Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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gkfallkn, IhkilS schwer verwundet. Feldmar-
schall-Lteutenant Hartung soll durch eineu Prell-
schutz am Fuhe leicht verwundet sein, Die
Zahl der Todten und Verwundeten läßt flch
auf beiden Seiteu nicht genau angeben, doch
ist di-sclb- aus b-iden Seiten eine sehr grofle
und die Schlacht war cine dcr blutigsten, die
seit lange gejchlagcn wurde, Mehrere Geschütze
und über 2000 Gefangene stelen in unsere
Hände, Die Brgcistcruug in dcr Armee ist
ei»e unbeschreibliche. Der Erzhcrzog ist der Ab-
gott der Armee gewvrdcn, Schwere KLmvfe
stchen uns nvch bkvor, aber die Armee stcht
muthig und siegesgewitz, zu neucn Operationen
bereit, da, und nach dem, was wir gcstern ge-
s-hcn haben, ist an dem vollftSndigen siege
über die Jtaliener nicht mehr zu zweifeln,
Zum Schlusje unsereS heutigcu Berichtes cr-
heben wir wiederholt den dringenden tzius nach
einem Manifest, eincr Kundgcbung der bundes-
treuen Regierungen an ihrc Völker, dic wieder
mit Gut und Blut sür ste eiustehen sollen,
Nur bei cinem cinmithigcn gemeinsamcn Han-
deln der Fürsten und Völker ist ein Sieg dcS
deutscheu BundcS möglich, Aber nur dann
können die Fürstcn und Regierungen daS kost-
bare Gut der vollen Opfersrcudigkeit ihrer
Völker sich erringen, wenn ste als SiegcspreiS
die Erfüllung dcr bcrechtigtcn Forderungen dcr
deutschen Nation nach cincm Parlament, gc-
wählt nach dcn Bcstimmungcn der Reichsver-
fassung von 1849, nicht ctwa bloS verheißen —
ncin zur unverbrüchlichen Nachachtung auf daS
Bestimmteste garantiren, Hvsten wir also, dah
der laute Nuf nach einer solchen Kundgcbung
nicht ungchört verhallc, sondcrn vielmehr auf
das Baldigste im Sinne de§ Bolkes erwidert
wcrde.

Devtschland.

; Heidelbcrg, 29. Zuni, Hcute ging
nachstehcnde, mit zahlrcichcu Unterschriften be-
dcckte Adresse an Minister v, Edelsheim »on
hier ab:

Adrcsse von Bürgcrn der Stadt H-idelbcrg
an dcn Grotzh, bad, Staatsminister Herrn
Frciberrn von Edelshcim in KarlSruhc. Hvch-
gcehrter Herr Staatsminister! Die blntcrzeich-
neten habcn mit dcr größten Spannuug und
der wärmsten Thcilnahme Jhrc Rkden und
Handlunge» in der surchtbaren Crisc des Ge-
sammtvaterlandeS vcrfolgt und stnd zu der
Ivohlthuendcn Ueberzeugung gelangt, daß die
deutsche Politik Badens keinen bcssercn Hän-
dcn anvertraut seiu kann, alS den Jhrigen,

Dem drobcndcn Bundesbruch gcgeuübcr ver-
langten Sic Ermichligung und Mittel zur vor-
läufigen Rüstung; am Tage des sich »vllziehen-
den BuudeSbruchS drangen Sie auf Mobil-
machung der sämmtlichen stehenden Truppen
des Landes, Unbehelligt von den östkntlichen
und geheimen Jnstnuationcn der NcutralitätS-
politikcr standcn Sie als verantwortlichcr Mi-
uister dcm allvcrehrten LandcSherrn, alS gc-
wissenhafter StaatSmann dcm Volke treu zur
Seite.

Es werden schwere Tage über daS engere und
das weitere Vaterland hercinbrechen, größere
Opfer von unserem PatriotiSmuS gefordert
werdcn. Sie wissen, Herr Staatsminister, daß
auch von unserer Stadt aus die Bitte um
Wehrhaftmachung dcs gesammten wassensähigen
VolkeS auSgegangen ist, Der Gedankc deS
MilizsystcmS, wclcheS allmälig und nach Maß-
gabe der augenblicklichen Möglichkeit au die
Stellc des AushcbuiigSsystemS Ireten soll uud
wctcheS der Rcgierung unendlich größcre Ver-
theidigungSmittel bietet, als die bisherige Or-
ganisation, ist bcreits in ganz Süddeutschland
populär geworden. Ergrcifcn Sie die Jnitiative
zur Durchführung dieseS volksthümlichen Sy-
stemS, krönen Sie Jhr maunhafteS, peulscheS
Wirken mit dcr energischen Befürivvrtung und
raschen Vcrwiiktichung diescs SysteniS.

