Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Ukidtlbtrger Zritung.

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Dmmcrstag, 13 Dczembcr ^'"^^7^^!.'!!».?'"''

" Politiscke Umscbou.

Heidelberg, 12. December.

Die „Darmst. Ztg." widerlegt in einem offi-
ciösen Artikcl die Beschuldigung der preußischen
ministeriellen^ Prefie, daß von allen Regierun-
gen deS norddeutschcn BundeS die hessijche sich
am säumigsten in der Ernennung eincS Com-
mifiärS zu den VerfafiungSverbandlungen ge-
zeigt habe.

Die Nachricht. eS habe von den erst kürzlich
in preußische Dienste übergetretenen vormalS
kurhessischen Officieren „bereitS eine große An-
zahl ihre Pensionirnng nachgcsucht und auch
erhalten", wird von der „Kafi. Ztg." als durch-
aus falsch bezeichNet.

.Ciner Nachricht aus Leipzig vom 9. Decbr.
zufolge, hat der Ausschuß des deutschrn Abge-
ordnetcntages, der dort tagte, bcschlofien, vor
dem Beginnc des norddeutschen ReichStageS cine
Zusammenkunft in Berlin zu halten.

Wie bayrische Blätter mittheilen, beabsichttgt
Hr. v. d. Pfordten unmittclbar nach Zurück-
kunft deS Königs um eine Audienz zu bitten,
und, falls die Absicht eincS MinisterwechselS
vorläge, um seine Cntlassung zu bitten.

Ein Gutachten deS Göttinger Profefforen
Zachariä über die rechtliche Natur der Ka-
pitulation von Langensalza erklärt die preuß.'
Regierung für nicht berechtigt, den hannover-
schen Ofsicieren die Alternative zu stellen, ent-
wcder in ben preußischen activen Dienst über«
zutreten oder ihrer Pensionirung gewärtig zu
sein, er vindicirt Officieren oder Unterofftcieren
das Recht, ihre Competcnzen auch übcr den 1.
Jqnuar hinaus zu vcrlangen und eventuell ge-
gen den FiScuS bei hiesigem Obergerichtc klag-
bar zu werdcn.

Die „TimeS" will von ernsten Uneinigkeiten
im preußischen Cabinet wifien. — Die „Liberte"
meldet auS Biarritz, daß man daselbst den
Grafen BiSmarck erwarte. (Die Bestätigung
vorstehender Nachrichtcn bleibt abzuwarten.)

Die „Nazione" stellt die Nachricht, daß vier
französische Compagnien biS Cnde December
in Rom bleiben werden, in Abrede. Dafielbe
Blatt versichert. daß in dem am 15. December
abzuhaltenden Consistorium der Papst eine wich-
tige Allocution halten werde.

Die heroische That der in einem Kloster be-
lagerten Candioten, welche angcblich das Pul-
vermagäzin in dic Luft sprengten, crweist sich
als Fabel. Dcr sranzösische Contreadmiral
Simon meldct einfach, die Türken hätten das
Kloster mit Sturm genommen und dabei sei
eine Mine explodirt, aber nur wenige Leute

(Schwindel.) Berliner Blättrr thetlrn auS j

trugrS mit: Vor rtwa 3 Wochen brfand fich in drm
Intelligenzblatte ein Inserat, wonach ein Insprctor
für daS Gut eineS Grafrn itt der Rähr von Prag
gesucht wurde. Don drn virlen Bewerbern, wrlche
fich bei dcm zur Zeit in drr Linienstraße wohnen-
den angeblichen Derwalter deS GutrS, von dem daS
Znserat auSgegangrn war, mrldeten, erhielt ein
DerfichrrungS-Agent, NamrnS Olbrich, den Dor-
zug, und wurdr vor 14 Tagen dem Grafrn von
Ezembek selbst, welcher auf einer Reise nach Ham-
burg Berlin pasfirte, vorgrstellt. Nachdem rr einige
schriftliche Aufsätze zur Probe seinrr LeistungSfähig-

Zufriedenheit drS Grafen auSgefallrn waren, rr-
hielt er schriftlich seine Bestallung, und eS wurde
feine Abreise von hier nach drm Gute auf drn
12. Rovember frstgesetzt. Der mtt drr Etrllung
vrrbundene Gehalt war so brträchtltch, daß der
überglückliche Agrnt von den Gefühlen deS DankeS
grgen den Derwalter ganz durchdrungea war. Er
lteß fiL von setnen Vltern aus Schlefien etwa
10V Thlr. kommen, costümirte fich setnrr nruen

getödtet worden. Die Frauen und Kinder,
welche in Gefangenschaft geriethen. wurden den
europäischen Consuln übergcben.

