Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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lei ungHnstige Nachrichkeu in Bctress der«
sM'e'n vom Kriegöse^'aülpläh 'ciiigelröfscn.
_ (Karlsr, Ztg.)

Deurschland.

jkarlsralie. 1L Juli. Dnrch dichftrn B-irbl v°m
11. d. M. wird Major Friedrich Sachs im (1.) Leib-
grenadierregimeut zuür Oberstlieutenanr brforderl; Major
Khuon v. Wildegg vom 2. FüstlierbatMon wird zum
4. Jnf. - Rersiment'Prinz Wilhelm versetzt; Major v.
Merhard im (1.) Lerbgrettadier-Regiment rückt in den
etatSmäßigen Stand seiner Cbargt cin; Häuptmann
Koch vom (1.) Leibgrenadier - Regimenl wird unter
Charaktcristrunb zum Major in den Stab des 2. Füfi-
lierbataillons, Hauptmann Nußbaumcr vom 2. Znst-
Regimenl König von Preußen zum 3. Ersatzbataillvu,
und Hauplmann v. Pfeil voM 3. Ersatzbataillon zum
(1.) Leibgrenad.-RegiM. versetzt; HauptmaNn Weitzel
vonr FestungSartilleriebataillon wird zur Arriüeriedirec-

Karlsruhe, 1S. Juli. H-ute fand dahier
einc Zusammenkunft einer größcren Anzahl
von Abgcordnrten unscrcr 2. Kammer zur Be-
sprechung der politischen Lage stait.

):s Karlsruhe, 16. Juli. Zn wohl un-
terrichteten Kreisen crzählt man, Jhre Königl.
Hoheit die Friu Großherzogin habe geäußert,
daß da« Land in keimm Fall eine Bcsetznng
durch Preußen zu besürchten'habe.

tz Heidelberg, 17. Juli. Die heutigen
Nachrichten übcr bie kriegerischeu Vorfälle am
Main sind sehr dürstig. da die Eisenbahn zwi-
schen Darmstadt und Frankfurt unfahrbar ist,
daher auch die ZeituNgen und Briefe von da
heute ausgeblieben sind. Allem Anscheine nach
hat das Tresfcn bei Äschafsenbnrg zwischen
Preußen und Hesse« mit einem geordncten
Rückzug auf die linke Mainseite gecndigt. so
daß nach gestern Abend eingeiauscnen telcgra-
phischen Depeschen ans Frankfnrt bcreits füns
preußische Rcgimenter daselbst eingerückt seien;
später murde diese Nachricht dahin berichtigt,
daß die preuhischen Vorposten ganz in der NLHe
der Stadt ständen, und es ist somit als zicm-
lich sichcr anznnehmen, daß der preußische Ein-
marsch in dle alle Bundeshauptstadt bereits
stattgefunden. — Gerüchte über Friedens-
präliminarien, welche bereits von Preußen und
Oesterreich nnlerzeichnct seieii, wcrdcn heule von
lciner Seite bestätigt, und es ist auch nber-
haupt anznnehmen, daß eS Ocsterreich noch-
mals aus cine EntsckcidungSschlacht wird an-
kommen lassen, ehe -S seine Machtstellung in
Deutschland und in Europa überhaupt aufgibt.
Wir verzichten daraus, weitere Gerüchte mitzu-
theilen, da solebe nur dazu dienen, das Urtheil
über die gegenwärtige kricgerische Situation
noch mehr zu vcrwirren, und unterlassen eS
auch, den verschicdenen Anflchton über den Zweck
der hcute hier durchpaisirten Truppenadthei-
lungen verschiedener Waffengattungen mit Mu-
nitions- und Proviantcolonncn AiiSdruck zu
gebcn. Jn den nächfien Tagen wird ohn- Zwei-
fcl mehr Klarheit in die Vorginge der jüng-
stcn Zcit kommen.

Frankfurt, 16. Juli. Ler Senat hak an
die Bürgerschaft von Stadt und Land folgenöe
Proclamätivn erlasstn:

Der zwische» d-ntschen Bruderstämmen anS-
gebrochene Krieg droht auch das Gebiet der
sreicn Stadt Franksurt zu überziehcn.

Dic Hohc Deutsche BundeSversammlung,
wclche in hiesigrr freiew Sladt ihrcn Sitz hat,
ist bereits zu dcm Entschlusse gelangt, dieje
Stadt zcitweise zu verlassen.

Unsere Stadt ist einc osfene Stadt nnd steht
als solche unter dem Schutze dcS durch die An-
erkennnng aller Natii^en geheiligtcn Völker-
rcchtes. Leben und Eigenthum der Bürger er-
sHeinen daher in keiner Weise bedroht.

