Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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hier am Rhkine gktroffen weroen, so zeigt stch
darin eine grotze Thärigkeit. Die Einberufung
deö zweitcn Laudwehraufgebot« stellt eine fehr
bedeutende Truxpenanzahl zur Versügung gegeu
die cventuelle» Operationen der BundeSarmee.
Hoffe» wir jedoch nach den neuesten AnSstchten,
datz eS im dcutschen Westen überhaupt nicht
mchr zu eincm kriegcrischcn Zusammenstoße
kommcn und i» eine friedlichcrc Bahn der
Lösuug eingelenkt werdei

Nach der „Aschaff. Z.« hat stch das baherifche
Jnsantericrcgiment in den Gefcchten bci Roß-
dorf am 4. d. durch Tapfcrkcit rühmlichst her-
»orgethan; scinem Muthe und seiner Energie
sci es unter auSgezeichneter Führung der Officierc
gclungen, die Verbindung des 7. mit dem 8.
BundeSarmeecorps herzustellcn. Die Hauptlcute
v. Großschädel, Link und Zoseph Müller seien
verwundet, Obcrlieutenant Bopp und Ruppcrt
gefallen. Gesanimtverlnst an Todten gegen 200
Mann. — Ucber daS blutige Vorpostrngcfecht
zwischen Bayern und Preuße» am 4 Zuli in
der Nähe von Licbenstein oder Salzungen be-
richtet die „Dorszeitung": Die Bayern, die mit
Hurrah und Bajonnct vorgegangcn wären, sol-
len 42—20 Verwundete und 2 Todts verloren
haben, der prcußischc Berlust nicht bekannt. Jn
Liebenstein soll Hauptmann v. Engel, Flügel-
adjutant deS Erbprinzen (von Meiningcn?) von
den Preußen gesangen genommen worden sein.

Eisenack, 5. Zuli. Die preußijchen Trup-
pe» haben ein baycrisches Corps in einem hef-
tigen Gcfechte bei dem Dorfe Dermbach (östlich
von Geysa, südlich von Salzungen) zurückge-
worfen. Die Preußcn haben Dermbach stark
besetzt. Sic haben zahlreiche Verwundete-
(Köln. Z.)

Kaffek, 8. Zuli. Die Division Goebe» hat
ein fiegreicheS (?) Gesecht gegen die Bayern
bci Geysa (im Großherzogthum Weimar, Kreis
Eisenach) bestanden und 8 Posttionen (?) der-
selbcn genommen. Die Brigade Wrangel hat
stark gelitten. Oberstlieutcnant v. Gontard und
Major Rüstow stnd todt. 500 Verwundete
liegen iu Salzungen. Die Preußcn dringen
iderall ficgreich vor. (K. Z.)

Florenz (nber Paris), 7. Zuli. Die Oester-
reicher stnd über den Mincio zurückgegangen
und haben die Brücke von Goito gesprcngt.

Paris, 7. Juli, Nachm. Die „Francc"
meldet: Eine sehr schwer wiegcnde Nachricht ist
von dem Telegraphen überbracht worden: Die
Jtaliener sollen den P° überschritten haben
und flch anschickeu, die Oesterreicher von Neuem
anzugrcifcn. Wir glauben zu wissen, daß im
Lanfc des gcstrigen TagkS mehrere Dcpeschen
aus dem Tuilerien - Cadinete abgegangen stnd,
worin den Jtalienern anempfohlen wurdc, nicht
daS an Frankreich abgetrctene Territorium au-
zugreifen. Der Besehl sür die Abfahrt der
Flotte nach Veuedig ist nvch nicht erlafscn, aber
die Umständv können jeden Augenblick das Ans-
lausen derselbcn erheischen.

Deutschland.

Karlsrnhe, 7. Juli. Durch höchsten Be-
sehl vom 8. d. M. wird dcr auf Kriegsdaner
ernannte Feldarzt Robert Rehmann auf
sein Ansuchen aus dem großherzogl Armee-
corps entlasscn; der praktische Arzt Gustav
Bartholomä zu Haßmersheim wird zum
Feldarzk «uf Kriegsdauer ernannt.

