Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Utidtlbkrgtr Ztilmui.

Rl- 266. Lonnkag, 11 November


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* Politische Umschau.

Heidelberg, 10. November.

Der „Karlsr. Ztq." wird aus Berlin vom
7. Novbr. geschrieben: Die neuerdings in den
badischen Kammcrn und in cinem großcn Theil
der süddeutschen Presse laut gewordenen Stim-
mcn, welche einer innigenVerbindung zwischen dem
deutschen Südcn und dem deutschen Norden das
Wort reden, finden bcachteuswerthen Anzeichcn
nach auch in den hiesigen maßgebendcn Krciscn
einen lebhaften Anklang. Mit Unrecht sind
Artikel eineS hiesigen Blattcs, welche diesen Ei-
nigungswünschen abweisend entgegentraten, als
vfficiöse AuSlassungcn angesehcn worben. Abcr
dennoch ist es bemerkenswerth, daß die „Nordd.
Allg. Ztg." — das bekannle Bismarck'sche Or-
gan — von den Bcstrebungen derjenigen Parlei
in Süddeutschland. welche zu einer Berathung
über die gegenwärtige politische Aufgabe der
Vier süddcutschen Staaten auf nächshen Sonn-
tag nach Stuttgart einladet, ausführliche Notiz
nimmt, und den Absichten derselben nicht nur
nicht eutgegentritt, diesclben vielmehr im All-
gemeinen billigt. Gedachtes Blatt äußert dar-
über: „Wir können dem von den genannten
Herren in diesem Aufrufe aufgestellten Ziele
ihres ZusammenwirkenS, nämlich einer „auf
freiheitlichen Grundlagen beruhenden und durch
dic volle Wchrkraft des Volkes gcschützten Ver-
einiguug der Südstaaten Behufs Wahrung ihrer
staatlichen Existenz" , um so weniger unsere
Anerkeunung versagen, als dafielbe vollkommen
der Aufgabc entspricht, welche dcn Südstaaten
in dem von Prcußen zu Prag stipulirten Frie-
den§ -'rtrage gestellt ist. Ueberrascht aber mnsfen
Mr scin, we„n die Unterzeichncr zuglcich jcne
preußische Politik, wrlche ihnen gerade die Frci-
heit einer den südstaatlichen Jnteressen entipre-
chenden selbßständsgen Gestaltung ermöglicht
hat, mit Vorwürfen übcrhäufen. Jmmerhin
ist eine vorlänfigc ^Zerreißung" Deutschlands,
welche den einzelncn Theilen die freie Wah-
rung ihrer Jnteressen gestattet, einer Vereini-
gung, wie die bishcrige, vorzuziehcn, deren
Wcsen in einer wechsclieitigen Hemmung und
Bcciiiträchtigung dieser Jnteressen bestand. Auf
alle Fälle ift die Behauptung der Unterzeichncr,
daß „allc Vaterlandsfreunde von bitterem Kum-
mer" über die neue Wendung der Dinge er-
griffen seien, augenschcinlich ebenso ungerecht-
fcrtigt, als daß die preußische Negicrüug, welche
sich ausdrücklich, auch für das gcgenwärtige
Verhältniß, die Anknüpfung von im nationalen
Jntcresie gebotcnen Beziehungen zu dem Snden
vorbehalten, denselben „zurückstoße". Ob die

Unterzeichner nicht zu einem von den Ereig-
nisien längst überholtcn Standpunkte zurück-
greifen, weun sie ausschließlich in der Reichs-
verfassung von 1849 die unveränderliche BasiS
für die Einigung Deutschlands erblickcn, das
möge dem Erfolge ihrcr desfallsigen Bemühun-
gen zu erweisen überlassen scin."

Die „Augsb. Adendztg." veröffentlicht aus
Anlaß ihrer Notiz über dje auf den 11. No-
vembcr verabredete Zusammenkunft in Stutt-
gart nachstchende Erklärung des Hrn. Prof.
Pözl: „Jch bin zu der Versammlung einge-
laden und habe im Ganzen mich mit der Er-
klärung, welche der Einladung vorausgeschickt
ist, einverstanden erklärt. Jhre Bemerkung,
daß ich an der Versammlung Theil nehmen
werde, ist jedenfalls verfrüht. So wie ich die
Dinge-Heutc ansehe, glaube ich mich nicht be-
thciligen zu können."