Dagegen fühlt dcr Senat in dicscr verhäng-
nihvollen Zeit stch gedrungcn, der Bürgerschast
offen nnd srcimüthig daS Nachfolgende zu vcr-
knnden:

Dcr Senat wird treu zu dem Buiidc stchen,
der als nnauflöslichcr Vcrein gegründet ist und
die Erhaltung der llnabhängigkeit und Nnver-

sttzbe;xk-it der einzslnen dcutschen Siagten zum
Zwecke hal. Dcrselbe HLlt abcr cinc Umgestal-
inng der BundcSvcrsaffung, die Schaffung ciner
starken Centralgiwalt nnd dic Einjetzung einer
wirksamcn Verlrclung dcS gesammten deutschen
Volkes für dringend geboten u»d wird sich sreu-
dig allen hierauf gerichteten Bestrebungen an-
schließen.

ES ist der feste Enlschluß deS senats, bis
zn glücklich crreichter Umgcstaltung der Bun-
desvcrsaffung die durch völkerrcchtliche und Bun-
deSverträge begründete nnd gewLhrleistete Un-
abhängigkeit nnd Unverletzbarkeit hiesiger freicn
Stadt zu wahren.

Mag diescr Entschluß aNch ünserer freien
Stadt, diesem friedlichen Gemeinwesen, dieier
Stätle deS Handcls und der Gewerbe, dieser
Quelle dcS WohlftanoeS und der Wohlthätigkcit,
schwere Prüsungen auferlegen, jo hcgt doch der
Senat dic seste Zuvcrstchi, daß dic gesammtc
Birgerschast, in ihrem RechtSgefühl und ihrcr
Treue für daS dculsche Vaterland, ihm zur'
Seite stehe, und im Bewnßlsein, das Rcchlc
gewollt nnd Treue bewahrt zu haben, dic Prü-
fnngen, die nber unS kommen können, stttndhaft
ertragen werde.

Gott beschütze daS deutsche Vatcrland und
dic freie Stadt Krankkurtl

Augsdurg, 1!>..Zuli. Vom hiestgen Gast-
hvf zu den drci Mohren w,eht, nchcn der baye-
rijchcn, eine'jchwarz-roth-goldenc Flagge; denn
seil gestern wohnen dajeibst mit zahlreichem
Personal dic Mitglieder deS deutschcn Bun-
destagS, die ihre Hiehcrreise über Heidelberg
inachtcn. Frhr. v. Kübcck wird, wie wir hören,
noch erwartet Aus Bcfchl Sr. Maj des Kö-
nigs von Bayern wird denselden di- sogenannte
alte Restdciiz am Fronhof zur Einrichtung ihrer
Burcaux und zu »cn Sitzungen eingeräumt,
deren eine schpn am nachsten Dicnjtag statt-
findcn soll. Die bei dem Bund accrcditirten
Gesandtcn dcr fremden Eroßmächtc werden
ebenfallS demnächst hier eintreffen.

München, 16. Juli. Di- Waffcnstrll-
standspcrdandlungen in Wic» werden erst nach
dcm EltEffeü stmizöjrschSN-BvrichlSgc be-
ginnen. Herr v. Bcust ist heute hier einge-
troffen und wird n'öch heute nach Wien weiter
reisen.

Bcrtl», 11. Zuli, Kemerik-nSPextl) für
dic iDtellung der Königin Augusta in döm
gcgenwärtigen KrjW- ist ein Antwortstele-
gramm, daS si- dcm rvangelischcn Frauenver-
cin zu Solingcn aus eine GlückwunschdrpesHe
wegen d-S «iegiS bci Königgrätz hat zukom-
mcn laffen. „Ew- Majestät wünschcn wir von
Herzen Glück. Der Sieg kpmmt vom Hcrrn.
Er wölle' feristr üMpiit tästserdff HeKc den
Sieg verleihen," relegraphirten die srommen
Schwestcrn. Daraus erwiedcrte die Königin:
„Wtr danken Gott fnr den Sieg: Wir geden-
ken dcr Thränen, die dcr Krieg kostet nnd er-
sehnen vereint eincn ehrenvvllcn Fneden."

Berlin, 15. Jnli. Nach Wiener Berichten
vom 13. d. ist eine Proclamation K o j s u I H'S
und Klapka'S in Szcgcdin un» andercn Städ-
ten Ungarns angeschlagen. Steigende Bewe-
gung; an einzelnen Pnnktin haben sich bewass-
nete Znjnrgenten gezeigl.

Brünn, 18. Zuli. sUeber Paris.) Der
König von Prcüßen ist hier angekommcn; ciner
um Schvnung der Stadt bittcnden Deputation
antwortcte derselbe: Jch bin nicht auS eigcnem
Antrieb gekommen, sondcrn weil der Kaiser
von Oestcrreich mich zum Kriege^wang; nicht
sriedlichc Unterthancn, sondcrn dic H-cre d-S
Kaisers bekriege ich.

Wien, 16. Juli. DaS Correspondenzbu-
rcau meldet: Die Berliner Nachrichten von an-
geblichcr Proktamation Kossuth's, zunehmcnder
Agitalion in Ungarn, und das Auftauchen
bewassneter Znsnrgenten werden osfiziell einfach
als lügnsrische Erfindungen erklärt. Der beste
Beweis für Ungarns Gesinnnngen sei dcr Aus-
enthalt dcr Mehrzaht der Kaiserfamilienmit-
glieder in Ofen. daS Zuströmen ungarischer
Freiwilliger untcr die Kaisersahnen und daS
wiederholte Ancrbieten chemaliger Honvedstabs-
ofsiziere, gegcn den gemeinsamen Feind zu
kämxfcn. Gewiß s-i, daß ganz Ungarn eine
Massenerhebung gegen dic -bentuelle prcußische
Znvasion vorbercite. Die Verbreitung derar-
tiger falscher Nachrichten ans Berlin zetge, wie

wcnig Bertraucn man hgbe auf den schließsichen
prcüßischen Erfolg.

