Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Utidelbrrger Ieilung.

Nr 3«2


Emladunl; zmn Abonnemcnt.

Auf das mit dem 1. Januar 1867 beginnende
1. Quartal der „Heidelberger Zeitung"
laden wir anmit zum Abonnement ergebenst ein.
Die Heidelberger Zeitung ist durch Beschluß
Großh. Ministeriums des Jnnern vom 24. No-
vember 1864, Nr. 14,731, als Kreisvor-
kündiguirgsblatt für den Kreis Heidel-
berg und als amtliches Verkündigungs-
blatt für die Amts- und Amtsgerichtsbezirke
Heidelberg und Wiesloch und den Amts-
gerichtsbezirk Neckargemünd erklärt worden,
in Folge dessen alle Bekanntmachungen der
betreffenden Staatsstellen darin zu erscheinen
haben.

Jndem wir uns im Uebrigen auf das mehr-
fach veröffentlichte ausführliche Programm be-
ziehen, bemerken wir hier noch, daß wir uns an-
gelegen sein lassen werden, die Tagesnachrichten
und Telcgraimne^o schleunig wie möglich unseren
Lesern mitzutheilen. — Trotz der oftmaligen Bei-
lagen beträgt auch ferner das vierteljährliche
Abonnement in hiesiger Stadt 1 fl. 3 kr., durch
die Post bezogen 1 fl. 24 kr. Jnserate, welche
durch unsere Zeitung die ausgedehnteste Ver-
breitung finhen, werden mit-3 kr. die drei-
spaltige Petitzeile oder deren Raum berechnet.

Heidelberg, im Decbr. 1866.

Die Exved. d. Heidelb. Ztg.

* Politifche Uurfcbau.

Heidelberg, 22. December.

Vom 1. Jan. 4867 an hört die Erhebung
der Rhein- und Mainzöllc auf.

Der preuß. „Staatsanz." publicirt eine kögl.
Verordnung über die Einführung dcr beiden
ersten Theile des preußischen Strafgesetzbuches
und des Gesetzes über den StaatsgerichtShof
sür Frankfurt.

Die neueste „Wiener Abendpost" versichert
gegenüber den Gerüchten in sranzösischen und
englischen Journalen über die verhäugnißvolle
Wendung des Schicksals des Kaiiers von Mexico
auf Grund neuester Pariser Nachrichten, daß
dort maßgebende Kreise an diese Version nicht
glauben. — Der Minister des Aeußcrn Frhr.
v. Beust und der ungarische Hofkanzler v. Maj-
lath stnd am 25. nach Pesth abgereist.

Der „Moniteur" veröffentlicht den Han-

Sonntag. 23 Dezember

delSvrrtrag zwischen Frankrkich und Orstkr-
reich.

Der „Diritto" vom 20. d. veröffentlicht ein
Programm der Opposition. Nach außen ver-
langt eS Frieden, nach innen Decentralisation
der Verwaltung, Herabsetzung des Effectivstands
der Armee auf 120.000 Maun, Einführung
einer Nentensteuer, radicale Rcform des Unter-
richts. — Briefe auS Rom vom 19. versichern,
der Papst sei schr befriedigt von der Thron-
rede des KönigS.

Frankreich und Rußland haben ein Uebcr-
einkommen abgeschlossen in Betreff des Um-
baues der Kuppel der Kirchc zum heil. Grab
in Zerusalcm.

Deutschland.

LH Heidelberg, 21. Decbr. Man sollte
meinen, eine in Frankfurt erscheinende Zeitung,
die als ein Organ für Fortschritt, Freiheit und
Recht gelten will, hätte gegenwärtig gar viel
am eigenen Orte zu thun, oder fände im eigc-
nen Lande, namentlich nordwärts, mehr als
zureichenden Stoff, ihren Muth für Recht und
Wahrheit zu erproben. Oder will das Blatt
einmal einen „Blick in die Nähe" werfcn, so
böte ihm gerade jctzt das hessische Nachbarland
mit seinem Lmeievne regiwe und seinen Wahlen
in napoleonischer Weise überreichen Stoff, seine
Lanze einzulegen und all die Landräthe und
Dalwigk's groß und klein zur Ordnung und
Naison zu rufen.

Doch von All' dem kein sterblich Wörtlein
in dem Blatte; es ist hier trotz Allem, was
vorgeht, so lammfromm, als ob die Mainstadt
im himmlischen Reich läge und Hessen eine
Provinz desselbcn wäre. Zn China foll schon
die Furcht vor "dem famosen Rohr die Leute
zu einem wahrhaft wundersamen Schweigcn
bringen; wir köunen nicht glaubcn, daß das
Blatt einer ähnlichen Stimmung sich überlasse,
da es sich an der wackern Haltung mehrerer
ehrenwcrthen Collegen, wie der Rheinischen, der
Berliner Volkszeitung u. s. w., die furchtlos
und unbeirrt vor wie nach in Preußen einen
mannhaften Kampf für die gule Sache deS
Volkes und der Freiheit kämpfen, überzeugen
könnte, daß scine Furcht übertrieben und eine
kindische sei.

