerke, unter deren Analer der Badener
Grund etwa oder der in Karlsruhe gelegentlich arbeitende Münchner Jofeph Muxel be-
[onders hervortraten, mochte daher in vieler Richtung Anregung bieten.
Die Romantiker-Abteilung umfaßte eine Reiße köftlichfter Seltenheiten, da Erben
und Nachfaßren Scßwinds und G. F. Kerftings, die zufällig in Karlsruhe beheimatet
find, ißre großenteils noch nie der Öffentlichkeit zugänglich gewefenen Sd)äfee zur Ver-
fügung geftellt hatten. Vor allem Kerfting, über den eine Biographie von Eberlein in
Äuspcßt fteßt, konnte in feiner ganzen Entwicklung überblickt werden. Die frühen
Bildniffe der Schwiegereltern bewegen pd) noch durchaus in den Baßnen klafßzißifcßer
(noch vom 18. Jahrhundert angehauchter) Porträtkunß; das Bildnis der Gattin und vor
allem das Selbftbildnis ßeßt dann feßon mitten in der neuen naturaliftifcßen Äusdrucks-
weife, die in den Bildniffen der Kinder (ganze Figuren) ißre volle Reife pndet. Äb-
feits diefer Entwiddungslinie liegen die. beiden kleinen allegorifcßen Darpellungen
„Geburt“ und „Cod“, in denen nazarenifeße Gedanklicßkeit pcß mit märchenhafter
Romantik vereinen. Eine feßöne Auswahl von 3eicßnungen Kerftings in der grapßifcßen
Abteilung der Äusßellung (befonders zu erwäßnen die Studie zu dem Dresdner Paga-
nini-Bild) gab einen guten Begriff von der herzlichen Liebe feiner ßandfeßriß, die
treffßcßer mit einfachen Mitteln das tHefentlicße eines Eindrucks umfeßreibt. Als geiftig
Verwandte erfcßienen Seele, ßetfcß, Gottlieb Schick und der füddeutfeße Geißesverwandte
D. C. Friedrichs, der Heidelberger Cßriftian Köfter; als Rückblick in den reinen Klafpzismus
öCIädßter und Kügelgen. VonSd)wind waren große und kleinere Studien beigebracht —
Äfcßenbrödel, Kaifer Rudolfs Ritt zum Grab, Sängerkrieg — die in erfter Linie den
aud) in feiner Pinfelfüßrung beweglichen und für feine 3eit kühnen Maler erkennen
ließen; daneben 3eichnun9en und Aquarelle, teils feßr frühe bilderbogenartige Dinge, teils
Arbeiten der ßöcßßen Reife wie das Aquarell „Die heben Raben“. An Schwind fcßloß
pd) Spi^weg an mit dem „Sonntagsjäger“ und der woßl feßönften Faffung des
„Nächtlichen Ständchens“.
Die allgemeine Abteilung der Malerei des 19. Jahrhunderts führte von der Frühzeit
der deutfeßen Landfcßaßsmalerei bis zu Crübner; im Vordergrund ftanden hier die
<Uerke badifeßer und für die badifeße Kunßentwicklung entfeßeidender auswärtiger
Maler. Die Frühzeit wurde vertreten durch einen wundervollen Cü. Kobell aus dem
Jahr 1820, an den in bezug auf die Stilge[d)id)te oßne weiteres die fachlich klare Land-
feßapskunp 5. Bürkels und E. ß. Richards, eines Karlsruhers, angefchloßen werden
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