Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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RL 2SS. Donnerstag. 2«. Dezember »-»1ZWrLL''L!L'''''' 18««.

* Politifche Unrscl au.

Heidelberg, 19. December.

* Durch auslandische BlLtter, msbesondere
die „Jndepeud. bclge" ersahren wir über die
Verfassnng deS norddeutschen Bundes außer
bereits Mitgctheiltcm noch Folgendes: „Es wird
dieser Bund durch eine aus 3 Elementen zu-
sammengesetzte Centralgewalt repräscntirt, näm-
lich: die vollziehende Gewalt, die Preußcn
allein zusteht, den Bundesrath, bestehend aus
den Vertretern der Bundesrcgierungen, und
das auS directen Wahlen hervorgegangcne, die
Nation und das einhcitliche Princip vertretende
Parlament. Der vollziehcnden Gewalt ist na-
mcntlich ein sehr ausgedehnter Wirkungskreis
zugetheilt. Außer dem Oberberehle über die
Armee und Marine erhält Preußen die sreiere
Verfügung zu Gunsten des Bundes über ein
separateS, den Einnahmen des Zollvereins
zu enthebendes Budget. Der Bundesvertrag
umfaßt die Acmee und Marine, die Zoll- und
Handelsangelegenheiten, die Post und Telegra-
phen, die Consnlarvertretung und andere Ad-
ministrationszweige. Jeder dicser Zweige hat
sein eigenes Budget, zu melchem die Bundes-
staaten nach Maßgabe ihrer Bevölkerung bei-
steuern. Das definitive Parlamcnt, welches
dem provisorischen zur Genehmigung der Ver-
fassung folgen wird, soll nur berathcnde
Stimme haben. Jm Bundesrath wird nicht
Einstimmigkeit für die Beschlüsse verlangt. Das
leidige Veto der alten Bundesverfassung, was
jedem einzelnen Staate zustand, ist beseitigt.
Die Staalen sollen nach Curien stimmen, in
der Wcise, daß sich die Stimmen nach der Be-
deutung der einzelnen Staaten gruppiren..

Die preußische Regierung hat, wie die „Pro-
vinzialcorrespondenz" meldet, durch Verordnung
vom 10. v. M. die Vernichtung der verzins-
lichen zum hannöver'schen Landesvermögen ge-
hörigen Werthpapiere im Belause von über 19
Millionen verfügt, welche kurz vor der Occu-
pation Hannovers aus den dortigen Kassen
nebst einem Baarvermögen von 1,700,000 Thlr.
nach England geschafft worden sind. Jnsoweit
es sich um Papicre handelt, welche nicht im
ehemaligen Königreich Haunover ausgestellt und
zahlbar sind, soll das gewöhuliche Amortisa-
tionsverfahren eingeleitet werden. Außer den
erwähnten Papieren ist noch eine beträchtliche
Summe in Effecten gleichzeitig außer Landes
geschafft worden, welche für Darlehen auS der
Staatskasse zur Sicherheit von den Schuldnern
deponirt worden waren. Diese konnten als
fremdes Eigenthum nicht amortisirt werden, in
Betreff ihrer ist dahcr nur die von dem Civil-

Schwurgerichtsverhandlungen.

Mannheim, 1b. Dec. In drr verfloffenen Nacht,
nach 2 Ubr, ging die seit vorgestern frühe wäh-
rende Verhandlung der Anklagesache gegen Andreas
Ducherer, Larl Ducherer^ Laspar Honeck von Min-
golsheim, Friedrich Stassen von Rinklingen und
Lharlotte und Laura Ducherer von MingolSheim
vor hiefigem Sckwurgerichte zu Dnde. Die vier
Ersteren waren der Münzfälschung, die 2 andern
des Ausgebens falschen Geldes tm Etnverständniß
mit dem Fälscher beschuldigt. DaS erhobene Ma-
tertal war ein außerordentltch umfangreiches, und

urtheilung deS AndreaS Ducherer und Caspar Ho--
neck wegen Münzfälschung; ersterer erhtelt 3 Aahre
Zuchthaus, letzterer 2 Aahre Arbeitshaus; die 4
andern Angeklagten wurden freigesprochen. AlS
Vorfitzender fungtrte Gr. KreiSgerichtSrath Ntcolai,
als Staatsanwalt Hr. Dr. RegrnSburger von Hei»
delberg und nach deffen im Laufe deS gestrigen
TageS eingetretener Verhinderung, Herr StaatS-
anwalt v. Neubronn von hter.

commissarius verfügte Einstellung der Zinscn-
und Kapitalzahlungen bestätigt worden, soweit
diese Effecten im vormaligen Königrcich Han-
uover zahlbar sind.

