Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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M> 1SL. Soimtag, I». August 18k«.

* PolitLsche Umschau.

Heidelberg, 18. August.

Nach dem „Nürnb. Corresp." glaubt man,
daß der defiuitive Schluß des BuudcstagS bis
zum 24. oder 25. d. erfolgt scin werde, und
erwartet deßhalb mit Zuverlässigkeit, daß sowohl
die Friedensverhandlungen zwischen Preußen
und Oesterreich, als auch die zwischen Preußen
und den süddeutschen Staaten um Mitte der
kommenden Woche durch förmlichen Verlrags-
schluß zum Ziele geführt haben werden.

Wie die „A. A. Z." meldet, habe Preußen
nach Wien mcldcn lasscn, daß es zwar die Er-
neuerung des österreichischen Vertrages mit dem
Zollverein aufrichtig wünsche, jedoch den Zoll-
verein ausdrücklich auf die von ihm präsidirte
norddeutschc Gruppe beschränken müsse. Dem-
gemäß müßte wohl die süddcutsche Gruppc sich
constituiren, um als'solche den alten Gesammt-
Zollverein zu erneuern.

Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt: „Die Sen-
dung des Generals v. Manteufiel nach Peters-
burg hat den vollkommensten Erfolg gehabt.
Es ist ein Schreiben des Czaren an den König
Wilhelm eingegangen, voll der freundschaftlich-
sten Ausdrücke für den.König, sowie für die
neuen staatlichcn Verhältnisse Preußens und
Deutschlands. Eine Einmischnng Rußlands in
die deutschen Angelegenheiten ist darnach kei-
neSfalls zu erwarten. Die mittelstaatliche Di-
plomatie wird in ihren Hofinungen auf Ruß-
lands Hülfc bald in jeder Hinsicht enttäuscht
sein."

Bezüglich des einzubernfenden norddeutschen
Parlaments hört die „K. Z." glaubwürdig be-
zeichnen, daß dic Jnangriffnahme durch einige
säumige Regierungen nicht verzögert werden
dürfte. Jene Länder würden vorkommenden
Falles nicht vertreten sein, abcr zu dem nord-
deutschen Budget selbstverständlich beitragen
müssen.

Die Nachricht, daß preußische Truppen als
Vcrstärkung nach dem Rhcin gesandt werden
sollen, wird von Berlin aus für unwahr er-
klärt.

Nach den bis jetzt veröffentlichten Verlust-
listen des preußischen Heeres sind laut Zählung
des D. D. namhaft gemacht: 2H72 Todte,
5341 Schwerverwundete, 8885 Leichtverwun-
dete, 2559 Vermißte, mithin ein Gesammtab-
gang von 19,257.

Die Berliner „National-Ztg." schreibt: „Es
ist wohl am besten, nicht zu verschweigen, daß
gar viel zu thun ist, um den Staat, der aus
dem Kriegc neu Hervorgegangen, entsprechend

Die Todten im Taubergrunde.

Es liegen viele Soldaten
ErschosseN) im feuchten Feld^,

Und all' dic getödteten Herzen,

Die schweigen so fürchterlich still,

Und keines der fahlen Gesichter
Sie freundlich ermuntern will.

Sie liegen fich noch gegcnüber,

Wie jeder im Kampse stund.

Ein Wort hätte mancher gesprochen,

Da nahm eS der Tod ihm vom Mund.

Dock, wie fie im Himmel crwachen,
Da flüstert es traurig herum:

„Wir haben uns elend erschlagen
Und ach, es weiß Keiner warum."