Krn n k r e i ch

Paris, 13. Juli. Mehrerc pariser Biätter
enthalten dicselbcn Mitlhcilungen über die Stel-
lüng des sranzis. Cäbincls zu den Waffcttstill-
standsbedingungcy, nnd bcstäligen namentllch,
daß Frankreich, Prenßen nnd Ztalien üdcr die
Nolhwcndigkeit, daß Ocsterreich aUS dem dent-
sch-n Bunde ausscheiden inüssc, im Einverneh-
men ständen.

C n g l «r « d

London, 10. Juli, DaS Schiff Monarch
of the SdaS, welchis lüit 639 Passagwren an
Bord am 1g. MLrz von Liverpool abging uyd
scithir vcrmißt würde, ist nntergegangen. An
der irischen Küste angrjchwemmle Boote und
Leichen laflen darüber keinen Zweifel.

London, 14. Juli. Dcr Great Eastern
begann mit der Legung deS atlantischen Cabels
gestern Nachmittag, nachdem die Spleißung mit
Einsetzung eineS Mittelstücke« bcwerkstelligt war.
Die Signale siud bisher »ollköinmen gut.

I t a l i e n.

Ä!an lieSk in der Jtalie: „Die Wiener Blät-
ter belehren unS endlich, daß die Abtrclung
BenetienS an Frankreich niemals eine vollendele
Tßatsächc gewcsen ist. Der Kaiser von Oester-
reich hat nur erklärt, daß er bercit sei, diese
Provinz abzuirelen, um durch Frankreich zu
cincm Waffenstillstande zu gelangen, welcher
ihm Zeit gäbe, ncne Kräfte zu sammeln, nm
Preußen zu erdrücken. Der Kaiser Napvlco»
bat sich Laraus beschränkt, vom Anerbietcn der
Ablrctüng Act zn nchmen und den Waffen-
stillstand Iialien und Preußen anzubi-k-ii. Da
der Waffenstillstand nicht angenommcn worden
ist, so desteht dic angebliche Abtretung gar nicht
und Venetien hat nicht anfgehört, für Oester-
reich ein österrcichischeS, für Jtalien ein italie-
nischeS Gebiet zu sein."

S ch w c d e n

Christiania, 13. Juli. Jn Drammen
(an der norwegischen Sndküste) siud 300 Häuser
niedcrgebrannt und 6000 Menschen obdachlos
geworden.

R u ß l a n d

Pctersburg, 13. Zuli. Ein heute von
dcr Scnats-Zeituug veröffcntlichter kaiserlicher
UkaS jctzt ein höch-stcS Criminal-UutcrsuchungS-
gericht unter dcm Vorsitze Gagarin's cin, da
die Commisston, wclche die Untersnchung wcgen
dcS AttcntatS zu führen gehabt, ermittelt hat,
daß an verschiedenen Orten deS AuölandeS ge-
gcn die Macht und Form der russijchcn Regie-
rung in verbrcchischer Absicht conspirirt werde.

A n> c r i k a.

Newyork, 5. Juli. Demokrateu nnd Con-
iervative haben auf dcn 14. August cinc Cvn-
vcntion ausgeschricben, in welcher über dic so-
sortige Herstellung dcr Union bcrathen werdcn
soll. Die Stadt Portland (Maine) ist ein Raub
dcr Flammcn nnd 2000 Familien sind obdachS-
loS geworden. Dcr Brandschaden wird auf 10
Mill. Dollars geschätze. Äus Merico wird ge-
mcldet, daß am 23. J»li MatamoroS vvr den
Nepublikanern capitulirt hat.

Neueste Nochrichten.

Paris, 16. Juli, AbendS. Die „Patrie"
bringt ein Wicner Telegramm vom Heutigen,
welchem znsolge die am Samstag von Paris
abgegaugciien Vermittlungsvorschläge dort ein-
getroffcn sind und nun vvn einer gemijchten,
anS MilitärS und Diplvmaten bestchendcn Com-
mifsion geprnft werden sollen. Bayern arbeitet
in Wien aus Herstellung des FriedenS hin.

Toulon, 16. Znli, Abends. Die kürzlich
angeordnete Matrosenaushebung ist zurnckge-
nommen, die Rüstungen sind eiugestellt.

Wicn, 16. Jnli, AbendS. Der sranzösische
Gesandte am prcußischcn Hofe, Benedetti, ist
hier eingetroffen.

Fremden - Frequenz in Heidelberg

vom 1. bis 16. Juli l. 3-

Jn GasthSusern.1128

„ Privalhäusern.. . 20

Summa . . . 1149

Summa . . . 11,092.
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