Die „Natione" versichert, der Kaiser Napo-
lcou habe den König Victor Emanuel und
dessen Regierung weg'en der in seiner Thron-
rede auSgesprochenen versöhnlichen Politik be-
glückwünscht. -

Der Pariser „Moniteur" vom 18. zeigt an,
daß der kaiserliche Hof nach Paris zurückgekehrt
ist. — Der „Moniteur" veröffentlicht ferner
den zwischen Frankreich und Jtalien wegen Re-
gulirung der päpstlichen Schuld abgeschlosscnen
Vertrag. Der auf Jtalien entfallende Antheil
der Schuld beträgt 13^/z Millionen Rente.
Jtalien bezahlt am 15. März die drei letzten
Semester mit 2(?/g Millionen in Silber. Der
verbleibende Rest wird in italienische Rente
nmgetauscht.

Deutschr^nd.

Karlsruhe, 18. Dec. Seine Königl. Hoh.
der Großherzog haben Sich gnädigst be-
wogen gefunden: die Functionen als Vorstand
des neuerrichteten Telegraphenamtes Karlsruhe
dem Telegrapheninspector Friedrich Schwerd
bei der Direction der Ver kehrsanstalten, neben
seinem dermaligen Dienst, zu übertragen; den
Professor Dr. de Bary an der Universität
Freiburg auf sein unterthänigstes Ansuchen auf
Ostern künftigen Jahres aus dem Staatsdienst
zu entlassen.

: sj: Karlsruhe, 17. Dec. Wir wollen
zur beffern Beurtheilung der von Preußen be-
absichtigten uud Ven Staaten dcs deutschen Zoll-
vcreinS vorgcschlagenen Maßreg-l »uf Abjchnf-
sung deS überall in Deuljchland bcstehcnden
Salzmonopols nvch einige weitcre thatsächliche
Anhaltspunkte zu unserem gestrigen Berichte
anfnhren.

Der vom Finanzminister im Prenßischen Ab-
georhnctenhauS am 13. d. M. cingebrachie Ge-
jetzcntwurf, die Anfhebnng dcs L-alzmonopols
betrestend, wnrde von den liberalen Mitglicdcrn
fehr gnnstig und mit lautcm Bravoruf anfge-
nommcn. Denn er ist gegenüber dcm bestehen-
ben Zustand in der That cine vvlkSthümliche
Maßregcl, die libcralerfeits längst in Preußcn
angestrebt wurde. Nach ber zur Zeit bestchcn-
den Steuer anf Salz, wclche in Preußen in
Form eineS Monopols erhobcn wird, komml
dcr Zollcentncr Salz dort ans s fl. 33 bis
38 kr. zu stehen, d. i. in dcr That höhcr als
fast überall in Dentschland. Jn Württem-
berg steht derselbe zu 4 fl. 24 kr., ebenso im

sctn, aber die erfchreckcnde Häufigkcit deS FallcS tst
cinc Thatsache.

' Weihnachtsbücher jür die Zugend.

(Aus dem Verlage von B. G. Teubner in Leipzig.)

Seschichte d. Griechen u. Nömer in Siographien.

Für Schulen und die reifcre Augend. Von

H. W. Stoll. 2 Bände. 8.

I. Band: DieHeldenGriechenlands imKrieg

und Frieden. Mit 1 Stahlstich. Ge-
bunden 1 Thlr. 18 Ngr.

II. Band: Die Helden Roms im Krieg und

Frieden. Mit 1 Stahlstich. Gebun-
den 1 Thlr. 25 Ngr.

Es ist eine bewährte pädagogische Erfahrung, daß
die biographische Darstellung der Geschtchtc daS An»
tereffe und die Aufmerksamkeit der Augend am met-
sten zu feffeln im Stande tst. Und gewiß eignet fich
keine Periode dazu mehr, alS die deS clasfischen

Königreich Sachsen, im Großherzogthum Heffen
zu 4 fl. 54 kr. bis 5 sl., in Baiern durchschnitt-
lich ebcnso hoch. Jm Vergleich zu diesen Staa-
ten befinden wir uns in Baden in einem gün-
stigern Verhältniß, da der Centner bei uns im
Großen, wic bereits angcgeben, nur auf 4 fl.
10 kr. zu stehen kommt. Nur die Hanfestädte
Hamburg und Bremen sind noch beffer daran,
und haben überhaupt die niedersten Salzpreise
in ganz Deutschland, nämlich 3 fl. 4 kr. bis
herab zu 1 fl. 14 kr. per Zollcentner.