Doch wie eö auch mit der Verstummung des
Blattes im eigenen Lande sich verhalte, so viel
ist gewiß, daß es der trefflichen Maxime hul-
digt: weit vom Schuß, ist daö Sicherste. Da-
rum wirft es in sciner gestrigen Nummer wie-
der einmal über „seine Nähe" hinaus — einen
wahrhaft zcrnichtenden Blick nach dem Lande


Baden, wo Alles gegen früher gänzlich degene
rirt sei, die Dinge „absolnt stille" ständen, die
Minister nicht verantwortlich, Preß- und Ver-
einsgesetz an den Nagel gehängt, kurz AlleS so
schlecht bestellt sci, daß selbst die Frankfurter
Zeitung in Bezug auf uns wenigftens ihr tiefes
Schweigen brechen und voll Erbarmen über
das einst so wackere und unverwüstlich schöne
Baden, an dem jeht kein guter Fetzen mehr zu
finden sei, die Lärmglocke ziehen wolle.

Wir. in Baden, d. i. alle verständigen Leute
in unserem Lande, wissen, was wir von solchen
Lärmschlägern zu halten haben. Nachdem die
rein aus der Luft gegriffene, also rein erlogene
Erfindung, daß in Baden die Staatsdomänen
zum Eigenthum des regierenden Hauses erklärt
werden sollen, daß zn diesem Zwecke das Mi-
nisterium bereits Recherchen in den Archivcn
angeordnet habe; ferner, daß dieses Ministc-
rium das schöne Land mit Sack und Pack an
Preußen zu überliefern beabsichtige und als
Vorläufer hierzu bereits einc Hand voll Ka-
detten nach Berlin geschickt habc — nachdem
diese und andere Ungeheuerlichkciten nirgends
zünben wollten, so wird nun zum General-
sturm geblasen, um das Land, das ganz dcm
Verderben zu verfallen drohe, wo möglich noch
zu retten.

Da die Mannheimer Volksversammlung —
aus bezreiflichen Gründen — das Werk der
Rettung auSgeschlagen, so wolle die Frankfurter
Zcitung' hier ihre Pflicht thun. üino itlae
laer^wns! sagt der Lateiner, d. h. zu deutsch,
weil wir uns dort lächerlich gemacht mit Zu-
muthungen, von denen vernünftige Leute nichts
wissen wollen, so soll eS in anderer Weise ver-
sucht werden.

Jm Uebrigen hat man zu aller Zeit dieje-
nigen für Sophisten der Tapferkeit gehalten,
die Mücken durchseihen und Kameele verschluk-
ken, d. i. die in Frankfurt wie die Lämmleins
fromm sich gerircn. uud weit, weit vom Schuß
über die unbedeutendsten Dingen in's Lärni-
horn stoßen.

Darmstadt, 21. Decbr. Jn Anwesenheit
von 41 Mitgliedern zweiter Kammer wurde
für das Präsidium Hcinr. v. Gagern mit 41
Stimmen in Vorschlag gebracht. — Zm Wahl-
bezirk Wörrstadt ist Herr Nud. Bamberger von
Mainz als Abgeordncter gewählt worden.

Landau, 17. Dec. Von München ift die
Mittheilung hierher gelangt. daß Landau als
Festung im Princip aufgegeben und künftig
nur noch ein Jnfanterieregiment, welches zu-
gleich als Recrutendepot für die Pfalz bestimmt
ist, als Bcsatzung erhalten soll. (A. W.)

* llweites Abonnements-Concert des Heidel-
berger Instrumental-Vereins.

Das jüngste Concert, welcheS am vorigen Don-

ber enthalten, woran sich gleich dte geniale Eigen-
thümlichkeit des großen Meisters crkennen läßt.
Der erste Satz ist wie eingerahmt von ber schönen

rhythmische Bewegung gesponnen ist, auf so fin-
nige Weise etnleitet. DaS liebliche klingt

wie etnS seiner Lieder ohne Worte, und der letzte
Satz, frifch und lebhaft durchgeführt, erlangt durch
den Schluß mit dem 6ost ssre tke Laeeo (die

componirt) eine großartige Wirkung.

Die Ausfübrung ließ wenig zu wünschen übrig, dte
Schattirungen wurden mitweit größerer Sorgfalt wie

pfindung vorgetragen.

Hternach trat Fräulein Lüdecke (Sopranistin),
Hofopernsängertn von Carlsruhe, in der dekann-

trag der Lieder. Das ^ve Llsria von Schubert
sang fie mtt vteler Inntgkeit und Wärme, und in
der „Fremde", sowie tn dem „Herzallerliebsten"

Violoncellist Th. Krumbholz, HofmufikuS aus

Stuttgart, spielte zuerst etn paar Sätze aus dem
Eoncert von Molique. Wie kunstvoll, fein und ge-
schmackvoll der Vortrag auch war, und ganz beson-
ders die eingelegte Stelle von Grützmacher mit einer
überraschenden Leichtigkeit gespielt wurde, erging es
uns doch hicr, wie bet drr Sängertn. Er gefiel
unS noch weit beffer bei dem Vortrag der kleineren
Piecen: Litania von Schubert, Nocturno von
Chopin, Arie von Pergolese. Da war auch das
Cello an seinem Platze. Es schien uns, alS ob er
mit der gefeierten Sängerin um die Wette fingen
wollte. Das prachtvolle Instrument gestaltete fich
unter der meisterhaften Behandlung des Künstlers
zu einer menschlichen Stimme, und lockte er daraus
Töne hervor, wie aus der Brust etnes herrlichen
Sängers. Hauptsächlich war es die Litania von
Sckubert, welche am meisten ansprach und deren
erster Theil auf der 6-Saite einen ganz wunder-
baren Eindruck machte.

Wir dürfen nach alledem wohl nicht verfichern,
daß die beiden Solisten einen großen Beifall ern-
teten und wiederholt gerufen wurden.

Mit der großen Leonore, Ouverture von Beethoven
Nr.3 in v-äur, schloß daS Loncert und verfehlte auch
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