Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Dik »Opiil. nat." sazt u. A.: Ganz Pari«
is! gcflazgt. „amkNllich hat da« Faubauig >st.
Antoinc kin s-ftlichls Acnftcrk. Pari» fcikit
dkn morallschc» Zikg Fiankrcichs, dic skikilichc
Bkkräftigung dc« ncuen RctdtS, und vor Allcm
dik Vkrnichtung der verabschkuungSwirdigk»
Verträge von 1815. Diksen Abend wird wahr-
scheinlich AlleS illuminirt ski», dknn hcute vcr-
wirNicht flch daS Programm von 1815: »Jta-
lien srei »on den Alp-n biS zum Adriatischeu
Meer I"

Die .Wikner Ztg." sagt gkgcnüber der Nach-
richt, daft Gras M-nSdorss sich BrhusS Anbah-
nung vo» FriedenSuntcrhandlungen in daS
Hanptquartier begcben habc, FvlgendcS: ,Wie
wir vernchmen, hat die Sendnng deS Grasen
MenSdorff einzig und allein den Zweck, Sr.
Majestät dcm Kaiser cin richtigcS Bild übcr
den Sland ter Dingc bei der Nvrdarmee zu
liefcrn."

Untcr den zahllosen Lügen, die tagtäglich in
Eirculation gcsctzt werden, bcfindct sich auch die,
bki dem Dnrchmarsche dcS 8. grofth. hesj. Jn-
santerieregimcnts hättc hie weimarischc Wach-
mannschaft am MSnsterthore d-n König von
Preutzen und Bismarck hochlcbc» laffcn.

Der Ansschuß der Frankfurtcr Volksver-
fammlnng vom 20. Mai hat einen Aufruf an
daS dkutsche Volk zn allgrmcincr Volksbewaff-
nung und gemeinsamer VolkSvertretung er-
laffcn.

Die „Allg. Ztg." crsährt auS bester Quellc,
die verzögcrle Aclivn BaycrnS sei dadurch ver-
anlaßt worden, daß daS achte Armckcorxs „in
fast vollständiger Nichlbereilschaft zum Krieg"
von den Ereigniffen überrascht wvrden ski, waS
lähmend auf die Aclion dkS bayerischen HeereS
zurückgewirkt habe.

Dorn Kriogsschauplatz.

In eincm Berichte übcr das Gefkcht bei
Podol (in der Nähc von Münchengrätz am 27.)
sagt ein preutzischer Ojsicier: „Uebcr die Päffc.
deS JsergebirgeS muftten wir ost zu 2 Mann
marschircn nnd die Fahrzcugc kountcn kaum
fort. Hier cine geringc Armee, und sie hätte
unS die Köpfc zcrschellt. Wir haben auf eine
Meilc ost 5 Stuiidcn gcbraucht, um vorwärtS
zu kommrn."

Die „N. fr. Pr." sagt: „Jn militäriichen
Kreiscn glaubt man, dast stch von der Nvrd-
armee in diesen Tagcn wvhl noch 150,000 M.
um Olmütz sammcln werden." Wle die Preffe
meldet, wird dic Enthcbung des FZM. Bcnedck
vom Obcrcommando dcr Nordarmce unmittel-
bar nach Beendigung deS RückzugS der Armce
erwartct.

Nach dem Monitcur cntschied in dcr Schlacht
bei Königgrätz eine UmgchungSbcwegung dcr
Preußen, dic fle, vom Nrbel und Nauch begün-
stigt, vornahmen, übei das Schicksal des TagcS.
Jn dcr Flanke nnd unvermutdet übcr Ehlumcc
her angegrifsen, gericchen die Oesterreicher trotz
ihreS MuthcS und ihrer anfänglichen Ersolge
inS Schwanken, und wurdcn bald in wilde
Flucht aufgelöst. VcrgebenSoboten die Gcnerale
und Erzherzögc mit vcrzweiseltcm Mnthe Alles
ans, um dic Zhrigen Ivredcr vvrwärts zu führcn.