Die Sitzung des am nächstcn Montag zu-
sammcntretenden preußischen Landtagö wird sich
nach der „Prov.-Corresp." nur auf das drin-
gendste beschränken, da die Berufung des „Nord-
deutschen Parlaments" nach Schluß desselben
in möglichst nahe Aussicht, uno zwar für die
erstcn Monate des nächsten Jahres zu neh-
. men sei.

Nach einem Telegramm der „Nhein. Ztg."
hat sich in Berlin ein Ccntralwahlcomite für
das Parlament des norddeutschen Bundes con-
stituirt. DaS Programm ist folgendes: 1)Ueber-
tragung der Regierungsgewalt an die Krone
Preußen für die Armee, Diplomatie, für Zoll-,
HandclS- und Vcrkehrsintercssen; 2) entschei-
dende Befugniß deS ParlamentS für das Budget
und für die Gesetzgebung; 3) allgemeines deut-
sches Bürgerrecht, Selbstverwaktung der Einzel- /
staaten.

Die Nachricht der „Leipz. Z.", daß Hrn. v.
Bcust am Ende der neuen Aera der Posten
eincs auswärtigen MinisterS in Preußen an-
geboten worden sei, ist der „Bankztg." zufolge
falsch.

Die „Nordd. Allgem. Ztg." bringt einen
drohenden Artikel gegen Oesterreich wegen der
Ernennung Goluchowöki's zum Statthalter von
Galizien.

Ein Theil der in Preußen verbliebenen Un-
garn der aufgclösten Klapka'schen Legion hat
sich zu den ncucn Husarenregimentern gemeldet
uud ist angenommen worden.

Das officiöse „Wiener Journal" bezeichnet
die Mitthcilung der Blätter, Graf Rcvel sei
zum Vertreter Jtaliens am kaiscrlichen Hofe
in Wien bestimmt, als jedenfallS verfrüdt.

Nach der „Perseveranza" sind die trientiner

Wahlen zum tyroler Landtage sämmtlich der
italicnischen Nationalpartei günstig ausgefallen
und die Abgeordneten hättcn beschlossen, den
deutschen Landtag nicht zu beschickcn.

Wie daS „Journ.de St. PeterSbourg" mel-
det, hat am 5. d. M. der österreichische Ge-
sandte Graf Nevertera dem Großfürsten-
Throufolger cin Handschreiben des Kaisers
Franz Joseph' ncbst dem Stephansorden über-
reicht.

Die „Patrie" beruhigt über die russische
Rekrutenaushebung. Nach den ihr zugegange-
nen Aufklärungen soll es sich nur um die Aus-
füllung der in ven Jahren 1864 und 1865
entstandencn Lücken und die Bedürfnisie des
inneren DiensteS handeln, ohne daß die jüngst
beschlosicnen Sparsamkeitsmaßregeln eine Be-
einträchtigung erleidcn würdcn.

Der „Moniteur" widexlcgt die Nachricht von
einer Kricgserklärung Frankreichs gegen Korea;
der Admiral sei nur zur Juformation abgesandt.

Der Aufstand in Antitaurus ist unterdrückt.

Deutschland.

Karlsruhe, 9. Nov. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben Sich gnädigst be-
wogen gcfundcn, dem außerordentlichen Ge-
sandten und bevollmächtigten Minister am kö-
niglich bayrischen Hofe, Geheimen Rath von
Mohl, die unterthänigst nachgesuchte Erlaub-
niß zu erthcilen, die ihm von Sr. Durchlaucht
dem rcgierenden Fürsten von Waldeck verliehene
Waldeck'sche Verdienstmedaille anuehmen und
tragen zu dürsen; ferner dcn als Hospitalcom-
missär zum Aufnahmshospital befehligten Kriegs-
eonkrokeur Fischer in seine frühere Stellung
zurücktreten zu lassen; den KreiScaisier Schmidt
in Freiburg zum GcncratftaatScassier zu er-
nennen; den KreiScassier Waag in Mannheim
zur Kreiskasie Freiburg zu versetzen; den Se-
cretariatSpraktikanten Ludwig Kirsch beim Fi-
nanzministerium zum Secretär bei dcr Zoll-
direction, den Cameralpraktikanten Joh. Baptist
Treukle von Freiburg zum Registrator bei
dcm GcnerallandeSarchiv zu crnennen; Höchst-
ihre Zustimmuug zu ertheilen-, daß Cameral-
praktikant Wilhelm Becker und Nevident Jo-
seph Anton Würth alö Rcvisoren bei dcm
katholischen Oberstiftuugsrath bestellt werden.

