Der Cicerone: Halbmonatsschrift für die Interessen des Kunstforschers & Sammlers — 14.1922

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Sammlungen

den können, fo daß möglicßp jedem interefperten
Kenner, Sammler und vor allem ttliffenfcßaftler
auf die fparfam befeßten Großräume menfcßlichen
Genußes bin jene lückenlos gefüllten Studien-
räume offen find. Für die Scßackgalerie kommt
das freilich kaum in Betracht.
Ein neuer Führer, der in Ärbeit ift und fcßein-
bar den Grafen Schade felber zu (Horte kommen
laßen will, wird über CUeiteres Recbenfcbaft
geben. Bedenkt man, daß die ganze Neuord-
nung in drei öüoeßen geleiftet wurde — und
innerhalb jener Befcbränkung der Mittel, — fo
wird man doppelten Dank zu zollen haben.
F. Roh.
Cf) emniß
Die StädtifcbeKunftfammlung erwarb auf
der Sommerausftellung der Dresdner Künpler-
vereinigung das Gemälde „Frau mit Kerze“ von
Karl Fjofer, nachdem ihr vor kurzem das Co-
rintbfebe Gemälde „Mein Sohn Cbomas“ von
einem Gönner des Mufeums gefebenkt worden ift.
5aag
In diefen Cagen wird imFjaagerGemeinde-
m u f e u m eine durch die Freunde aßatifcßer Kunft
vorbereitete AuspellungvonPlaftiken ausVorder-
afien, Nepal, Cibet, Birma, Siam, Cambodja,
Ceylon, Java und Bali eröffnet werden. Die
Plaftiken aus Nepal find für den 3weck teils
durch das Indifcße Mufeum in Calcutta, teils
durch Percy Brown, ebendort, hergeliehen wor-
den. Mit febr wertvollen Leihgaben werden
Heb an der Ausßellung u. a. das Ethnographifcße
Älufeum in Leiden, Jonkßeer 5- London in CQaf-
fenaar und Frau Reßnk in Djocja beteiligen.
Kläßrend der Auspeliung wird Dr. Cüilliam Cohn
zwei Vorträge halten. Fj-
Hamburg
Mit der Überfeewoche übergab das Mufeum
für bamburgifebe Gefcbicbte einen großen Ceil
feiner Räume der Öffentlichkeit. Der areßitek-
tonifcß wie landfchaftlich feböne Bau in den
ödallanlagen am Millerntor ift von Friß Schuh-
macher troß der Not der allen Schwierig-
keiten zum Croß als öQahrzeichen hanfeatifcher
Fähigkeit errichtet worden. Die alte Sammlung,
hervorgegangen aus den Beffcänden des alten
Jobanneums, des Hamburger 3eugßaufes und des
Gefcbicßtsvereins, hat hier in lichten farbenfrohen
Räumen eine endgültige Aufftellung gefunden,
die in Einzelheiten allerdings auch heute noch
als proviforifcb angefehen werden muß.
Das Mufeum für Kunft und Gewerbe beteiligte
pcb an der Überfeewoche mit einer Husftellung
alter Spieen aus feinen Magazinbeftänden. Filet-,
Knüpf- und Durchbrucharbeiten als Vorftufen
der Spitze, Näh- und Klöppelfpißen gaben einen
Überblick über die Gefcbicbte der Spitze bis zum
Äusgang des 18. Jahrhunderts.
Die Kunftballe hat kürzlich durch ein Ver-
mächtnis von Fjerrn Erdwin und Frau Hntonie

Ämfink geb. Lattmann, das eines der bedeu-
tendften Vermäcbtniffe, das je der Kunftballe
zugefallen, ift, eine ftarke Bereicherung erfahren.
In den achtziger Jahren begonnen, umfaßte die
Sammlung damals die zeitgenöfpfche deutfeße
Malerei, — Achenbach, Gabriel Max, Knaus,
Lenbacß, Böcklin u. a. — wandte ßd) aber bald
den franzöpfeßen Meiftern zu. Die Barbizon-
Schule ip vor allen Dingen gut vertreten: Dau-
bigny, Diaz, Rouffeau, Corot und Courbet find
mit mehreren Beispielen. Degas ift mit 4 Arbei-
ten, Millet mit 2 vorhanden. Von der englifcßen
Malerei ift ein vorzüglicher Impftier auf diefe
tüeife in die Kunftballe gelangt, auch die Prä-
raffaeliten fehlen nicht. Diefes nur aus der
Fülle der Bilder des Vermäcbtniffes, für das man
in unferer fonft fo materiell verjeueßten 3eit den
Stiftern befonderen Dank zollen wird. Eine
überaus reizvolle Äusftellung in den Räumen
des Kunftvereins gewährt uns einen Einblick in
den Fjandzeicbnungsfcßaß der Kunftßalle. „Aus
der guten alten 3eitu nennt pcß die 3ufammen-
ftellung, die die ßöcßfte Blüte Fjamburgifcßer
Malerei widerfpiegelt. Namen wie Runge, Speck-
ter, üüasmann, Milde und andere pnd für uns
mit der deutfeßen Malerei des 19. Jahrhunderts
aufs engpe verknüpft. Alfred Roßde.
Paris
In der SalleDenon des Louvre pnd zur3eit
die Schenkungen diefes Jahres vereinigt, die
ßeuer allerdings nur einen befeßeidenen Raum
behaupten, aber dafür an innerem (Hert um fo
beträchtlicher pnd. Das wießtigfte Stück ip
zweifellos Rembrandts „Männliches Bildnis“
aus der Sammlung des Grafen Potocki, das waßr-
fcßeinlich das Porträt des Bruders Adriaen dar-
pellt. Und in feiner Art nicht minder bedeut-
fam aucß das Bildnis des Architekten Latour
von Lampi. Hieniger kommt diefes Mal die
Kunft des 19. Jaßrßunderts auf ißre Kopen, aus-
genommen zwei kleine, ungemein anfpreeßende
Ölbilder von Corot, das Porträt eines Mäd-
chens mit Apfel und die Studie zu einer Nonne.
Von diefem Künpler fießt man außerdem ein
gezeichnetes Selbftbildnis von wunderbarer Fein-
heit, auf dem pcß der Maler im Freien vor feiner
Stapelei dargeftellt hat. (nichtiger als beifpiels-
weife Regnaults Farbenfkizze zu dem inBopon
bepndlicßen Gemälde „Automedon hütet die
Pferde Achills“ (1868) oder ein Orientbild De-
bodeneqs, gar nicht zu fpreeßen von dem füß-
licßen Porträt IJenners, pnd die 3eicßnungen von
Prudßon und David, von Massard und
Ingres, die aucß für den Eingeweihten eine
gewipe Überrafcßung bedeuten. — Übrigens will
der Louvre endlich aucß den reichen Schaß an
3eicßnungen, von denen er mindeftens 40000
bepßen dürfte, durch wecßfelnde Aufteilungen
der Öpentlicßkeit erfcßließen. Jede diefer Aus-
ftellungen foll das vorhandene Material eines

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Der Cicerone, XIV. Jaljrg., Fjeft 20

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