'Äerlin, 3. Juli. Dcr Rat.-Ztg. schrcibt
manj Es bestitigt sich, oast bei dcm am 28.
stallgchabten Gksccht bci Münchcngrätz sächfljche
Trnppcn initengagirt gcwcie» sind, und zwar,
wie man hört, oie Gardereiter (Pirna), daS
Leibregimrnt „Friedrich Auguft" (im Erzge-
dirge), und Zäger (Lcipzig). Dieselbcn sollcn
mit grotzer Bravour gekimpst und erhebliche
Verluste erlittcn habcn; das Lcibregimcnt
„Fricdrich August" svll total aufgeriedcn skin.

Gitschin, 4. Jnli. Die preußijche Armee
sctzte nach dem gejtrigcu glänzendrn Siege die
Versolgnug des FeindeS ungesäumt svrt.

(Koln.Z.)

Gitschin, 4. Juli. Jn dcr gestrigen schlacht
nahmcn daS Gardc-Füsilirr-Regimeut 20 Gc-
schütze, daS 3. Garde-Grenadier-Regimcnt Eli-
sabeth 18 und daS 1. Gardc-lltcgiment zu Fuß 8.
Von den übrigen Regimentern ist noch keine
M-ldung zugegangen. Drci Fahnen flnd er-
bcutet. Die Ocsterrcicher haben auf der Flucht
die Fcstung Königgrätz aufgegeben und flirhcn
gegcn Pardnbitz, von unscrer Cavalleric ver-
folgt. Dcr Weg ist mit abgeworfcncn Waffcn
und G-päck bedcckt. Gegen unS standcn an-

scheineud fünf österrkichische CorpS in schr star-
ker Stellung. DaS 12. (lhüringische) Husaren-
Regimcnt zersprcngtc zwei OuapzeS und nahm
vicr Gejchütze. ALcin von Hor>tz auS wurden
bisher 10,000 Gcfangenc eingedracht. Die
prcußische Armee sctzte nach dem gcjtrigen glän-
zenocn Siege die B-rsolgung deS FeindeS un-
gesiumt sort. (Köln. Z.

Prag. 4. Zuli. Die Znvasivnsgesahr ist
Prag uäher gctückt; die Zcituugcn warneu vvr
der AuSwandcrungsmanie. Dcr Staalöbahndof
ist geschlvffrn; die Beaurtcn leisten AuShilse
bcim Wesldahnhos. DaS Schlachtbulletin errcgte
hier schmerzlich bewezte Stimmung. Rcisende
bcrichlcu, dic Prcußeu untcrstütztcn mit allcn
disponibeln Kriiten dic Offensivbewcgung aus
Pardnbitz. Reijende aus Rcichcnberg erzählen,
der CleruS uno der Rabbiucr scien beauftragt,
i» dem Gcbet sir den LandcSvatcr als diejcn
de» Kvnig Wilhclm, nicht dcn Kaijer zu nen-
nen. Dic Soldatcn erhaltcn dic Menage nicht
mchr von Privalen, sonoern cs kommcn immcr
mehr Proviautzusuhren auS Schlesien. — Ein
Eptrablatt der „Politik" mcldct: Bcnatek war
vvn 30 000 Preußcn besctzt; dicsclbcn ziehen
gegen Prag. — Allc Stationen dcr Pardubltz-
Pragcr Linic scnscten dic Amtskaffcn hierhcr;
diesclben wurdcn auf dic Pilsencr Slrpcke bc-
sörderl. Dcr Wiencr Post Eilwagcn wurde übcr
BudwciS cxpsdirt. Dic hicflgcn Zritungen cr-
scheinen ungestempclt. Der Bürgcrmeistcr desorgt
Provianl für dcn Fall preußischcr Jnvasiv».

Prag, 4. Juli. Dcr Statthalterci-Leiter
verkündct den gänzlichen Rückzug dcö HcereS.
Allc dienstsähigeu Offizierc.deS PcnsionSftandeS
wcrden zum GarnijonSspitaldienst ausgcsordert.
3lh00ü Preußcn zichen aus Prag. ,

Prag, 4. Zuli. Aus Reichenberg wird
berichtet, daß Lebensmittel auS Sachsen und
Schlesien massenhast zugefrchrt werden. Die
FeindeStruppcn halten Garnisonsmenage, Trbak
und Salz ist hinreichend vorhanden. Die öster-
reichischcn Adler wurden entjernt, nenpreußische
Legitimationskarten an Retsende ertheilt. Der
Stadthauptmaun vcrsngte, daß in den Kirchen
und Synagogen Ecbete für daS Wohl des Ki-
nigs uud den Segen der preußischen Waffen
verrichtet werden.

