Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Frankfurt, 9. Juli. Wlc die Frillkfiirtcr
„Posiztg." Mktdet, iit es Illizwciselhaft, daß sich
cin starkcS preußischkS CorpS zwischcn dir Bayern
uud das 8. BuudeS-ArmkkcoipS gkschoden und
die Baycrn zutückgedrnngl hai. Dic preußischen
Vorposten stehcn bereitS bei Stkinan, k> Meilen
von hicr.

Stuttgart, 9. Juli. Die Verhastikng eincS
betrnllkenen Soldatcn veranlaßte hente Nacht
eincn Aujlanf, >der stch vom Markt nach dkM
Polizeigcbäude hinzog,. snd «ndlich crnstliches
Eiiischreitcn znr Folge hattc; ctwa 40 Tumul-
tlianlen sind vcrhaftct.

StUttgart, 10. Juli. -Inch gestern Nacht
wiederholte slch der Skandal deS vorherigen
Abend«. Dic Stadtbchördcn hatten ihre Vor-
fichtSmaßregeln ergriffen. Vicle Verhastnngcn
wnrdcn vorgcnomincu. Die Bürgerschaft ist so
entrüstct über diesen Unsug, daß, wenn er slch
hcnte abermals Ivieberholen Wltc, es nicht so
tcicht abgehen, sondern einige Epcmpel ftatuirt
werden dürften. — Heuke siiid «ieder von deu
zuletzt cinberafencn Landwehr-Abtheilungdn zur
Fahne einzernckt.

Bcrlin, 4. Juli. Die Abgeordnetcnwahlcn
haben sehr niederdrückende Rcsultate geiissert.
Die conservative Partei ift nach ivic vor in
der Minvrität; abcr stc hat überraschcnd viel
Stimmen mchr gewonnen. Der unglückselige
Krieg hat unjcre Urwähler und Wahlniäiilier
zum großcn Thcil ganz verwirrt gemacht. Erst
war man einig in der Verwänfchuug deS deut-
jchcn BruderkrirgeS, und nun er mrt äußern
Erfolgen sür die biSmarcksche Politik begonncn
hat, rennen die Ntenschcn in daS ministericlle
Lagcr, stch selbst zum Verdcrben. Sehr vicle
libcrale Männer, die, wie Schwerin, MichaeliS,
Vaerft. Kerst u. A., stets gewählt wurdon, dvcten
III daS neue HanS nicht ein, dafür »crbismarckte
Landrithe rc. rc

Berlin, 7. Zuli. Man likfi im „Staats-
anzeiger": Wic sonst hat ganz Deutschland dcn
Vorlheil der prcußischen Ersolge. Preußcn hat
die Wiedergebnrt DeutschlandS aus den böhmi-
schen Schlachtseliern bcgründet. Äorddeutjchland
ist niehr und mehr davon überzeugt, daß Prcu-
ßcn nichk"äuS Ehrgeiz Mn Schwcrt g'ezvgen
hat, sondcrn sür die Existenz der Nation und
die Garantic ihrer Gütrr. Die Ucbcrzeugnng,
daß die Hoffnungen der Nalion mit Preußcn
stehen irnd sallen, hat die Staaten Norddcutsch-
lands an dic Scite PreußenS geführt. Letzleres
wird nie vrrgesien, daß diese staaten stch in
schwstrigcn Zciten ans jeinc Scile gestelll habcn.

Wien, 8?Jnli. AkS Pvrsitzenber des üder
die bckannten drei Gencrale dcr Nbrdarmee ein-
gesctzteii Kriegsgerichls Ivird FZM. Gras No-
bili snngiren.

Wien, 9. Zuli. Dic Kaiserin ist nach
Osen abgereist. — DaS Gcrücht, daß Graf
Larisch zurücktretcn und daß Freiherr v. Beust
dcn Grafcn MenSdorff ersetzen wcrdc, tritt wie-
derholt auf.

Wien, 9. Jnli. DaS Correspondenzburcau
meldct ans Bukarest vom 9. d.: Nachrichten
ans Eonstantinopel zufolge wärc die Psortc ge-
neigt, unter folgcnden Bedinguugen den Prin-
zen von Hohcnzvüern alizucrkennen: Dcr Tri-
but wird aus S00,000 Piastcr crhöht; di-Kin-
der deS Aürsten flnd im orthodorcn Bkkenntnifse
zu erzichen; der Fürst hat noch i« diescm Jahr
in Constantmopel die Jnvestitlir zu cmpfangen;
Vorlegung dcr neuen Vcrfaffung an die Psorte
zur Revision. Der Prinz von Hohenzollcrn soll
nicht geneigt sein, dicse Bedingungen anzu-
nehmen.