cinzurichten, zu befestigen und sicherzustellen.
Die Quellen der Macht des Staatcs füeßen
reichlicher als vorher, und sein gchobenes Selbst-
gesühl ist wohlbegründet; er hat aber auch
ringsum so eifersüchtige Nachbarn wie nur je-
mals, ja, vielleicht mchr als je, und deshalb
muß unser Vorsatz für die innere Politik jctzt
lauten: Vermeidltng aller unnützen, thunliche
Einschränkung aller überlieferten Streitigkeiten,
und fürs Erste und NLchste Sanimlung der
Ländeskraft. Es ist darauf zu rechnen, daß der
Staat in Kurzem einen Zuwachs von 5 Mill.
Einwohnern erhalten wird; diesen neuen Mit-
bürgern muß man Achtunz, Vertrauen, Zufrie-
denhcit abgewinncn, damit sic sich von ihrem
neucn politiichen Verbande nicht abgestoßen
fühlen und -dadurch den preußischen Staat viel-
mehr zersetzen, als kräftigen. Man darf ihnen
keinerlei kleinliches uud unbehaglicheö Schau-
spiel bieten, so wenig im Verwaltungswege wie
im Parlament." Die gegenwärtigen Fractions-
verhandlungen, bei welchell nicht einmal eine
Cinigung über einc Adresse erzielt werden konnte,
sö daß nun nicht weniger als vier besonbere
Adreßentwürfe vorliegen. siäd nicht geeignet,
große Hoffnungen in letzterer Beziehung auf-
kommen zu laffen.

Die Wicner „Presse" schämt sich nicht, Frank-
»eich gegen Preußen zum Krieg zu hetzen! Mit
schlecht verhehlter Schavenfreude sagt das Blatt
u. A.: „Wenn Napoleon die Absicht haben
sollte, die Jnteressen Frankrcichs gegenüber dem
vergrößerten Preußen zu wahren. so müßte er
rasch handeln, sonst ware der rechte Augenblick
wohl für immer verfäuMt. Heute stnd Preu-
ßens Armeen von Kämpfen und Krankheiten
decimirt; heute sind jene norddeutfchen Länder,
welche Preußen als scine Eroberungen zu be-
halten gedenkt, noch nicht durchwegs preußisch
gesinnt und nicht zu Zwecken des prcußischeu
Militärdienstes organisirt; heute ist das Maß
des Grolles der Süddeutschen gegen Preußen
noch immer bis zum Ueberfließen voll. Jn kur-
zer Zeit würde sich das AlleS ganz anders ge-
stalten, und dann würde selbst Frankrcichs
Macht nicht hinreichen, den preußischen Ueber-
muth zu brechen."

Der „Monde" stimmt wieder ein Klagelied
über die Stellung Frankrcichs an. „Frankreich
(ruft er aus) ist nicht beliebt in Europa, son-
dern nur gefürchtet. Wenn Preußen es seiner
Politik angemessen crachtet, Frankreich die Spitze
zu bieten, so wird es nicht allein bleiben; ganz
Deutschland wird mit Preußen gehen; Oefter-
reich seiöerseits bleibt wahrscheinlich neutral.
Rußland hat Sebastopol nicht vergessen, und

Hauptmann Julius Königer.

Der Tod des großherzogl. hesfischen HauptmannS
Iulius Königer, welcher am 13. v. M. in dcm
Gefecht. bei Frohnhofen an der Spitze seincr Com-

Soldat, Militarschriftsteller und Förderer aller

essen gleich ausgezeichnet; cr war der treucste Freund
und Familienvater, ein liebenswürdiger Gesellschaf-
ter, und erfreute sich allseitiger Liebc und Achtung.
Das Verlangen nach Mittheilungen über seine letz-
tcn Stunden und die Art scincs Todes war daher,
als der unglückliche Ausgang der Gefechte bei Lau-
fach und Frohnhofen bekannt wurde, allgemciw
unv veranlaßte, wie dies bei der Abwesenheit der
Kampfgenossen Königer's nicht anders sein konnte,
mehrfache Darstellungcn dcr betreffenden Ereignisse,
welche, wenn auch in der Hauptsache übereinstim-
mend, im Einzelnen sehr von einander abweichen
und theilweise unrichtig sind. AlS unverbürgte That-
sache steht bis jetzt nur so vicl fest, daß Königer,
als man zum Sturm auf Frohnhofen schritt, scine

weiß, daß im Orient Frankreich sein einziger
Nebenbuhler ist. England hat noch nie Liebe
zu uns an den Tag gelegt, und unsere Marine,
die sich seit 20 Jahren verdoppelt hat, ist ihm
hinderlich. Spanien ist in Revolution, Jtalien
haßt uns mit allcr Macht seiner Dankbarkcit.
Wir stehen vereinzelt da; darin liegt die Ge-
fahr."

