Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Dienstag, 2 October

18««

Bestellungen auf die „Heidelberger
Zeitung" nebst Beilnge „Heidelber-
ger Farnilienblätter" für das mit 1.
Aetober 1866 begonnene Quartal
werden fortwährend anjpenommen.

Die Cxpedition

* Poiitische Umschau.

Heidelberg, 1. Ociober.

* Der Aufstand in Sizilien, an dem
sich die extrcmen Parteien verschiedcner Rich-
tung betheiligten, ist als unterdrückt zu be-
trachten. dtach neueren Nachrichten sollen hie-
bei auch französische Elemente thätig geweien
sein. Die (ultramontaue) Partei der Kaiserin
von Frankrcich, die AUes aufbietet, um die bald
bevorstehende Aussührung der September-Con-
vention zu vereiteln, glaubte nämlich in revo-
lutionaren Erscheinungen Süditaliens, nament-
lich insoferne solche eincn republikanischen Cha-
rakter tragen, ein genügendes Argnment zu
finden, um den Kaiser zur Erklarung zu be-
stimmen. daß unter solchen Umständcn die Näu-
mung Rom'ö nicht möglich sei, da Jtalien nicht
im Stande wäre, die Rom gegenüber in jener
Convcntion übernommenen Verpflichtungen zu
erfüllen. Eine andere Partei am französischen
Hofe, welche gerne den Prinzen Napoleon auf
einem Throne sehen möchte (wozu wieder Solche
kommen, die ihn überhaupt von Paris entfcrnt
haben möchtcn), hoffte von der Bewegung in Sizi-
licn nichts Geringeres, als die Losreißung Süd-
italiens von dem durch Venetien vergrößerten
Königreiche, und die Constituirung Süditaliens
zu cinem selbstständigen Staale unter ber Herr-
schast des Prinzen Napoleon. Den Einflüssen
diescr Parteien glaubt man die überraschenden
Erfolge zuschrciben zu müssen, welche die Be-
wegung in Sizilien anfänglich errungcn hatte.
Die jetzt erfolgte völlige Unterdrückung des
Aufstanoes hat nun freilich durch solche Bc-
rechnungen einen Strich gemacht. Für diesen
Aufstand, sowie für jenen auf der Jnsel Candia
war das Ende des österrcichisch-preußisch-
italienischen Krieges offenbar zn rasch erfolgt,
da die Chancen ihres Ersolges sicher auf länger
fortgesetzte Kricgswirren berechnet waren.

Äus Frankfurt a. M. berichtet die „Bankztg.":
Unserer nach Berlin entsandten Deputation ist
die Zusichcrung gegeben worden, daß die bei
der Okkupation Frankfurts erhobenen 6 Mill.
Gulden Kriegskontribution zwar nicht zurück-
gezahlt, aber von der Regierung im Jnteresse
der Stadt zur Ausführung der von derselben
eingeleiteten, theils auch crst projektirlen Bau-

ten verwendet werden sollen. Die 6 Mill.
werden übrigenS als Stadtschuld betrachtet
und nicht als Staats schuld, weil sie in letzterer
Eigenschaft auf Preußen als Gesammtschuld
übergehen würde.

Die Zeidler'sche Correspondenz theilt mit, daß
die Besitzergreifungspatente bereits redigirt seien.
und demnächst feierlich publicirt würden. Die
Civilverwaltung geht an Commissäre mit Be-
fugnissen der Oberpräsidentcn über. Dic eigent-
lichen Ministerialgeschäfte wcrden nach Berlin
verlegt. Die Functionen der Generalgouvcr-
nements sind rein militärische. Bestehende Or-
ganisationen werden, die Gewohnhciten schonend,
behandelt. Die Gcrichtsbchörden bleiben, bis
zur definitiven Organisation, vorläufig unver-
ändert. Das Oberappellgericht zu Celle bleibt
einstweilen erhalten.

Dic „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", die
ncuerdings veröffentlichte mecklenburgische Note
vom 18. Juni besprechend, bemerkt: Der Par-
lamentszusammentritt fände auch ohne die meck-
lenburgische Theilnahme statt; von der Zustim-
mung der mecklenburgischen Stände werde Preu-
ßen das Zustandekommcn des norddeutschen
Bundes nimmermehr abhängig machen, das
hieße auf die politisch unbrauchbaren Zustänve
des alten Bundes zurückkehren, wo die unbedeu-
tendste Regierung jede Reform vereiteln konnte.

Wie es heißt, sollen in dcn annektirten Län-
dern die dort bestchcnden Preßgesetzc vorerst
in Geltung bleiben.

Der König von Preußen hat dem Erbgroß-
herzog von Weimar den Schwarzen Adlerorden
verliehen. * *

Der Oberpräsident hat daS Aufhören dcr
bisher gesondert erschiencnen holsteiner und
schleswiger Verordnungsblätter und das Er-
scheincn eines gemeinsamen „Schleswig-Hol-
steinischen Reglerungsblattes" verfügt.

Die königl. Verordnung vom 9. Juli, betr.
die Berufung der gesammten bayerischen Land-
wehr in den akliven Dienst, ist wieder außer
Wirksamkeit gesetzt.

Die Wiener „Debatte" veröffentlicht ein ihr
zum Abdruck übergebenes Schreiben des Kron-
prinzen Ernst August von Hannovcr an die
Hannoveraner, worin der Kronprinz für die
ihm zu seinem Geburtötage zugekommcnen, nach
Hunderltausenden zählenden Glückwünsche dankt
und versichert, daß er aller Hannoveraner und
des schwer geprüften Vaterlandes auch in der
Ferne mit inniger Liebe gedenkc, und worin er
die Hannoveraner auffordert, in festcr Treue
zum Könige, seinem Vater auszuharren, in
Hoffnung auf bessere Zeiten.