Scine Königliche Hohcit der Großhcrzog
haben gnädigst geruht, den Profeffor Dr. A.
Knop an der Universttät Gicßcn zum Pro-
feffvr der Mineralogie und Geologie an der
Polytechnischcn Schule dahier zu ernenn-n.

Karlsruh«, 7. Juli. Se. Erc. dcr großh.
Minister der ausivärtigen Angelcgenheiten, Frhr.
v. Edelshcim, ift Mittags 'l'/. Uhr nach
Frankfnrt abgereist.

Frankfurr, 7. Znli. Die gesetzgebende
Versammlung hat die Beschlußfaffung übcr den
Antrag aufVerschanzungFrankfurts auS StaatS-
mitteln vorerft nach Lage der Sache abgelehnt.

Bvrlin, 4. Juli. Die „Provincialcorre-
spondenz" schreibk: „WaS Bayern betrifft, so
ist neuerdings von vielen Seiten daraus hin-
gewiescn worden, daß Angestchts der Rolle,
wclche dieser Staat jüngst gegen unS gespielt
hat, unsere Regierung stch veranlaßt seheu muß,
bci der weitcren Entwickclnng der gegenwär-
tigen deutschcn Verhällnisse das Augenmerk anch

auf die künftige Stellung dcrjenigcn bayerischen
LandeStdcitc zu richtcn, welche mit dem preu-
ßischcn Firstenhausc in frühcykn Jahrhunderten
in nahcr Bcrbindung gcstanden und auch dem
preußische» Staate einc Zeit lang angehört
haben."

Bcrlin, 4. Zuli. Es ist jetzk amtlich be-
kannt gemacht worden, daß daS königl. hanno-
ver'sche Kriegsmaterial durch Uebercinkunft
„königlich preußisches Staatseigenthum" gewor-
den ift. Jeder also, der im Besitze von Pser-
den, Waffen oder sonstigem Kriegsmaterial,
welcher Art cs sei, sich bcfindct, hat dassclbe
sofort an seine OrtSbehörde bei Vermeiduug
schwerer Strafen abzugeben.

Berlin, k. Zuli. Von liberalcr Seite wer-
den die Wahlrcsultate wie folgt aufgestellt:
134 Coyservative, 98 FortschrittSpartei, 50
linkes Ccntrum, 28 Altlibcrale, 22 Polen, 9
Katholiken, übrigc unbcstimmt SLmmtliche
Morgenblätter bezrichnen das Eingehen Preu-
ßenS auf Fricdensunterhandlungen ohne ge-
uügende Garantie und ohne seinen Anstren-
gungen und Siegen entsprechende Angebvte für
unmöglich. (K. Z.)

Berlin, 8. Zuli. Die Souveräne von
Frankreich, Rußland und andere beglückwünsch-
ten den König telegraphisch wcgen des letzten
Siegs.

Köln, 5. Zuli. Obcrbürgermeister Bachem
hatte in einer „Bckanntmachung" dic Bürger
aufgefordert, die Siege durch eine allgemeine
Zllumination zu feiern. Unmittelbar unter
der Bckanntmachung erklärten jedoch unsere
beiden Abgcordnetcn in der Zeitung: „Ange-
stchts dcr surchtbaren Wunden, die der Kricg
schlägt, Angestchti der Noth und Bckümmcr-
niß tausendcr Familien, könne» wir der Auf-
forderung des Herrn Oberbürgermeisters, heule
Abend zubeleuchten, nicht folge». Wir glaubeu,
die Kosten der Beleuchtung könnten »ützlicher
zur Mildcrung der Noth der Hinterblicbenen
unscrer tapferen Kriegcr vcrwandt werden; dazu
hat Jeder Gclegenheit, mitzuwirkcn, und ein
Kölncr Bürgercomite wird Gaben cinsammeln.
Wcnn dcm Volke sein Recht und seine Freiheit,
wenn ihm der inncre und äußere Friede zu
Thkil wird, dann ist es. Zcit, stch zu freuen
und zu jubeln. F. W. Roggen, Classen-
Kappelmann." Dic Abgcordneten haben mit
ihrcn Motiveu über den Oberbürgermeistcr cincn
glänzenden Sieg crrungcn; dcnu nur einzelne
Bürgcr habcn illuminirt.

