Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Sonntag, 8 Zuli


Bei den forttvädrend einlaufenden
bedeUtenden Bestellungen ist es uns
nicdtmehr möglich, vollständige Exem-
plare des neu begonnenen Quar-
talS zu liefern. Wir werden jedoch
Sorge tragen. daß neu eintretenden
Abonnenten die Zeitung wenigstens
von deute an complett zugestellt wird.

^ Die Einmifchung FrankreichS,
dic allc Einsichligcn von Anfang an als die
Frucht dieseS KricgcS gesürchlct haben, ist mit
wuudcrbarer Naschheit ringetrcten. Der Allianz
PrcußenS mit Jtalicn — sctzt Ocsterrcich dic
Allianz mit Frankrcich, dcm Erbfeind der deut-
schen Grcnzlande entgegen. Sollte der Graf
BiSmarck die FricdenSbcdingungen nicht ein-
gehen, die ihm Napoleon dictiren wird, so
haben wir dcn Krieg mit Frankreich vor un-
scrcr Tbüre. Als im Anfang dicseS unh.ilvol-
len ConflicteS die Frage der Einmischung.des
AuslandeS erörtert wurde, da waren alle Par-
teien. so wcit sie sonst aus einander gehen
mochten, in dem eincn Gedanken einig: in
dcm Momcnte, wo Frankreich unS mit Krieg
bedroht, werben die Kämpfenden sich die Hand
reichen und alle Deutsche gegen den auSwär-
tigen Feind ziehcn Wir fürchten, daß die
Zeit nicht mehr fcrn ist, die unS nöthigt, jencS
Bersprechen zur Wahrheit zu machen WenN
eincS den Kaiser 9kapolcon von d m Krieg,
dcn cr im Schilde führen mag, abhalten kann,
so ist cs die Ueberzcugnng, daß in dem
deutschcn Volk der auswärtige Feind
keine Allianz mchr findet.

* Politische Umfcbau.

Heidelberq, 7. Juli.

* (Zur Lagc.) An dem Unterliegen der
österrcichischen Armce waren orci Umstände
vorzngSwcise schuld: ihre Mindcrzahl, ihre
tadelnswcrthe Führung und die vcrnichtende
Gcwalt dcr preußischcn Zündnadelgewehre.
Dicser letztere Umstand, der biShcr in keincm
größeren Kriege erprobt war, ist namentlich
in keincr Weise zu nnterschätzen. Schon Gnftav
Adolph hatte seincn Schwcden im 30 jährigen
Kricge hauptsächlich dadnrch dcn Sieg vcrjchaffl,
daß er sie (im Vcrgleiche zu den kaiierlichcn
und andercn Truppcn) beffcr einexerciert nnd
ihncn beffere Feuerwaffcn verjchaffl hatte. Auch >

«ir frühcr kinlge Bctrachlnngkn übrr dir Stärke
dkS italtlnischkn Krstungsvtlr.ckS grbracht habrn,
schrint rS angczrigt, anch dir italirnischr» F.stungrn
grgrn Orstrrrrich annädrrnd ru brnrtdrilrn AlS
drr Haupiplatz drrsrlbrn rrschrint Piaccnza am
Ufrr k-rS Po, wrlchrS mit starkrn B festigungrn
nmgrdrn tst ,.nd in rinrm Krt'gk dir Aufgabr dat,
dir Ebknrn PirmontS zu schntzen. Dort drrrscht
grg nwäitig daS drwrgtrstr militärischr Lrbrn, so
daß tir Stadt ausschlirßlich von Soldatrn bewohnt
zu srin scheint. Was Errmona drtr'ffk, so brschlru-
N'gt man zwar drn Bau brr dortigrn Wcrk. auf
daS risrigstr, nnd wnrdrn „st wi.drr 10»0 Mann
von Piacrnza zum Krsiungöb'u dortbtn abgrg den,
für drn dkvorstrbrndrn K.ldzug wird j-doch tie
Brfrst'gnng drs Piatzrs nicht mrbr so writ gkdrihk",
daß Errmona rtwaS AntkklS alS rtnrn S'ützvunkt
tzirtr» könntr Bologna ist namrntltch wichtig w g> n
tzrS rirfigrn Arsrnals, w-lchrs fich ütz-r rinr F ächr
von mrdr alS 70 Quadratkilomrtrrn rrftrrckt unc-
nach italtenisch.n Angabrn alS unrinn hmbar g.1-
trn kann. Wie man firdt, dra»ch» man tzie Kraitr
ZtalirnS aicht zu uutrlfchätz n, um zu drhauprrn,