D e u r s ch l a n d.

KarlSrube. 11. Dec. S«. Itönigliche Hohril der
G^oßberzvg baben bcwR^istraior Schron bei dem

Nrawr Kail Glsrndul dabier z»,n Regiftralor bcim
Oberhofgkrichl. den Sregisrralur§tbllsen W>lh. Zamm
;um Re^l^.u^

Karlsruke, 11. Dec. Zur richtigen Br-
nützung der sog. Postanweisungen, welche vom
1. Januar k. Z. an eingeführt werden, bringl
heute die „KarlSr. Ztg." eine Gebrauchsan-
weisung, der wir daS Wesentlichste entnehmen.
Wie bereits mitgetheilt, beträgt die Gebübr für
die Baareinzahlungen biS 100 fl. ohne Unter-
schied der Entfernungen 6 kr. Der Absender
erhält das Formular der Postanweisung uncnt-
geltlich, trägt auf demselbcn die Adrefie deS
EmpfängerS und dcn Gcldbetrag der Einzah-
lung ein. Die Postanweisungen werden, uu
porteur lautend, mit der Briefpost defördert
und vom Briefträger dem Adrefiaten inS HauS
gebracht werdcn, welch' Letzterer den betreffen-
den Betrag innerhalb 14 Tagen bei der Post-
station seineS WohnortS zu erheben hat. Der
Postanweisung beigesiigt ist ein Coupon, auf
welchcm der Absender einige kurzc Mittheilun-
gen an dcn Empsänger ln Beziehung auf die
Zahlung verzeichnen d'arf. Diesen Coupon
darf der Adressat abtrennen, um ihn als Be-
legstück zurückzubehalten; der Absendcr crhält
auf Erfordern von der Post bei der Aufgabe
cinen EinlieferungSjchein, und zwar uncnt-
geltlich.

Jn einem zwetten Artikel theilt die „KarlSr.
Ztg." mit, daß zur Hebung deS GüterverkehrS
auf der Eisenbahnstrcckc Heidelberg-Würzburg
die großh. Eisenbahnverwaltung mit der Ver-
waltung der bayrischen StaatSbahn zu Mün-
chen einen Vertrag zur Regelung deS Äechsel-
verkehrs auf den beiderseittgen Linien abge-
schlofien hat. Die Tarife und soweit thunlich
eine dirccte Cartirung über Würzburg sind für
den Wechselverkehr festgestellt und befinden sich
in Verhandlung noch die Tarife rc. für den
auf der Strecke Heidelberg - Würzburg transi-
tirenden Verkchr von Nord- und Mittclbayern
nach dcr linkSrheinischen Pfalz, nach Saar-
brücken und nach dem Nicderrhein, ferner von

kennung seineS DankeS dem Herrn Drrwalter ein
ansehnltchrS Gcschenk überreicht hatte, nach dem
Gute ab. Dort angrkommrn, erfährt er aber zu
seinem Schrecken, daß kein Gut daselbst rristtre,
daS dem Grafen von Lzembek gehört, also auch
kein Inspector für dasselbe gebraucht wird. DaS
Ganze war das Werk zweier Gauner gewesen, welche
dte Dankbarkeit deS Agenten zum Zwecke drr Spe-
culation gemacht hatten.

(Etne traurige Lpifode) auS dem Schiff-
bruche deS „Evening Star" berichtet der „Lourier
drr Dereinigten Staaten". Einer der Gerettrten,
Hr. HarriS, erzählt tn diesem Blatte: „Während
wir unS tn die Boote einschifften, klammerte fich
rine junge Kranzöstn von ungefähr 18 Iahren an
den Bord und htelt fich krampfhaft mrhrere Etun-
den an demsrlben fest. Dretmal verließen fie die
Kräfte, doch crfaßte fie jedeSmal wieder den Rand
drS BooteS. AlS fie jedoch daS vierte Mal loSließ,
war fie zu schwach, den Bord wirdrr zu gewinnen,
und verschwand in den Wellen. Wir waren srlbst
zu schwach, ihr Beistand letsten zu können. Alle

Sachsen und Bayern nach Baden und der
Schweiz. Dic Beförderung auf der neuen
Bahn für diese VerkehrSrichtungen ift eine
schnellere und billigere alS auf den Bahnen,
welche gegenwärtig dcn Verkehr zwischen Würz-
burg und Mannheim vermitteln.

