Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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DeiiunciationSartikel cnthält niit dcm Zeichcn
deS großcn SternS die LdSzcg. in Nr. 170. D!e
ehrenwerthe Base sleht, waS daS Verdächtigcn
und daS Denunciren bctrifft, ganz auf gleicher
Stufe mit bekannten Blättcrn des Ultramon-
taniSmuS und JcsuitiSmuS. Wir vcrachten
diescs Treiben nnd werdeti künftig kaum »och
Nvtiz davo» nehmen. Was den politische»
Bankerott bctriff«, !° gebcn wir dcr Landesztg.
den Rath, zuerst mit sich abzurcchnen, bevor sie
andcrn Blättcrn kincn solchen Vorwurf macht,
den «ir, sowcit cr stch auf unS bcziehcn soll,
schon wiederholt als lügcnhast und perfid be-
zeichncl habcn. Ein Organ, das. wie di- Lan-
deSztg. schvndie vcrschiedcnstenpolitischcn Wande-
lungcn durchgemacht, mag allerdingS Ursache zur
„Scham" haben, abcr der höchstc Grad dcr
Schamlosigkeit ist eS, daß stch daS Denuncian-
tenblatt noch „badiichc" LandeSzeitung nennt.

Frankfurt, 20. Juli. Man schrcibt der
„Köln. Ztg.": Alle B-reine, welche stch in der
Handhabung der Waffc» üben (Jugendwehr,
Schützen-, Wehr-, Turnvereine), wurdcn aus-
gefordert, ihre Waffcn abzuliefern. — Gestcrn
Abend wutdc cine sehr bekannte Persöulichkcit,
dcr St-nvgraph uud Localbcrichtcrstaltcr sämmt-
lichcr hiesigen Blittcr, Hr. Renz-Müllcr, vrr-
haftet und auf die Hauptwache abgeführt. —
Gcstern und heute ist daS Brcmer Bataillo»
und Artillerie dahier eingcrückt. Sonst ist die
Stadt zicmlich lcer von Militär, daS in langen
Zngeu gestern und heute von hicr abmarschirt
ist, wir wiffcn »icht, vb, um die BundcSarmce
aufzusuchen, odcr nach Mainz, oder uach Aschaf-
fcnburg, in dessen Gegend (b-i Heiligenbrückc»)
Bayern und Prcußen geslern znsammengetrofsen
sein sollcn.

München, 23. Jnli. Dcr .Baycr. Ztg."
wird auS Wien, 22. d. M., gemcldct: Hcute
Wafscnruhe anf sünf Tagc abgcschloffcn. Ber-
handlungen über Waffenstillstand und FriedenS-
priliminarien stnden währcnddcm in Nikolsburg
statk. Benedck ist mit zwei Armeecorpö in Prcß-
burg angelangt nach einem für dic Oestcrreichcr
günstigcn Gcsccht.

Berlin, 20. Zuli. Dcr Kurfürst vo» Heffcn
svll d-n Wunsch zn crkennen gegeben haden,
scincn Aufcnthalt in Stettin mit eiiicm solchcn
in Jtalien oder dcr Schwciz zu vertauschcn,
der Konig von Prcußen foll nicht abgcneigl
gewcscn sein, aus diescn Wunsch cinzugchen,
wenn dcr Knrsürst Frieden mii dem Könige
schlicßc, d. h. wenn er sich den Bedingungcn:
Beschickung deS Parlamrntö, militärischer Obcr-
hohcit ic. :c. untcrwerse. Der Kurfürst soll
jcdoch dicsc Fordcrungen zurückgewicfen und
dic Beibchaltung scincS LtandpunktcS vom 14.
Juni zu erkenncn gegebcn habcn, womit flch
denn dic Reise nach der Schweiz oder Ztalien
zcrschlagen hat

Berlin, 21. Juli Die Regierung beschloß,
unter die FriedcnS-Bedingungen mit Oesterrcich
nnd scinen Allürten dic unbedingte Amnestie
sür ctwa compromiltirtc Freunde PrenßenS
auszunchnien.

Berlin, 21. Juli. Die Annahme Scitcn«
Oestcrreichs dcs von Frankrcich vvrgcschlagcnen
fünftägigen EinstellenS der Feindscligkcitcn hat
d!e Ausstcht, daß.Ocsterrcich auch dic FricdenS-
Priliminaricn annchmcn werde, wicder ctwas
näher gerückt. (Soll, wic bereils gestern in
einem Extrablatt gemeldet — bercits erfolgt
scin.) Man behauptet dabei, daß durch
dic Vereinbarung zwischcn Preußen und Frank-
rcich über diesc Präliminarien jedenfalls die
Erwerbung SchlcSwig-Holsteins, die norddcutjche'
Union unter preußischer Führung und dcr Zu-
sammcnhang des prcußischen StaalSgebieleS
durch theilweisc Abtretung gestchert sind. Die
Pariser Nachricht, Ocsterrcich solle init sechs
Stimmen in den Bund Iviedcr cintrcten, wird
von leiner Seite bestitigt.

Berlin, 22. Jnli. (Ueber Paris.) NikolS-
burg, 21. Juli. Die prcußischc Armce ist auf
dcm Marchfcld gcgen Wicn concentrirt.

Berlin, 23. Juli. Gras Schwcrin ist in
Jbbcnbüren bei der dort stattgehabten Ersatz-
wahl unterlegen. Er erhielt nur 84 Stimmcn
gegen 90, die dem OberregierungSrath v. Quadt
zugcsallen find.

Stettin, 20. Jnli. Bei der hcutigen Nach-
wahl ist H-rr Mich-rlis mit 183 Stimmen
gegen 25 Stimmen gewählt.