Friedrich der Große hälte im vorigen Jahr-
hundert der feindlichen Uebermacht nichl sieben
Jahrc,lang Stand halten können, weun er
seinen Truppen nichl die Kunst eineS wcil
schnelleren FeuernS beigebrachl häkle. Emen
ficbcnjährigen Krieg haben wir nnn in Demjch-
land bei dcr jctzigcn Arl der Kriegführung und
der Vervollkommnung aller Waffcn nichl mehr
zu fürchlen. Der bisher in Böhmen gesührle
hat kanm über sieben Tage gedauerl; in diesem
kurzen Zcilraume haben sich die gcwalligsten
und erschütterndstcn Ercignisse mil ungeheuren
Hekatombcn von Todlen und Verwunvelen zu-
sammengedrängt. Wenn die österreichischen
Trnppen das Unmögliche geleistet haben, wenn
sie bei mangclhafter Führung und Bcwaffnung
sast in allen Schlachtcn und Gcfechlen ansangs
selbst wider eine ihnen entgegknflehende Ueder-
macht siegreich warcn, wcnn felbst in der letz-
ten großcn Schlacht (bei Königgrätz) drki vor-
her so hart mitgenommene Armeecorps tüchlig
mitkänlpflen, so kann natürlich — wie dieö
vereilS jelbst in Frankreich rühmend anerkannt
wirb — anch von dem leiscsten Tadcl in Be-
zng anf die große Maffe ihres HcercS, dessen
nutzlose Aufopfcrung tief zu bedaucru ist, die
Nede scin. Vorwurf und Tadel ift wa^hrlich
nicht nach unten, sondern nur nach oden zu
richtcn. ES hat stch nun gezeigt, daß der üdcrall
fchlende Nachschub von eincr größeren Anzahl
von Trnppen nicht etwa nicht zur Stelle, jon-
dcrff überhaupt gar nicht vorhanden war,
und daß man in Wien die preußische Macht
sehr untcrichätzt hatlc, wenn man cine völlig
ungenügcnde Zahl von Truppen in Böhmen
poftirl hatre. Man sucht nun dort dcu bis-
herigen Mißständen dadurch abznhelfen, daß
man sich zu bem änßersten Mittel enkschlossen
hat, Venetien an Frankreich, rejp. JlaUen
hcrauszugeben, um die dort bcsindtiche
starke und siegrciche Armee im Norden deS
NcicheS vcrwcnden zu können. DieS ist die
neueste, große Nachricht, wclche allcnthalben
die größte Scnsation crregt hat. Zu glcicher
Zeit wird berichtet, daß Napoleon IH. vom
Wicner Cabinct angcgangen worden ist, nicht
nur mit Jlalicn, sondcrn auch mit Preußen
zunächst wegen einem Waffenst'.Ustande uud
sodanu dem cventuellen Frieden ;u unterhau-
deln. UebrigenS ist kaum anzunchmen. daß
diejcr Frieden mit Prenßen so bald zu Slanve
kounnen wirv. Oestcrreich hat seine biSher mit

so großen Opfern von Geld nnd Menschen in
Jtalien scstgchaltene Stcllung sicher nur des-
halb aufgegeben, um seine anderweitige Stel-
lung in Dentjchland, auf welche es den größ-
ten Werth legt, vm so fester und sichcrer zu
behaupten. Preußcn aber, desscn Truppen-
machl so große Vorthcile errnngen hat und
nun tief in Böhmen steht, wird gerade jctzt
am wenigsten aufgelegt sein, auf seine bckann-
ten großpreußischen Tendenzen, die ein HinauS-
drängen Ocsterreichs auS Deutschland in sich
schlicßcn, zu vcrzichten. Mit dcn von Oester-
reich ctwa gemachl werdenden Ancrbietungen
in Bezug aui SchleSwig-Holstein rc. wird sich
das Berlincr Cabinek jctzl schwcrlich begnügen,
und seldst cine moralische Prcssion Napoleons
(der nach Hcrausgabc VenetienS keinen Grund
mehr hat, gegen Ocsterreich irgend eine feind-
selige Gcsinnung zu hegen) dürfte nicht so leicht
im Stande scin, den König Wilhclm und Hrn.
v. BiSmarck cincS Anderen zu belehren. So
sehr zu wünfchcn wäre, daß dcr blutrge, opfer-
volle, verhecrende Bürgcrkrieg in Deutichland
jetzt schon scin Endc erreiche, oarf man in die-
scr Hinsicht dafür doch kcine sanguinifchcn Hoff-
nungen hegcn. DaS Mißlichste an dcr ganzen
Sache aber liegt darin, daß jeyt schon aus-
wärligcm, znmal napolconischem Einfluffe Mit-
tel und Wege an bie Hand gcgeben sind, sich
in bclicbiger Weise in die innercn Verhällnisse
Dcutschlands cinzumischen.