Der dem Abgeordnetenhaus in Berlin vor-
gelegte Gesetzcntwurf bezweckt nun, die Regie-
rung zu ermächtigen, alles Salzmonopol des
Staates aufzuhebcn und dafür eine Verbrauchs-
steuer auf Salz zu erhcben, die sowohl den
inländischen Producenten, als auch den Jmpor-
teurs von Salz gegcnüber zwei Thaler pro
Centner betragen soll. Nimmt man nun an,
daß in Deutschland durchschnittlich die Produc-
tionssteuer, also die in Form des staatlichen
Monopols erhobene Stcuer daS drei- bis vier-
fache der Productionskosten ausmacht, so wer-
den nach der vorgeschlagcnen neuen Bestim-
mungsart in Preußen selbst immerhin mäßigere
Salzpreise erzielt werden; dagegen würdcn die
meiften übrigen Vereinsstaaten mehr oder min-
der erhöhte Salzsteuern zu erwarten haben,
was bezüglich eines so allgemcinen und unent-
behrlichen LcbcnsmittelS überhaupt, hinsichtlich
dcr landwirthschaftlichen und industriellen Jn-
tereffen insbesondere, zu bcklagen wäre.

Es erklärt sich hierauS das Bedenken und die
geringe Geneigtheit namentlich der süddeutschen
Staaten, anf die von Preußen vorgeschlagene all-
gemeinc und glcichförmige Besteuerung des Salz-
verbranchs in Deutschland einzugehen. Dazu
kommt, daß der Salzverbrauch im Süden, insbe-
sondere aber in Baden, wie nachgewiesen ist, ein
stärkcrer ist als durchschnittlich im Norden.
Auch in dieser Beziehung nimmt nämlich ge»
rade unscr Land eine hervorragende Stellung
ein. Bci uns kommt nämlich auf den Kopf
ein Salzverbrauch von ungefähr 23 Pfund,
während auf den Grund officieüer Angaben
die Kochsalzconsumtion im übrigen Deutschland
durchschnittlich zu 16 bis 18 Pfund auf den
Kopf berechnet wird. Wenn nach Liebig der
Verbrauch von Seife ein Gradmcffer für den
Wohlstand eines Landes und die Wohlhäbigkeit
feiner Bewohner ist, so darf der Salzverbrauch
in dieser Beziehung noch weit mehr dafür gelten.

Zndeffen fanden bei Einführung einer ge-
meinschaftlichen Besteuerung des Rübenzuckers
analogc Verhältniffe statt; hoffen wir, daß es
gelingen wird, auch hier ein gerechtes und all-

AlterthumS, eben so reich an bedeutenden Ereig-
j nissen alS an großen Feldherrn und StaatSmän-
nern. Die vorliegenden Btographien, welche durch
Einleitungen und Ergänzungen ein zusammenhän-
gendes lebensvolles Bild der griechischen und rö-
miscben Geschichte bilden, schließen fich den früheren
Erzeugnissen deS rühmlichst bekannten VerfasserS eben-
bürtig an, und find zu einem sehr empfehlenswer-
then Festgeschenk für die Augend von 11—16 Jah-

ZigismunÄ Nüstig, der Krcmer Zteurrmann.
Ein neuer Robinson, nach Marriat. Mit
vielen Allustrationen. 11. Auflage. Lartonnirt
24 Ngr.

Lolumbus. Die Entdeckung Amerika^s für die
deutsche Augend erzählt von E. Goehring.
Mit 1l Stahlsttchen und 1 Karte. 3. Auflage.
Cartonnirt 1'/^ Thlr.

So groß das Verdienst ist, welcheS fich seiner Zeit
A. H. Lampe durch stinen in unzähligen Exem-
plaren verbreiteten Robtnson und seine „Ent-
deckung von Amerika" erworben hat, so paßt
doch die ganze Anlage der Bücher nichr mchr für
unsrre Zeit. Das Buch von Goehring „EolumbuS
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