Wie», 4. Juti. Heute Morgen ist dcr
Feldmarschall Heß — er soll bei der Feststellung
des Feldzugsplanft jür dic Nordarmce nicht ein-
verstanden gewesen jein — auS Roscuau, wo
er dic Mvlkcnkur gebraucht, hicrher beschieden,
und mit großer Bestimmtheit tritt das Gerücht
auf, der frühere KriegSminister FZM. Graf
Degenscld werde Benedek im Obercommando
erjetzen; daß Benedek deS Eommando's ent-
hoben worden, untcrlicgt keincm Zweifel.(A.Z.)

Wien, 5. Zuii. Es vcrstehk sich sast von
jelbst, wird der Karls. Ztg. geschrieben, daß,
so lange das Resultat der französischen Me-
diation nicht vorliegt, entscheidende Beschlüffe,
wie die Nvthwendigkeit, den Kamps fortzusetzen,
fie bedingcn würde, nicht gcfaßt oder mindesiens
nicht auSgeführt werden. AuS sehr durchstch-
tigen Andeutungen glaubc ich indeß den Schluß
ziehen zu müffen, daß es eventuell die Abstcht
ist, neben der bereitS angebahnten Ergänzung
dcr Armee, in dcr ganzen Monarchie und zu-
nächst in Böhmen (sowcit e« noch nicht im Be-
sitz des FeindeS) und in Mähren den Land-
sturm aufzubieten, und dann in der That würbe
der Kricg cin Krieg bis auf's Mcffer jein.—
Der Verlust iu dcr schlachi vou Köuiggrätz
wird hier auf 8000 Gefangcne und 120 Ge-
schütze angegeben; daS Vcrhältniß der Todten
uud Verwundetcn scheint noch nicht sicher über-
sehen wcrden zu können.

Wien, 6. Juli. Zn dcm Berichte, welchcr
dem Kaiscr übcr dic Tragfähigkeit und Vcr-
wendbarkeit des Zündnadelgewehrs untcrbreitet
wurde, befindet stch nach der „N. Fr. Presse"
auch cin treffcndeS Wort des ErzherzvgS Wil-
helm angeführt, welches lautct: „Das Zünd-
nadelgewehr vcrhält sich zum JLgcr-Dornstutzen
wie dik Stenographie zur Currentschrift."

Wien, 7. Juli, 10 Uhr Abends. Bis jctzt
ist der WaffenftillstandSabschluß nicht crfolgt.

Wien, 7. Juli, Abends. Die „Constitu-
tionellc Ocjterr. Ztg." bringt folgende halb-
officielle Mittheilung: Erst in der Nacht »om
5. zum 8. Juli erfuhr man in Wien, daß
Untcrhandlnngcn iber cinen Waffenstillstand
Seilens deS Commando's dcr Nordarmee ein-
geleitet worden, während das aus eigener Jni-
tiativc entsprungene Anerbictcn Frankreichs,
»uch mit Preußen einen Waffenstillstand vcr-
mitteln zu wolleu, schvn am 4. iu Wien eiu-
getroffeu und sosort angenommeu worden war,
aljo zu einer Zeit angenommeu war, wo noch
nicht die geringste Mitkheilung vou dem Schritte
des OberbcfchlshaberS dcr Nordarmee hierher
gelangt war.

Tricst, 7. Juli. Gesteru ist der hiesige
preußische Gcneralconsul Seitens Ocsierreichs
aufgefordcrt worden, seine Functionen einzu-
stellen.