Herr Staatsministcrl Sie äußerten am
44, Juni in der öfscntlichen Sitzung der zwei-
ten Kammer: Die Regierungen könntcu
nnr dann die nationale Fahne hoch-
halten, wenn daS Volk hinter ihnen
stehe, daS Volk müjse sich rührenl
Tief betrosten von diescr nicht unverdienten
Zurechtwcisung, wollen die Uiiterzeichncten we-

nigstens diescn Vorwurf nicht länger auf sich
lasten lasten,

Wir stehen hinter Zhnenl Gcheu
Sie vor, wir solgen!

Baden, 29, Juni, Eine hier weilendc
fürstliche Persönlichkeit erhielt ein Telcgramm,
wornach gestern die Hannoveraner nach hel-
denmüthigem Kampfe die Preußcn dcstegt habcn.
Ein Gotha'schcS Negiment wurde von den Han-
noverancrn halb vernichlct, dagegen blicb cin
ganzes Husarenregiment dcr Letztern aus dcm
Platze,

z Baden, 29, Zuni, AuS einer Privat-
quclle kann ich ihnen mittheilcn, daß Egenols
v, Nödcr, österreichischer Jnfanterie - Haupt-
mann, Sohn deS vcrstorbenen badischcn Gc-
nerallieutenankS v, Röder, in der Schlacht bei
Custozza gcsallen ist.

— Aus Baden, 29, Zuni, Nach Mit-
theilungen eineS Augenzeugen isi in Rotterdam,
Utrecht, Lciden, in dcn Secbädern Katwey und
Scheveningen die Chvlera in sehr bcdenllichcm
Gradc ausgcbrochcn. Zn Leideu stiegen die Er-
krankungen auf 100 per Tag, Jn Scheve-
ningen haben viele Leute ihre ungcsundcn
Wohnungen verlassen und campiren in Zeltcn,

-st Freiburg, 28, Juni, Gcstern kam der
gewejene prcußische Abgeordncte Frese hier
durch und vcrwcilte bis zum Nachtzugc. Auf
mündliche Mitthcilung einzelncr Bürger »cr-
jammellen stch eine Anzahl hiestger Bcwohner
in der Harmonie dahier, wo Herr Frese ciue
unsere gcgcnwärtige Lage bctreffende Anrede
hiclt, Er schilderte in derselbcn dic gcgenwärtige
traurigc Lage D-utschlandS, zeigte, daß deide
Großstaaten, Oefterreich uud Preußen, gleiche
Schuld au diesem Zustande tragcn. Doch von
einer Schuld müsse Oesterreich srcigesprochcn
wcrden, nämlich von der der Heraufbcschivöriing
deS BrudcrkriegeS, Diesc Schuld liege allein auf
PreußenS Regierung, Sie allcin habe das nun
vergosscnwcrdende Blut dcr Söhne DcutschlandS
zu verantwortcn, Hauptaufgabe dcs dcutschcn
Volkcs abcr sei es, ganz energijch und zu rech-
ter Zeit dahin zu wirken, daß dieses Blut nicht
wirder allein sür dic Jnteressen der Dynasticn,
sondern insbesondere auch für die des VolkeS
vergossen werdc, Vor AUem müsse daher auf
Berufiing eines deutsches Parlamcnts gcdrun-
gen werdcn, DieS könne nicht durch ZeitungS-
artikel, die gelescn und wieder bei Scite gelegt wer-
den, geschehen, Es müßtcn VolkSvcrcine u,VolkS-
versammlungen berusen werden, in welchen diese
Forderungen laut und ernjt ihrcn AuSdruck
findcn, DaS deutsche Volk sei eS, welchcs in
dem lcichtfertig veranlaßtcn Bruderkriege Gut
und Blut cinsctzcn müsse, es dürfe uichl wicdcr
leer ausgchen und der Willkür cinzelncr Cabi-
nette prciSgegeben werden,

Stuttgart, 28. Juni, Rach eincr Mit-
theilung der Direction der bayerischcn pfälzi-
schen Bahnen dürfen Kohlen und Koaks von
Privaten aus Preußen, somit auch aus dcm
Saargcbicte, nach dcn pfälzischen Bahnen, so
wie nach Süd- und Mitteldeutschland wieder
versendet werdcn.