Das neue amerikanische Ministerium besteht
aus folgenden Mttgliedern: Seward (Auswär-
tigeö), Mac-Culloch (Finanzen), Browning
(Jnneres), Stanlon (Krieg), Stansdcrry (Ma-
rine), Randall (Posten) und Weües.

D e u r s ch l n d.

Karlsruhe, 15. Aug. Durch das großh.
Ministerium dcs Jnnern sind die ersten Jah-
resberichte der 4 Landescommifsäre für 1865
in einem beilänfig sechszig Bogen umfassendcn
Baud. herausgegeben worden. Diese Berichte
-haben die Zustände und Ergebniffe der inneren
Verwaltung zum Gegenstand und bieten ein
sehr reichhaltiges statistisches Material. Von
besondcrem Werth sind die Urtheilc über ein-
zelne Gesetzgebungsfragcn. — Den Betrag der
von Baden an Preußen zu bezahlenden Kriegs-
cntschädigung wurdc heute nach dcm „S. M."
auf 31/2 Millionen angegeben. Gerüchte,
welche von 6 bis 8 Millionen sprachen, sind
offenbar übertriebcn.

Ka'-lsruhe, 17. Aug. Die großh. Eisen-
bahnschuldcutilgungskasse hat unter Aussicht und
Leitung des Finanzministeriums e.ine 41/2^0-
centige Anleihe im Belauf von 5 Millionen
Thaler in Bcrlin abgeschloffen, und in Folge
davon ist die Eisenbahnschuldentilgungskasse be-
auftragt worden, den Verkauf von 4procentigen
und 5proccntigen Obligationen bis auf Wei-
teres einzustcllen. Die nähere Mittheilung be-
hält sich die „K. Z.", welche die Nachricht heute
bringt, für morgen vor.

Karlsruhe, 17. Aug. Frhr. v. Roggen-
bach ist, wie die „K. Z." erfährt, bereits vor
längerer Zeit aus der Zweiten Kammer aus-
getreten.

Karlsruhe, 17. Aug. Wie wir bereits
mitgctheilt haben, ist es die Absicht der großh.
Regierung, bei denjenigen Kriegslastcn, welche
die einzelnen Landestheile vorzugsweise schwer
betroffen haben, einc billige Ausgleichung ein-
treten zu lässen. Da indeß die Regelung der
Entschädigungen durch Gesctz und Vollzugsver-
ordnung eiue längere Zeit in Anspruch nimmt
und es bei dem in verschiedenen Orten vor-
handenen Nothstandc darauf ankommt, daß die
Hilfe möglichst schnell geleistet werde, so ist es

Mannschaft durch einen Hinweis auf die Nothwen-
digkeit eineS tapferen und entschiedenen Vorgehens
anfeuerte, daß er, als die zahlreichen feindlichen
Kugeln seine Compagnie aus sicherem Hinterhalt
zu vernichteu drohten, das Schießen seinerseits ein-
stellte und tm Laufschritt vordrang, um Frohn-
hofen mit dem Bajonnet zu nehmen, sowie daß er
an den ersten Häusern dieses Ortes in etner über-
deckten Kegelbahn, welche er mit Oberlieutenant
Willenbücher vor der Mannschaft erreichte, in der
nächsten Nähe des letzteren durch etnen Schuß in
dte Brust tödtlich getroffen wurde, während Wil-
lenbücher einen Schuß durch den Oberarm und tze
eine Kugel auf den Säbel und vie Säbelscheide,
die hierbei in Stücken gingen, erhielt. Königer fiel
vorwärts auf den Boden, und blieb, nachdem der
Tod sogleich eingetreten war, auf dem Platze, wo
ihn die tödtliche Kugel (vkelleicht auch mchrere Ku-
gcln) erreicht hatte, liegen. Daselbst fanden ihn
die vorrückenden Preußen, welche Schärpe, Uhr,
Bricftasche, Geldbeutel rc. des Gefallenen zu sich
nahmen, für ein anständiges Begräbniß sorgten und
die bei Königer vorgefundenen, von einem Officicr
(Hosmann) speciell verzrichneten Effecten bei ihrer
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