Die ^Patrie- sagt, die Grundlagen eineS
Waffcnslillstandes würden am 5. ermittelt und
solllcn keiner anderweitigen Frage präjudicircn.
Dic Annahme erscheine nichl zwcif.lhaft. Die
„Patrie" glaubt, daß Frankrcich unmittclbar
nach der Annahme England und Nnßland auf-
fordcrn wcrde, an dcn Bcmühungcn zum dcfi-
nitivcn FriedcnSabschlusse sich zu bclhciligcn.

U.ber die Ablrctung Veneticns und nver die
dem Kaiser Napolcon zugcdachle Vermiltlcrrolle
sagt die „Francc": „Wir schrieben gcstern in
der ganzen Besorgniß dcS PatriotiSmus:
„Großer Sieg lür Preußcn!" Heute schrciben
wir voll Glück: Unaehcnrer Sieg für die
Menschheit, für die Civilisalion, für Frank-
rcich!"

Jm „PayS" spricht Hr. Garnicr seine Ueber-
zcugung anS, daß Frankrcich nie einen glän-
zenderen Sicg davon getragcn hat, alS heule;
nie habe der frrnzösiiche Nationalstolz eine lcb-
haftcre Freude srfahren.

daß fis, tn Bktiig auf den Bcsitz fcstrr Platzc, fich

Ztalienrr" rine fortlanfcndr Linir vo» B'frstigun-
grn von tzrn G.dtrarn FriaulS biS Lvnato und
P'Schi.ra uud um drn Gardasec rntgrgrn, wobel

Brückrn find so günstig angrlegt, daß dir nrucrr
K-stungsk'inst on cirsrm furchldarrn W«rk allr idre
Kunst rrschövft »u dabrn schrint. D"S rrkennrn die
Ztaltrner so g't an. alS wir, und stützrn sjch darauf,
tzaß dir G'fchtckr ZtalirnS nicht vor di'frn Krstun--
grn. sonkern auf der Linie des Po und an den
Küstrn drS adrialischrn MrerrS rntschirden werden
sollen.

Man schreidt von München: Der AuSma'sch
der erstrn Brigadr Etrinl, glich rinrm VolkSfrste.
Vom Begiun drS MorgrnS an war drr B-ih"hof
mit Taus nden von M.nscheN desrtzt, dir thrilS drr
rtnzll".n Abtdrilungrn darrt n, tdeilS fir dtS dabtn
brglritrten. alS drm allgemrinrn S mmrlplatzr. !
Wohin daS Auge nur blickte, bot fich ein nrucS, !

ibrilS frodrS, theilS rüdrendrs Bild dar. Die Sol»

lrute schrnktrn 5000 diS 6000 Stück Eigarren drn

drn Soldatrn und dem Pudlikum, d'S idn üdrrall
mit brgristrrtrm Hoch brgrüßte. Tausendfach- D>-
vatS rrklangen d-n Grneralrn. Obrrstrn unr Haupt-

Trnpprn brwrgtrn. Da töntr drr Irtztr S'gnalruf;
noch tausrnd U'narmungrn, Küffr und Td'än-n,
und alS ging's zum Tanzr, svrangrn rtr .«rirgrr
in dir Wagrn, und vou dir L "st erschüttrrnden
Hochrufe» d'glcitrt, sauste um 7 Udr AdcndS brr
l-tzt. Z "g dadin mit drn Wünschrn vo > Tauscudrn:
^Gott scgnr Bayrrn und srinr Kricgrr!"
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