Der „Daily Telcgraph" erklärt, daß nichts
Wahres an dem Gerüchte ist, daß dem Papst
in Malta cin Asyl angebotcn woroen oder
daß cs seine Absicht sei, Rom zu verlasscn.

D e u t f ch t .r n d.

Karlsruhe, 29. Seplbr. Sk. Konigl. Hoheit dcr
Großherzog habcn Sich gnädigst bewogen gefunden:
^n^ert^ S^ch ^ ^ ^ dn

fördern; dkn Obereinnebmer und Domai^enverwalwr
Rothmann in St. Blasien zum Assessok bei dcr Do-

Karlsruhe, 29. Sept. Das heute crschienene Rcgie-
rnngSblatl Nr. 52 entbält (außer Persoiialnachrichten):

Notariaiöverwalier Jakob Fiiedrick Faul i>? Giicgen
wird als Nolar daselbst angestellt. NotariatSassistent
Valentin Sleii^, ^znr Zeir in WieSloch. wird zum

frei geworden. Der Notariatsdistrict Breisach II.

III. TodeSfälle. Gestorben sind: Am 22. J»ni d. I.
her pens. Revisor Dürr in Rastatt. Am 14. v. M.
der pens. RegicrungSerpedilor. Canzleirath Mohr in
Constanz. Am 16. v. M. der pens. Domänenverwalter

evanarlische Pfarrer Emil Mündel ^n Keppcnbach.
Ain 26. v. M. dcr pens. geistliche Verwalter Gaddum
in Mosbach. Am 3l. v. M. dcr katholische Pfarrer
Balihasar Störk von Linz. Am 4. d. M der Assistenz-

Karlsruhe, 28. Sept. Es ist in den
neuesten Tagen in öffentlichen Blättern wieder-

Stadt-Theater in Heidelberg.

* Mit Vergnügen constatiren wir, daß die beiden
ersten Probevorstellungen den BeweiS gclieferthaben,
daß die Theaterdirection das Vertrauen deS Publi-
kums abermals vollständig gerecktfertigt hat.

Wir möchten nach diesen beiden ersten Vorstel-
lüngen behaupten, daß sett dem B'stand unseres
Theatrrs kaum ein besseres Ensemble vereinigt
war, als in dieser Saison.

Jn der Opcr Romeo und Iulta war es vor-
zugSweise Frl. Pichon, welche fich eineS herzlichen
EmpfangS und mehrmaligen HervorrufS zu erfreuen
hatte. Ihre Leistung war eine ganz vorzüglicke und
dte Ueberraschung über dte glanzenden Fortschritte,
welche die Künstlertn gemackt hat, eine allgemeine^
Fräul. le Pretre. welche zum ersten Mal ,die
Bühnr betrat, hatte fichtlich mit etwas Befangen-
heit zu kämpfen, welcde, nach der freunblichen Auf-
nahme, die fie von Seite deS Publikums fand,
gewiß bald schwinden wird. Ihre Sttmme ist zwar
nicht sehr stark, doch befitzt fie eine seltrne Höhe
und eine vorzüglicbe Sckule. Auch der Tenortst
Hrrr Grisa hatte sich rineS lebhaften BeifallS zu

gen ebenfalls zum Gelingen des Ganzen bei. —
Die gestrige Vorstellung der Karlsscbüler fand
ebenfalls eine entschieden enthufiastische Aufnahme,
und erntete brsonders Hr. Bergmann als Schil-

Neuber, Ptchon,Steude und Ackermann
und die Damen Frl. v. Milde, Frl. Widmann
und Frau Steinecke aufs würdigste an.

Mannheim, 27. Sept. Heute Vormtttag kam
in der Sitzung deS SchwurgerichtShofeS die
Anklage gegen Mathias Zobeley vvn Wieblin-
gen wegen Raubs zur Vrrhandlung.

Nach der Anklage fuhr am 28. Iuni d. I.,
Nachts zwisckcn 10 und 11 Uhr, Anton Schädel,
Dienstknecht bei Bäcker Iul. Wolf in Rohrbach, mit
dem Wagen seines Dienstherrn von Heidelberg nack
Wiebllngen. Die Ladung des WagenS bestand auS
Spelz, der sich in mebrrren großen Säcken befand.

AlS Scbäbel rtwa die Hälfte drS WegeS zwischen
Heidelberg und Wiedlingen zurückgelegt hatte, hörte
er Jemand hinter sich hrrkommen uud glaubte

den Schädel damalS noch nicht kannte. Schädel
argwöbnte sogleich, daß der Unbekannte den Sack
vom Wagcn herabgerissen habe und denselben zu
entwenden beabsichtige. Er fragte deSbalb, waS
daS geben solle. Zur Antwort zog der Unbekannte
etn Meffer aus der Tasche, ervffnete daffelbe ünd
führte bamit einen Streich nach Schädel, durch
welcken dieser am kleinen Finger der linken Hand
leicht verletzt wurde.

Sckädel eilte nun an die Vorderseitc deS WagenS
zurück, ergriff setnen dort besindlichen Peitschenstock
und wollte fich wieder an die Rückseite deS WagenS
begeben, um den Dirb zu vertreibkn; dieser kam
ihm jedoch scdon auf der Seite des Fuhrwerks tn
der Nähe der hintrrn Räder mtt geöffnetem Meffer
entgegen und drang mit demselben auf idn ein.
Sckädel setzte fich mit bem Peischenstock zur Wehre.
DaS Handgemenge dauertc einige Zeit unb der An-
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