Pfarrverweser Jakob Korn von Hettingen-
beuern wurde auf die kathol. Pfarrei Jmpfin-
gen, Decanals Lauda, und Pfarrvcrw. Victor
Diemer auf die kathol. Pfarrei Grießheim,
Decanats Ncuenburg, ernannt.

Karlsruhe, 9. Nov. Das heute erschie-

si Heidelberg, 9. Nov. DaS von Hrn. Stepan
veranstaltete und vor einem ^ahlreichen Auditorium
im großrn Saale deS MuseumS gestern stattgehabte
Loncert entiprach, wte vorauszusehen war, den ge-

wurde in allen seinen einzelnen Theilen von den
Vortragenden, die untrr die ersten Künstler der
Mannheimer Hofbühne gebören, mit einer Vollen-

besonderS war dieS bei den in der zweiten Adthri-
lung von den Damen Frau MichaeliS-NimbS
und Frau Wlczek vorgetragenen Liedern der Fall,
und batten beide Damen die Freundlichkeit, daS
Publikum mit einem und dem andern in das Pro-
gramm eingeschobenen Lied zu entzücken. Eine,
den grsanglichen Theil deS ConcertS in angrneh-
mer Weife untA-brechende AbwechSlung wurde unS
durch Fräul. Kläger, rbenfalls vom Hoftheater
in Mannheim, zu Theil. wrlche fich dur» drn
reizenden Vortrag zweier Gedichte den lebbaftrsten
Beifall zu erwerben wußte. Daß anch die mitwir-
kenden Herren ihre Aufgabe auf's Würdigste lösten,

tung hingeben, bald wirder mit einem gleichen
Kunstgenuß erfrrut zu wcrden.

(Die krumme Eisenbahn.) In etnem ame-
rikanischen Aournal lesen wir, vaß kürzlich in rtner

zu seinem Entsetzen ein Licht bemerkte, wclches,
wie er glaubte, sick auf dem Gleise befand. Er
gab sogleich das Alarmfignal. Die Wagen wurden
gebremst, der Zug stand, das räthselhaftr Licht
blieb rbenfallS stehen, und drr Locomotivführer
bemerkte nun zu seiner großen HerzenSerlrichterung,
daß eS die Signal-Laternrn an dem letzten Wagen
seineS eigenen ZugrS waren, die in Folge der un-
geheuren Eurve, welche die Bahn an diesrr Strlle
beschrieb, vor ihm z»m Vorschrtn kamen. — Dte
Geschichte erinnert lebhaft an die gleich wahrhrits- !

getreue von dem Amerikaner, der ein so schnelleS
Pfrrd besaß, daß er einmal, alS er um etnen rin-
zeln stehenden runden Thurm herumjagte, brinahe
fich selbst eingeholt hätte — wenigstenS seinen Rücken
sah er schon. Es tst dtrS übrigenS dass. lbe Pferd,
mit drm sein Hrrr ein andereS M/»l so schnell nach
Hausr ritt. daß srin Schatten erst anderthalb Mi-

Der Dürkheimer Polizeicommiffär Schaufert hat
an den König Ludwig I. auS Anlaß deffen 81. Ge-
burtStageS etn Gedicht gerichtet und dafür des Kö-
nrgS Brustbild in Gold mit drr Inschrift: „Slereoti"
nebst folgendem allerhöchsten Handschreiben Sr. Ma-
jrstät erhalten: „Herr Polizeicommissär Schaufrrt!
In Ihrem Sckretben vom 14. v. M habe ich auch
das Gedickt erhalten, das fie auS Anlaß meineS
81. Grburtstages mir widmcten. Ich habe eS ge-
lrsen, und Ihre Frage bejahenv brantwortrnd, er»
widere ick Ihnen, daß eS den Weg zu meinem
Hrrzen fand. Tine auSgezeicknete Dichtergabe be-
fitzrn Sie. Ihre Anhänglichkeit ist mir um so wer-
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