F r a n k r e t ch

Paris, 5. Juli. Der Wiener Preffe tele-
graphirt man: Fcstzuhalteu ist: Oesterreich cr-
griff die Jnitiative zur Abtretung VenelienS,
Napoleon die Jnitiative zur Mediation, welche
keineswcgs gleichbedeutcnd ist mit Allianz; im
Publikum glaubt man jedoch b-reits an letztere
— daher großc KriegSbegeisterung gegen Preu-
ßen. Jndem übrigenS der kaijerliche Brief als
BastS für die FriedenS - Unterhandlungen ge-
wahlt wurde, bleibt jede Territorial-Vergröße-
rung FrankrcichS im vvrhinein ausgeschloffen.(?)

Paris, 8. Juli. Laut Nachrichten, die der
„Patrie" auf telegraphischem Wegc auS Berlin
zugchen, ist man dort in der vsficiellen politi-
schen Welt dcr Ansicht, daß der Wasfcnstillstand
erst dann angenommen werden könne, wenn
dic hauptjächlichen Grundlagen deS Friedens
vom Gesichtspunkt der deutschcn Frage auS
provisorijch sestgcstellt woroen wäreu. WaS die
Bedingungen des WaffenstillstandeS betrifft, so
wäre die erste, wie man sagt, die vollsiändige
B-setzung Böhmens durch preußische Truppen,
und das Ausgcben dcr F-stungen Königgrätz,
Josephstadt und Theresienstadt von Seiten Oe-
sterreichs.

Paris, 8. Juli. Der Vorschlag Oester-
reichs und Frankreichs wird allgemein als sür
Ztalien verlctzend und unannehmbar betrachtet.
Man rechnct, Prcußen werde den Kricg fort-
sctzen. Zn jedem Falle wird Jtalien die Fcind-
srligkeiten encrgijch fortsetzen. Große Agitation
in den Städten, besonders NorditalicnS. Mai-
land und Florenz sind heftig erregt.

Paris, 7. Zuli, Abcnds. Der „TempS"
sagt: Der Wassenstillstandsvorschlag ist von
Preüßen und Jtalien angenommen worden. Die
Hauptbedingüngen foÜen sein: vie Prcußen
blcibeu im Befitze ihrcr gegenwärtigen Stellnn-
gen; die occnpirteu Länder haben sür den Un-
terhalt der Truppeu auszukommen. Oesterreich
darf wcder iu Böhmcn noch in andcren Län-
dern dcs Landes seine Streitkräfte vermehren.
Die Jtalieucr besetzen eine Festung des Fcstungs-
vierecks. — Die „Patrie" sagt: Dcr König
»orr Preußcn dankt in seiner Antwort dem
Kaiser sir seinc Vermittlung und theilt mit,
daß er dcn Grafeü v. d. Goltz unverzüglich
mit Jnstructionen versehen werde. Heutc hat
eine lange Unterredung zwischeu dem preuß.
Botschafter und Drvuyn dc LhuyS stattgchabt.
Ztalien hat die Bejctzung zweier Festungen deS
Vicreck» mit seinen Truppen znr Bedingung
gemacht.

Paris, 7. Zuli, Abends. Preußen hat
den wirklichen Abschluß des Waffenstillstandcs
von eincm Einvcrnehmcn mit Jtalien abhängig
gcmacht.

Paris, 8. Zuli,' Morgeus. Der „Moni-
teur" sagt in dem Bullctin, daß die Untcr-
handlungen BehufS Abschluffes eiucs Waffcn-
stillstandes zwischen de» Armeen der kriegfüh-
renden Mächte sortgejetzt werden.

C n g l a n d

Londvn, 6. Juli. Die Post hofft, Claren-
don werde Englaüd auf dem bevorstehendcn
Congreß vertreten.

Neueste Nachrichren.

Wien, 8. Zuli. Bcnedck, zu politischen
Verhandlungen imbcfugt, crlangte eine drei
Stundcn vorher auskindbare Waffcnruhe. Die
französischcn Waffenstillstands - Verhandlungen
haben noch zu keinem Abschluß geführt.
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