Horitz, 4. Juli, 8 Uhr 27 M. AbendS.
(Tcl. d. Dcbats.) Drci Erzherzoge siud ver-
wunoet. Der CorpSkommaudant Graf FeS-
teliz hat ein Beiu veriore»; der CorpSkom-
mandant Graf Thun ist am Kopf verwundct.
Dcr Obcrst B ind er unb cin andercr Gencral-
stabschef stnd iool. Die Fürstcn von Licchten-
siein und von Windijchgrätz sind gejangen.

Berlin, 5. Zuli. (Tel. d. Dcbals.) Dcr-
König von Prenßcn hat mit eigencr Hand
aus drm Schlachtfeld dcn Kronprinzen mit dem
Mililäv-Verdirnst-Orden geschmückt.

Wien, 8. Zuli, Officiclle Rachrichtcn be-
sagen: Die preußifche Armec habc in der
Schiacht bci Königgrätz derartigc Vcrluste er-
liltcn, oaß ste cigentlich kampsunfähtg geworden.

Die„Debattc" cpsährt dnrch gut Unterrichtete:
Bon Paris auS sei Gencral Fvrcy als Uiitcr-
händler dcs Waffcnstillstandes bereits zum König
von Prcußen ins prcußische Hauptquarlier ad-
gesandt und fei von Frankrcich die Waffcnstill-
standSsorderung LN die kricgsühreuden Mächte
katcgorifch gestcllt worden.

Wien, 8. Juli, Nachm. Officiell. F.M.L.
v. Gablenz ist in das prcußifchc Hanpiquartier
entfcndel wordcu, wegen Abjchlirßnng eines
sechSwöchentlichen Waffcnstillstandcs, Für den
Abschluß ist gegründcte AuSstcht vorhandcn.

Wien, 8. Zuli. Der Abschlnß des Waf-
senMstandes mit Preußen soll unter einem
großen Zugeständniß Oeflerreichs erfolgt sein.
Jtalien habe den Antrag zu einem Waffeustill-
stand ausweichend beantwortet, indem es durch
Preußen gebnnden sei. — Der Verlust der
Prönßen in der letzten Schlacht wird als enorm
iezeichnet.

Weimnr, 2 Juii. Rach cincr telegrapbi-
jchen Nachricht aus Neustadt a. O. marschiren
12,000 Bayern von LudwigSstadt auf Saalfcld.

AnS Kaffel, 2. d-, wird der „Weser-Ztg."
gcjchrikbcn: Seit der vcrgangencn Nacht hat
der Borbeimarjch der preußijchen Truppen voir
hier gegen Frankfurt und daS 8. BundcScorpS
begonncn; allem Anscheine nach wu>b dicscs
Vordringeu mittelst der Eisenbahn u»d sonst

mit größcr Schnelligkeit bctrieben. Ein Theil
dcr Prcnßen soll nach Erlediguna dkr haiino-
verschcn Affaire alsbald über Eisenach nach
Falda marschir! sein, um hier dik Occupafioll
zn vollzieben und dann ebenfall» gcgen Hanau
unb Frankfurt vorzugehcn.

E senach, 4 Jnli. Bayern griffen hentc
die prenßischcn Feldwachen bei Barchseld an.
Prcußijcherscils dliebcn ein Mann und zwei
Pfcrde kobt, die Baycrn ließen cincn Mann
todl, zwci Osficicre und zwci Mann Ichwer
verwundcl nnd fünfzig Gcwehre zurück. (K. A )

