Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Sammlungen

begreifen. Aber auch diefe argentinifcßen Ma-
ler und Bildhauer haben fcßwer mit dem Leben
zu kämpfen, zumal aud) das fd)nellebige, teure
und vergnügungsfüd)tige Buenos Aires durch-
aus nicht die Stadt ift, in der künftlerifcße Ar-
beit zu gedeihen vermag. Eigentlich gibt es
unter den modernen Künftlern des Landes nur
einen einzigen, der fid) in gleichem Maße feines
wirtfd)aftlid)en wie künftlerifcßen Erfolges rüh-
men darf. Das ift Fernando Fader, ein in
Argentinien geborener Soßn fcßwedifcßer Eltern,
der aber feine künftlerifche Ausbildung in der
Ißauptfacße in Deutfcßland gehabt hat und Schüler
von Fjeinrich von 3ügel in München gewefen
ift. Fader hat ein feines Organ für die befondere
Atmofpßäre Argentiniens, für die Überfülle an
Licht und Farben, für die Erfcheinung der Dinge
unter einer übermächtigen Sonne und da es ihm
an einer entfprechenden Cecßnik nicht fehlt, fo
kann man ihn heute als den einzigen und wirk-
lich vollwertigen Meifter der argentinifcben Land-
fchaft anfprechen. Alle zwei Jahre hat er in
Buenos Aires feine gutbefuchte Ausftellung, wo
ihm der argentinifche Liebhaber Preife für feine
Bilder bezahlt, wie pe ähnlich einem gefcßäßten
Modemaler in Paris zugeftanden werden. Über
einzelne Ereigniffe der lebten Saifon foll in
einem zweiten Artikel demnächft berichtet werden.
Ludwig Kleber.
Sammlungen
Die künftige Ge ft altung der
Kunftfammlungen in Berlin
Klelcße Rolle Berlin künftig als eine Metropole
in der internationalen Kunftwelt fpielen wird,
hängt zum großen Ceil von einer würdigen Neu-
geftaltung der ftaatlichen Sammlungen ab, die
gegenwärtig einen brennenden Mittelpunkt der
hiefigen Cagesfragen bildet. Bereits vor dem
Kriege fchien diefe Frage nach jahrzehntelangen
Sorgen durch die Pläne Meffels für die Mufeums-
in[el und diejenigen Bruno Pauls für Dahlem
übereinftimmend mit dem Gutachten Klilßelm
von Bodes in großen 3ügen gelöft. Die ver-
änderte Klirlfcßaftslage nach dem Kriege bietet
nur einen Vorwand, die teilweife bereits ausge-
führten Pläne fowohl vom ßnanziellen wie vom
fachlichen Standpunkte aus in ein anderes Licht
zu ftellen und ihrer Verwirklichung einen Riegel
vorzufeßieben. Die etwas unklar abgefaßte, vom
Kultusminifterium eingereichte „Denkfchrift
über die geplante äußere Geftaltung des
Berliner Mufeumswefens“ geht dabei von
fchiefen Vorausfetjungen aus. Es wird u. a.
dargelegt, daß eine Sammeltätigkeit im früheren
Umfange weder möglich noch wünfeßenswert
fei und eine deutliche Scheidung des unmittelbar
Schaubaren vom bloß Lehrhaften angeßrebt
werden müffe. Catfäcßlich jedoch iß es den
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Mufeumsleitungen gelungen, trotj der befeßränk-
ten Mittel durch Austaufch und fonßige gefd)ickte
Manöver die Neuerwerbungen in vieler Be-
ziehung im früheren Maße aufrecht zu erhalten.
Ganz abgefehen davon, daß bereits heute Berge
von koßbaren Kunftwerken in unzureichenden
Magazin-Räumen dem Untergange geweiht ßnd,
hat die Lage nach dem Kriege in dem 3uwacßs
der Mufeen durchaus keine wefentliche Änderung
gefchaffen. Völlig verfehlt indeffen wäre es,
Klerke weniger hervortretender Künftler, die
eine Epoche als Ganzes abfd)ließen helfen, neben
den Meifterwerken zu vernachläffigen oder gar
zwei nebeneinanderlaufende Sammlungen zu
fchaffen, von denen eine der öffentlichen Schau,
die andere ergänzungsweife den Studienzwecken
(in der Denkfchrift „Magazin“ genannt) dient.
Das hieße dem fcßauluftigen Dilettantismus auf
Koßen einer zufammenhängenden Studienge-
legenheit für Künftler und Gelehrte die Küre
öffnen.
Nach der Denkfchrift follen auf der Mufeums-
infel untergebracht werden: die euröpäifcheKunß,
die Kunft des Mittelmeergebietes und des nahen
Orients, im alten (neuerdings ins Schloß ver-
legten) Kunftgewerbemufeum und im Völker-
kundemufeum (beide in der Königgräteer Straße)
die ethnologifchen Abteilungen, die oftafiatifchen
Kunßfammlungen und die prähißorifchen Gegen-
ßände. In Dahlem foll das angefangene Ge-
bäude als Magazin vornehmlich für die 3wec^e
des Völkerkundemufeums benutzt werden. Das
wefentlicbfte an diefem neuen Projekt ift die
Aufgebung des Äßatifcben Mufeums in Dahlem,
die zugleich eine ganze Reiße unwürdiger Not-
behelfe im Gefolge fmk Seinem urfprünglichen
Plane nad) war dies Mufeum das erste in feiner
Art und hätte durch das weitgehende Intereffe,
das es bis in die apatifeße und amerikanifeße
Kielt hinein erweckte, einen internationalen
Kulturwert erften Ranges dargeftellt. Anßatt
deffen foll die hochentwickelte Kunft Oftafiens
feßr unorganifd) mit vorgefcßicßtlicben Alter-
tümern im altenKunßgewerbemufeumzufammen-
gekoppelt werden, und die islamifcße Abteilung
foll ißr Dafein als Fremdkörper im Kaifer-
Friedricß-Mufeum weiterfriften, das ohnehin
feßon mit allerhand nicßt hineingehörigen Gegen-
ßänden überfüllt iß, während es zunäcßft für
die italienifcße und niederländifcße Kunft allein
beßimmt war. Andrerfeits foll der angefangene
Bau in Daßlem als Magazin (lies Leßrfammlung)
für das von ihm aus nur umßändlicß zu er-
reichende Völkerkundenmufeum in der König-
grätjer Straße dienenl Gewiß, vierzehn Milli-
onen für ein Apatifcßes Mufeum pnd auch bei
der heutigen Geldentwertung keine Kleinigkeit.
Aber die Denkfchrift verfeßweigt, daß auch der
Ausbau des Magazins bereits peben Millionen
koftet. Dazu hat die Erfahrung gelehrt, daß die
übrigen peben Millionen pcß unfeßwer durch
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