Wien, 10. Juli. Dic Wiener Abeiidpvst
thcilt offiziös mit: Seilens des KaiserS der
Franzosen srnd ncuerdings cnergische Schritte
zur Hcrbeisührung eineS Äaffenstillstandes cin-»
gcleitet wvrdrn. Eine französlsche Flotte ist
nnterwegs, ein sranzöstscher Kommifsär, Gene-
ral Lcbau, ist angewieseii, stch nach dem Venc-
tiauischcn Gcbiet zu begebcn. Gleichzeilig ist
Gcneral Froiffard in's preußische Hauptqüartier
mit dem Austrage entscndet, bewaffnete Media-
tion FrankreichS anzukündigen. E« ist auSge-
sprochener Wikle des sraiizösischen KaiserS,
Ocstcrreich i« sslwhr Mqchtstelluug ungeschwächt
erhallen zu sehcn. Die Südarmec ist in der
Räumiing Venetjens bcgriffen und hat bereits
den Maiffch liordwSM'angeiketen:

Wicn, 10. Juli, Nachts. Laut Telegram-
men aus Peft vom 9. ist die Kaiserin Nach-
miilags daseldst eingetroffen. Bsi ihrer An-
knnfi wnrde ste von einer großen Anzahl un-
garkscker ParlamenlSmitglieder bcgrüßt und
empfangen. Eili kaiserlicher Aufrus an die
Völker UngarnS isl erschiene», derselbc fordcrt
dicselben ans, sreiwillig nnter die Fahnen zu
eilen, zur Hilse ihrer Angehörigen, zum Schutze
ihres durch KriegSereiginsse mimiltelbar be-
drohten Baterlande«.

Prazz. 7. Juli. Die Prager „Politck"
briugt anS angcblich guter Ouelle dic Minhet.
lung, daß zwischen den Königen von Sachsen,
Bayern, Hanuover und Würtemberg eiuer- und
dem Kaiser von Oesterreich andererjeits eine
Convention besteht, welchc jeden einseitigen Frio-
densschluß unmöglich mache, die Ziele- deS
KampfeS seststclle und daS Wiener Cabinet vcr-
Pflichte, im Versolgc der Frankfurter Rcsvrm-
vcrsuche nnter Zugrnndelcgnng der lknauflös-
lichkeit dcS BundeS, der Jntegrität dcS garan-
titten Bcfitzstandes der Souveränc und der
Constiluirung ciner allgemeinen dcutschinRcichs»
versammtung die ReforM DeutschlandS zu voll-
ziehcii«

A » a n k r e i ch.

Paris, 9. Juli. DaS Zoiirnal von Nancy
mcldet, daß Manckall Forey Nancy nicht ver-
laffcn habc.

Paris, 10. Zuli, Nachm. D!e „Franre"
mctdcl, daß Prinz Napöleon heute Abend, mit
einer Misiion bezüglich dcs Waffcnstillstandes
belraut. in's italienische Hauptquartier abreisen
wirb. Der Prinz isi beauftragi, die letzien
WaffensiillstandSbedingungen zu regeln.

Demjciben Blatte zufolgc ist heute Mvrgen
dcr Prluz Neuß hier augekommen. Prinz Reuß»
ist der llebctdringcr eineS BriefcS von König
Wilhelm; er wird heute vom Kaijer empfangen
werden.

Straßburg, 8. Jnli. DaS herzoglich
nassauische Hosweinlager kam gcstern III 29
WaggvnS, in Fäffern verpackt, mit der badlschcn
Eiscnbahn über Keht hier an; e« wird daffelbe-
theitS aus denr Dntrsßös dcr vonan«, theils
in Privatkcllern untergedracht wcrden; man
schätzt den Werth dessetben auf 1 Mill. Franken

E i» g ! u u S

London, 9. Znli. Zm Obcrhausc gab
Graf Derby eine tängcre Dartegullg über die
Bildung des Cabinets und die von demsetben
cinzuhaltende Politik. Er bemerkte: da« Tory-
kabinct sci kein kriegerisches; es werbc mit dem
gejammten AuStand friedtiche Beziehungcn pfie-
gen, ohne einc monopolisirende Aüianz mit ir-
gcnd welchcr Macht cinzngehen, Einmischungen
in sremoe HaiiSangclegcnheiten vermciden, er-
bctenc Freundschaftsdlenste jedoch berettwilllg
leisten; es werde nicmals drohen ohne die Ab-
sicht, die Drohung ausinsühren, strcngste Neu-
tratltät in dcm gegenwältigen Krieg einhalten,
aber Freuiidschastsdienstc jedem Kriegsührenden
lcistcn

Reuesie Rnchrickrc«.