Stuttgart, 9. Dec. Die hiesigen Mit-
glieder dcS Landescomite'S der deutschen Partei
haben an dcn geschaftSlcitendcn AuSschuß deS
Centralcomitc'S für daS norddeutsche Parla-
ment in Bcrlin ein Schreiben gerichtet. in
welchem sic diesem für die bevorstehenden Wah-
lcn den besten Erfolg wünschen. Zugleich er-
klären sie, daß sie die Beseitigung der zwischen
Nord und Süd in Deutschland noch bestehen-
den Sckranken als dic Aufgabe der Patrioten
dieS- und jenseitS ansehen, und daß sie ihre
darauf gerichteten Bestrebungen fortsetzen.

München, 10. Decbr. So eben ist Se.
Maj. der König von seiner Reise zurückgckehrt,
und hat unter dem Jubel der Bevölkerung sei-
nen Einzng durch die illuminirten Straßen der
Hauptstadt gehalten.

Leipzig, 4. Dccbr. Jn der gestrigen Ver-
sammlung der National-Liberalen unter dem
Vorsitz deS Stadtverordneten Dr. Joseph wurde
folgende Eingabe an die 2. Kammer unterzeich-
net: „Die Unterzeichneten, durchdrungen von
de»n hcißen Wunsche, eö mogc unsercm cngeren
Vaterlande Sachscn in seiner vielfachen harten
Bedrängniß neben dem äußeren auch der innere
Friede wieder zurückgegeben werdcn, haben mit
Schmerz und Bcdauern den Beschluß der 2.
Kammer vom 16. Novbr. d. I. vernommcn,
durch wclchen daS einzige Mittel. diesen Frie-
den zu sichern, die Einbcrnfung einer vcrfas-
suikjiSmäßigctt VolkSvertretung nach dem Wahl-
gcsetz von 1848, ohne irgendwelche auch nnr
entfcrnt überzeugende Begründung verweigert
wurdc. Sie fühlen sich gedrungen, gegenüber
der jctzt tagenden Ständcversammlung ihr voll-
kommcneS Einverstandniß mit dem in jener
Sitzung abgclchnten Antrage* von Mammen,
Eisenstuck und Genofien auözusprechcn und
dleselbc dringend zu bitten, haß diese crnste
LebenSfrage nochmalS bei Behandlung deS
Koch'schen Antrags eingchendcr berathen und
so entschieden werde, daß daS schwergekränkte
RechtSbewußtsein deS VolkeS endlich cine
Befriedigung erhalte." (AehnlicheS beschloß dcr
Chemnitzer FortschrittSverein.) Weiter nahm die
Versammlung folgendeS Programm für die Par-
lamentswahlen an: „Wir wollen einen festge-
fügten, kraftvollen Bundesstaat unter einhcit-
licher Führung. Diese Führung muß ganz und
ungetheilt d'er Regierung des weitauS größtcn

der Schlagwellen rrwehrrn, und daS Seewaffer
machte unsere Wunden noch stärker brennen." Zehn
Männer waren in dem Boote und von allrn zehn
hatte nicht Etnrr den Muth, ein armeS Kind auS
den Wrllen zu reißen. So sehr strigert dte Gefahr
den EgoiSmuS deS menschlichen HerzenS. Die junge
Dame war Kräulein du Möry, dte einzige Stütze
ihreS alten DattrS, zu drssen Unterstützung fie in
der Kerne rin Engagement annehmen wollte.

(Lnglisch.) Londoner Blätter erzählen fol-
gende Schnurre: Ein Herr sah vor einiger Zeit
auf etnem Dampfboote, daS die Themse htnabfuhr,
dem Arbeiten drr auf dem Derdeck befindlichen
M.aschine zu. Ein anderer Mann stellte fich nrben
thn hin, anschetnenb in derselben Abficht. Nach
eintgen Augenblickrn lirß fich an der andern Seite
der Maschine ein quirkendeS Geräusch hören. Der
Maschinist ergriff eine riefige Oelkanne, suchte fich
den trockrnen Klrck und ließ, um daS Quirken zu
verhindern, rine gehörige Portton Oel hineinlau-
fen. DaS Geräusch hörte auf, aber nur für einige
Zett, wo eS plötzlich, aber dieSmal an etnem an-
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