Heidelberger Volksblatt — 5.1872

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Die Nagglmarern.

nämlich 's Loos an betreffender Schtell bräſendirt, hawe
ſe drei Pnnd Wachs dafor kricht. Hurra die Geil!
Deß heeß ich en Gaul gewuune, Leitcher!
Außer der Gaulsg'ſchicht, is mer aah e kurioſi Reis-
g'ſchicht zu Ohre kumme, Leitcher! Zwee vun hier ſinn
nämlich uff die Frankforter Meß. Bei der Gelegenheit
hawe ſe aah de Cirkus Renz b'ſucht. Jm Circus Renz
is bekanntlich aach eener vun denne unfehlbare
Eſl, die ſich nit reite loſſe. - Finfezwanzig Gulde dem,
ruft d'r Bajatz, der uff'm reit un nit runner fällt! -
Deß Geld kennſcht mitnemme, ſegt d'r Ritter Götz
vun Ehlbabier, un ſchteigt druff. Er ſitzt awer kaum
druff, liegt'r im Sand. Un eeweſo ſoll's aah unſerm
annere Heidlberger Ritter, der die unfehlbar Siewe-
higlſchtadt Room im Schild fiehrt, gange ſein! Druff
un im Sand! Fridolin, do ligſcht!
Viel wichtiger for die Heidlberger Mitbirger dirft
awer die Noochricht ſein, daß unſer unfehlbare
Jakob aah noch leebt. Mir hawe ſo lang nix mehr
vun'm g'heert. Ja, er lebt noch! Er war im heilige
Köln am Rhein, un hott dort bei d'r unfehlbare Ka-
tholikeverſammlung widder emool e Redd g'redd! Un
do hott als ſchun die bees Welt g'ſagt: er hätt ſein
Kopp in die Eſch g'ſchteckt un dhät Buße! Er wollt
nit mehr mitdhun! Ja, broßt die Mohlzeit! Soball
die Religion in G'fahr is, wie aweil widder, is d'r
Jakobl an d'r Schbritz! D'r Jakob loßt nit nooch.
Er ſcheint ſich norr eweil ausgeruht zu hawe, um deſto
herzhafter widder einbrenne zu kenne. So is Recht.
So is Recht, Jakob! Druff, uff die Altkatholike, Frei-
maurer un annere Heide un Derke im deitſche Reichl
Druff!

Wann's'n aah nix dhut,
Es kiehlt doch ab die Wuth!
Ent gut, alles gut - noch e boſſirliche franzeeſchi
Kritik iwer unſern zwette September, Leitcher!

Keine Schule.

Wer 's Glick
hott, fiehrt die
Braut heem,
Leitcher! Un-
ner Umſchtän-
de awer, aach
emool was an-
nerſchts. Was?
werd'r gleich
heere. - Wie
bekannt, hott
alſo unſer Elle-
bogemaurer
deß große
Kunſchtſchtick
fertig gebrocht:
mit'm Elleboge
in de Sack zu
kumme. Er hott
gewunne!
Wann widder
emool e Biene-
ausſchtellung
in Mannem is,
kaaft eich aah
e Loos, Leit-
cher, wann'd'r
glücklich ſein wollt! - Ame ſcheene Dag kricht alſo unſer
Ellebogemaurer vume Kaufmann, der'm e Loos zur
Mannemer Bieneausſchtellung verkaaft, ſage geloßt, er
hätt gewunne! De Schorz in e Eck g'ſchmiſſe un zum
Loosverkeifer g'ſchbrunge, war eens. - Was? ſegt'r,
hott'r g'ſagt, was? Gewunne? No un was dann,
wann ma frooge derf? Schnell! Jch geh ſunſcht ka-
putt vor Vergniege! - En Gaul, ſegt d'r Kaufmann.
En Gaul mit zammt'm Schwanz. Sie Glickskind! -
Was? kreiſcht d'r Ellbogemaurer, un dreht ſich im
Kringl rum, was? En Gaul? Noja! 's kann ſich jo
aah gar nit fehle. Umeſunſcht hott mich mein Hand
heit nit ſo de ganze Dag gebiſſe! - Gleih druff ſchbringt'r
widder fort zu ſeim Kolleeg Hannes! - Hannes, ruf-
t'erm ſchunn vun Weitem entgege, Hannes! Jch hab
en Gaul gewunne. Du muſcht mit mer uff Mannem
nunner. Alleen bring ich'n nit ruff. Du weeſcht, ſo'n
Maſſik macht beim Einlade an d'r Eiſebahn allerhand
for Mannewer. Un weeſcht was? De Roßſchweifdra-
goner nemme mer aach mit. Der kann'm unnerwegs
eweil unſer nei deitſch Exerzitzium einbleie. - Ro,
korze Gewinn, Leitcher. D'r Ellebogemaurer un d'r
Hannes ſinn alſo am Sunndag mit friſchgewichste
Schtiffl un Schbore nunner uff Mannem, hawe in d'r
Gans for'n Kronedhaler zu Mittag geſſe, in d'r alte
Sunn, beim Vetter Löſch, aus'm große Humpe gedrunke,
ſinn bei d'r Rieſedaam geweßt, hawe die Wohrſagerin
b'ſucht, korz: hawe alles g'ſehe, was in Mannem norr
aweil uff d'r Meß zu ſehe, norr ke Gaul. Wie ſe

Etwas muß Frankreich von den Deutſchen gelernt
haben: die Klugheit, aus den Fehlern des Feindes
Nutzen zu ziehen. Frankreich muß ſein Augenmerk dar-
auf richten, im Jntereſſe des unausbleiblichen Rache-
zuges den Schulbeſuch der deutſchen Jugend auf ein
beſcheidenes Maß zu reduziren. Es wird ſchwer hal-
ten, die deutſchen Eltern zu veranlaſſen, ihre Kinder
von der Schule fern zu halten. Frankreich muß alſo
ſchlau zu Werke gehen. Der Tag von Sedan hat
Deutſchland derart ſiegestrunken gemacht, daß derſelbe
durch geſchloſſene Schulen gefeiert wird. Wir lernen
deraus, daß Deutſchland ſeine Jugend an ſolchen Ta-
gen nichts lernen läßt, an welchen es uns einen Herr-
ſcher entthront hat. Daraus folgt, daß wir dieſem
Völkerrecht oft Gelegenheit geben müſſen, uns einen
Herrſcher zu entthronen und den betreffenden Tag
gleichfalls durch unterlaſſenen Schulbeſuch zu feiern.
Frankreich wählt ſich dann raſch ein neues Oberhaupt,
das es wiederum von Deutſchland vom Throne ſtoßen
läßt.

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer
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