Wien, 10. Juli. Die Preußen stnd im
Aninarsch auf Znaim und Zwctl. Erzherzog
Albrecht übernimmt das Commando der Nord-
armee. Der Kaiser versprach dem Gemeinde-
vorstande, Wien werde als' offenr Stadt erklärt
und er dort ausharren bis nach etwaigem Ab-
zug der Triippcn.

Wien. 10. Jnli, 11 Uhr 40 Min. Borm.
(Post-Ztg:) Gestern fand cln RückzugSgefecht
von Kavalerie und Artilleriv bei Awittau statt.
Tic Preußen wurden geworfen. Heute Gefechte
bei Prerau.

Wicn, 10. Juli, Abcnds. Erzherzog Albrecht
ist' zum Commandanten, Feldmarschalliieutcnant
Baron Zohn zum Generalstabsches dcr gcsamm-
ten opcrirenden Armeen ernannt..

Münchcn, 10. Zuli, AbendS. Die „Bayer.
Zeitung" meldet: Scit heute MorgenS heftiger
Kamps um und b-i Kiistngen. Die Preußcn
griffen von der rechten Seite der Saale dic
Brücke an und wurdcn mehrmals durch Kar-
tätschen zurückgewiesen. Äomben slogen biL in
dic Stadt. Kirchlhnrm nnd Rathhans wurden
davon gctroffen. Das Hotel zum Bayerischen

, Hof wurde znsainmengeschoffen. Die bayerischen
Truppeu waren vpll Mulh. D.je Znfanteric
schoß vortrcfslich. Die Reierven wurden heran-
gezogen. Seit 1 Uhr Mittags hörten dic telc-
graphischen Meldnngen aus Kisflngcn ans, WLS
dadurch erklärlich ist, daß stch das Telcgraphcn-
bürean in der Nähe der von Bomben getrof-
nen Gebäude befiichet.

München, 11. Juli. Die „Bayer. Z!g."
meldet nicht« NeueS auS Kisiingcn. Einem
Privatielegramm auS Schweinfurt zufolge sollen
die Preußcn am Schlusse dcs Gefechies von
Kiistiigen zurückgeschlagen sein.

Dagegen nicldei dic ,R. Fr. Ztg" vom 11.:
DaS Gesecht bei Kissingen ist für die Bayern
ungünstig ansgefallcn; der linke Flügcl hat
sich nach Schweinfnrt zurückgezogen. Die Vcr-
bindung zwischen Hanau nnd Aschaffenburg !st
von L-eilcn des achten Armeecvrps Lbgeschnckten
worden.

Ans Baden. An die Sielle des »erstor-
benen Forftrnth Dengier ist Prvsessor Von-
hausen auS Gießen zum Prossffor der Forst-
wissenschast am Poiylcchiiikuin in KariSruhc
bcrusen worden. — De» große Bürgerausschuß
in Mannheim hai den Anlrag deS Gemeinde-
rathe«, wornach zur Vorsorgc sür die durch den
nnheilvdllen Kzieg in D-Uischlgnd mögticherweije
an die Gemeindekassc herantrctenden außeror-
dentlichcn Ansprüche ein Äniehen bi« zu 100,000
Gulden negozirt wcrden solle, ohue DiSkusston
einstimmig genehmigt.

g Zzaden-Baden, 10. Iulu^ Auftallend lst, wie

Durch Hrn. Pior. Frirdreich. von Prof. Fr.
1 P. LeivwLsche, Binden, Chaipfe. — Prof. H. 2 Krücken.
1 P. Leinwdgegenjlde., Charpie. — Fr. Prof. W. Bin-
dcp. Leinwd-, Charpre. — H. I. K. Biuden, Lerbwasche,

Charpie. — 1i. N. I B ittuD. Lttninpfe, LeiueuzeuB
Charpie. — N. N. dedzl. — N. N. Heiudeu. Sackluch.
Slrümpfe. — Uugen. Hemden.. — F. 23. Charpie und

Durch Hrn. Pd. Ziinmermann, mm Fr. W. Leinen
und Charpie.' I.' Sch'. 5 st. — Fr. Dec. S. Wtw.
10 fl. - Dr. H. Charpie. — Fr. St. W. Wtu. Lem-

fst" I^Pck? gi-ue Wolle. — ^ ^

Bürgermeister.

B-i Unterzeichnelem sind Mgende Gaben für hie vet-

wundetey Krieger eingegangen: yon H. Dr. P. Lein-

20 fl., vdn Frau C. Vrrbandzeug, Leinwand, von Frln.
I. D.iPeUcnzüge, Leintücher, Decke, von H..Dr.A. E.
9 fl. 20 kr., von H. B. Charpir, von Frau E. B. Lein-
wand, Hemden, Charpie, Ungen. Hemden, Hosssn.Aacken.

iGeh. Rath Blstnhschli.
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