Fulda, 4. Juii. Nachdem man bier in
letzler Zcit wicberholt den Einmarsch von Bayern
vcrgcbtich erwartct hatte, rückte gestern früb und
heute Nacht plötzlich ein bayerisches Cavallerje-
corxS, daruuter die drci Curaisterregiinenk»,
sowie eine Batterie reitcnder Artillerie vom 3.
Negunent hier ein. — Verfioffene Nacht rück-
ten bfe gcfammtcn Eürasstere. sowie die Bgt-
terie auf der nach Eijcnach führcnden Straße
vvrwäris, in der Erwartnng, daß ste mit'dkr
Hanptarmce zusammknstoßen würden. AlS ste
jedoch etwa über -ine Stnlide über da» Stäbt-
chen Hünscld hinaus lvaren, wnrdcn ste von
d'cn Prcußen angcgriffen, Dicse skandcil in einem
Wald vcrdeckt und eröffneten cin Kanonen- nnd
Gcwehrfcuer. Zwei bayerische Geickütze fenerten
nnn auch; da abcr einc AnSsicht auf Ersolg
nicht gegcben war, so zog stch baS Corps wie-
dcr zurück. Die 1. Schwadron vom 1. Cüras-
sicrregiment hat am meisten gelitten; im Gan-
zen sollcn 28 Mann verwnndct sein, einige auch
gebliebcn, darnnter cin Oberlientenant. Nach-
dem heutc vergeblich anf Anrücken von Znfan-
teric gewarict wurde, ist bas Corps wieder ab-
gezogen, und können wir jebe Sfiinbe den Ein-
marjch ber Prcnßen erwarten. (Zst neuestcn
'Nachrichtcn zufotge auch bereits er'solgt.)

Wirn. 4. Juli. Dic Zabl der in Eqer
eingcrücklen Baycrn wird von der „N. fr. Pr."
aus 30,000 Mann vcranschlagt. Das Blatt
fügt hinzn: Weiche Richtung die Bayern neh-
mcn, darübcr licgt noch gar keinc Andcntung
vvr, doch ist dic's nach dcr Schtacht bei König-
grätz, dcrcn Ausgang dic tapsere Nordarmee
z» wcikcrcm Rückzugc zwingt, von qroßcr Wich-
ligkcil. Bcichlcunigcn dic Bayern nicht jetzt auf
dcm kürzcstcn jüdlichcn Wege ihre Vereinignng
mit dcr Nordarmee, so kann es den Preüßen
gclinzcn, diese Bereinianng nicht bloß zu ver-
cikel», sondern jene sowohl vvn Baycrn als von
der Nordarmce abzuschneiden.

Zn der „Nordd. Allg. Ztg." wird erzäblt,
die Preußen seien bei Langensalza die Opfer
des Verraths etnes Telegrapbenbeamten qewe-
sen. Das Blatt berichtet: „General v. Man-
teuffel wollte seine Ankunft mit zwei Kanonen-
schüffen verkündigen, die den Hannoveranern
gegennbcrstehenden Truppen als Angriffszeichen
dienen sollten. Der Telegrapbenbeamte verrietb
den Hannooeraner dieses Zeichen, dic es nun
selbst gaben und die Preußen znm Angriff lock-
ten, während Manteuffel Noch 6 Sfimden ent-
fernt stand. Das ungleiche G-fecht, 6000 Preu-
ßen und Coburg-Golhaer gegen die trefflich
ausgerüsteten 18,000 Hanuoveraner, das so-
wohl den Hannoveranern alS dem prenßischen
31. Landwehr-Regimcnt so große Verlnste be-
reitete, war die Folge des Verraths. Der
verrätherische Beamte hat den Tod als Lohn
erhakten."

Beyreuth, 5. Juli. Gestern baben bei
Roßdorf in Meiningen 20,000 (?) Bayern
mit 64 Geschützen einen sechsstündigen Kampf
bestandsn. Der Kanoneudonner wnrdc immer
schwächer, es scheint, daß die Preußen zurück-
gedrängt worden sind.

Arunkfurt, 8. Juni. Das Hauptquartier
der badische.n Trnppen wurde heute Nachmrttag
wieder nach hier verlegt. Jhm soll das ganze
bei dem 8- Armeecorps befiüdliche badische Con-
tingeut folgeu. lleber die weitere Bestimmung
desselben verlautet nichts.

Münchcn, 6. Juli. Nach einer pÄizei-
lichen Bekanutmachung soll ein prenßischds
q-treifcorps gestern bis N-üstadt a. d. Saale
gedrnngen seiu. Di- Stadt ist von bayerischen
Truppen besetzt, di- die Ttzore gesperrt niw di-
Brücken abgebrochen habeit. Ein bayerisches
Armeecorps soll im Anmarsche. sein.

Müncken, 6. Zifii. Die „Baycr. Ztg.
jchreibt: Ucber ein Gefecht bei Kaltcn-Nord-
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