Hannu, 28. Zuni, Unsere hier und in der
Nachbarschaft einquarticrten kurhessischen Trup-
pen crwarten jetzt schou fort und fort dcn Be-
fehl zum Abmarsch, — Zn der Stadt herrscht
Freude über die Nachrichtcn von den Schlacht-
fcldern; diese Nachrichten lautcn heute -ntjchie-
den günstig für unscre Verbündctcn, Doch un-
ser AuSdruck „Freude" ist am Ende eine salsche
Bczeichnung, Wir wünjchcn den entschiedcnsten
Sieg der bundestreuen Staaten, abcr wir be-
klagen eS tief, daß es, weil eS cin Graf Bis-
marck so gewollt hat, ein Sieg sein muß, bei
wclchem deutscheS Blut fließt auch auf Scite
der Gegner,

Münche», 27. Juni, Der KriegSminister
v, Lutz hat sein Porteseuillc heute wicdcr übcr-

München, 23. Juni. Der König ist heute
Morgen nach 8 Uhr wieder hier eingetrosten,

München, 29, Zuni, Jn der nächsten
Woche ersolgt dic AuSgabe von Cafsenanwei-
sungcn, zu 6 pCt, verzinSlich und nach scchS
Monatcu rückzahlbar, — Die Dividendc dcr
Bank sür das erstc Scnicster 1886 ist auf 17
Guloen festgesktzt.

Z t a l f n.

Bon der italien Gränze, 28. Juni.
Der verwundcte General Duraudo ist durch
General Pianelli ersctzt, Nach der „Opinivne"
steht die Veröfscntlichung der Zwangsanleihe
bevor.

Sl m e r i k a.

Rio de Ianeiro, 8, Juni, Jn Paraguay
habcn die Alliirten einen neuen Sicg erfochten.
Dic Paraguiten sollen 6000 Maun an Todten
und Verwundeten, 8 Kauonen »nd 4 Fahnen
»erlorcn haben,

Neueste Nnchrichten.

Pardubitz, 29, Zuni. (Ueber Wien.)
Die Prenßen sino gcstcrn vvn den Oestcrrei-
chern unter Gablcnz vollständig geschlagcn wor-
dcn; ste ließen tausend Todte und V-rwundete
auf dem Schlachtfeld zurück, und zogcn sich auf
daS preußische Gcbiet gcgen Glatz hin zurück.
Gcstcrn wurden die Preußen, alS ste Jicin de-
setzt hatten, von der Cavalleriedivision deS Ge-
nerals EdelSheim angegrifsen, auS Jicin hinauS-
geworfen und gegcn Turnau zurückgetriebcn.
Jn Folge dcssen räumten die Preußen in
der vergangcnen Nacht Mclnik, Dauba und
Leippa, indem sie pch -iligst nach NiemcS zu-
rückzogcn, Der Verlust dcr Preußen durch den
Angriff EdelShcimS ist cnorm, Die sirategische
Opcration der österreichischen Armce ist »oll-
ständig erfolgreich, Dic beabflchtigte Vercini-
gung des Prinzen Friedrich Karl mit der schle-
stschen Armee ist hintertrieben, Der Vcrlust
dcr Oesterreicher in den Kämpfen der letzten
drei Tage wird aunähernd auf 2000 Todtc
und Verwundete geschätzl; der der Prcußen be-
trägt mindestcns eben so viel,

Ascb, 29,Juni, Die Bayern rük-
ken nach Sachsen vor,

Koburg, 29, Juni, AbendS, MittwochS
wurden dic Hannoveraner von den Preußen
hartnäckig augegriffen, Dic Prenßeu hatten
starkcn Vcrlust, Dic Gesahr ist jcdoch noch nicht
bcsciligt, da die fcindlichc Ucbermacht sehr groß
ist (man spricht von 50,000 Preußen.)

Paris, 29, Juni, Abends, „Die „France"
demenlirt das Gcrücht von der Aufhebung^deS
LagerS von Chalons,

Brescia, 29, Juni, Garibaldi bcfindet
stch gcgcnwärtig an den Usern dkS Jdro-SeeS
oberhalb deS Garda-Secs, — Dic Oesterrcicher
stnd hcute im Thal Lamoncia bls Vezzia vor-
gerückt,

Frankfurt, 30, Zuni, DaS dritte großh,
hcsstsche Jnsauterie-Rcgiment rücktc gcstern von
Mainz auf Bingcn vor und vertrieb die da-
jelbst vorg-fundcncn Prciißeii, Ein verwun-
dctcr Preuße gericth in die Gefaiigcnschaft,

1 Heidelberg, 36. Jilni. Ani 2. Juli BoimillagS
(!^3 Ofstciere, ötö Maim, 333 Pfeide) hier einlreffen

Kiirlenbericht.

Frankfurt, 28. Juni. Die Börse war beute an-
fänglich NwaS ^au.^da ^ne^Depesche der^ ^Poslzciiuiig'

" 1^2er Boirds wurden Mil^66 V.—!/«—!/, bezahll.

45V« —46'/., nene engl. Mekatl. 52, öo/„ 44'/-,
4i/,och 36 , Bankactien 624, Creditactien 16t—123

—122, 1866-r Loosc S7—56—56°/«, 1864er 56 Vr,
1839-r 4S^E-r SS, ^

Nach der B 0 rse (2 Uhr) kein tzleschäft.

matt. Oesterr. Creditaclien^llS —118. 1866er^Loosi
561/.—55°/re bez. Amerrkaner ohne Geschäfl.
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