Wien, 19. Zuli. Die „Debattc" erhielt
von cinem auS Brünn hier eingelroffencn Mann
folgcndc Mitlhcilung: „Wie Sic bereits wiffen
wcrden, machtc Bürgcrmeistcr Dr. Giskra nach
dem Einznge der Prcußcn in Brünn auch dcm
Grasen BiSmarck scinc Auswartung. Letztercr
unterließ es nichk, dicscn Besuch am solgcndcn
Tage zu -rwiedern und bci dicser Gelegcnheit
kam daS Gespräch auch, wie begreislich, auf
dic brennendcn TagcSfragen. Graf Bismarck
äußerte sich dahin, daß der Friede in zwei
Stunden zu Stande gebracht werden könne,
Ivenn Ocsterrcich, statt bci dcr Fortführung der
kricgerijchen Politik zu »erharren, flch mit Frie-
densvorschligcn dirckt an den König von Prcußcn
wcndcn Ivürdc. Auf die Fragc dcS Dr. Eiskra
nach dcn Grundlagen dcs FriedenS entwickclte
der preußischc Prcmier seine Anschauungcn,
auS denen stch migesähr folgende maßgebende
Punkte abstrahiren laffen: Mit Ausjchluß Bcne-
tiens joll dic Jntregität OcsterrcichS vollstän-
dig gewahrt blciben; Prcußcn vcrlangt keine
Abtrctnng östcrreichischen GcbieteS, eS wünjcht
nur auS administrativcn Geflchtspunktcn-Grcnz-
korrcktionen, wobei österrcitzischeS Gcbiet gcgcn
prcußischcS und rzmgckehrt auSgetauscht werden
soll; endlich müffc durch den Friedeu die Main-
linic gezogen wcrden." Dic Dcbatte will an
den Jnhalt diescr Mitkheilung wcitere Bemer-
kungcn vorläufig nicht knüpsen, Iveil zur Bc-
urtheilung und Erörlcrung solcher Gcjpräche
dic gcnauc Kenntniß des WortlautS crsordcr-
lich ist; sie richtet abcr an die osstziöscn Wiener
Journalc dic Aufforderung, bczüglich dieser
klnterredung authrntischc Mitthcilüngcn zu
machcu, die gewiß überall dankend angenominen
werdcn würdcn.

Wien, 2l. Zuli. Dcr bayrischc Minister
v. d. Pfordten ist heute Vormittag hier ciu-
gctroffen. (Wien. Bl.)

K r a » k r e i ch.

Paris, 20. Juli. Die Hauptbedingungen des
franz. Vorschlages sind nach der Köln. Z. folgendc:
Oesterreich tritt aus dem deutschen Bunde aus,
Deutschland wird in Zukünft aus einer nörd-
lichen und einer südlichen Verbindung bestehen.
Die nördlichen Staaten gruppiren sich um
Preußen, welches die Lcitung der Militärmacht
derselben erhalt; die gemeinsamen Angelegen-
heiten werden durch ein Parlament und eine
Bundesregierung verwaltet. Preußen erhält die
Herzogthümer und den zur Verbindung seiner
beiden Halsten nöthigcn Theil von Hannover.
Die flüchtigen Fürsten kehren zurück unter der
Bcdingung, daß sie sich in die neue Ordnung
der Dinge fügen. Der südliche Bund würde
sich aus Bayern, Württemberg. Baden und dcm
Großherzogthum Hessen zusammensetzen und
unter der militärischen Oberleitung des Königs
von Bayern stehen. Oesterreich könnte durch
Bündniß-Verträge in nähere Bczichungcn zu
der südlichen Verbindung treten, die ihrerseits
durch ähnliche Verträge sich mit der norddeut-
schenUnion vcreinigen würde. Fürganz Deutsch-
land würde Einheit in Münzcn, Maß und
Gewicht bestehen. Oesterreich würde cinen Theil
der Kriegskosten zu zahleu haben, aber die Ge-
währleistung für seine sämmtlichen Besitzungen, >
mit Ausnahme Venetiens, erhalten. Von Süd- i
tyrol ist, wie es scheint, gar keine Redc. Was
Jtalien betrifft, so wird es einem Frieden auf
solchen Grundlagen ohne Zweifel keine Hinder-
niffe bereiten.

Paris, 22. Juli. Die „Patrie" glaubt zu
wissen, daß in der vcrflossenen Nacht dic 'Nach-
richt vou der Annahme der Friedensprälimina-
rien Seitens Oesterreichs in Paris eingetrosfen
ist. Die französische Negierunt; unterrichtete
davon sofort den König Wilhelm durch den
Telegraphen, und die preußische Negierung
schickte alöbald eine Depesche nach Florenz, um
den König Victor Emanuel zur Unterzcichnung
dcs Waffenstillstandes cinzuladen, welcher der
Annahme dcr Frledenspräliminarien folgen soll.
Die Bedingungen scs Waffenstillstandes sollen
in diesem Augenblick im preußischen Haupt-
quartier berathen werden, wo bereits die Grafen
Karolyi nnd v. Degcnfeld als österreichische
Commissäre eingetroffen sein sollen. Als preus-
sische Commiffäre sollen die Grafen v. Bismarck
und v. Moltke sungiren. Graf Barral soll
Jtalien vertrcten.

I t a l i e n.

Florenz, 23. Juli. Man versichert, der
Abg. Boggio sei im Seegefecht bei Liffa ge-
tödtet worden. Ocsterreich nahm die auf Tyrol
bezügliche, von Jtalien an die Annahme deS
Waffenstillstandes geknüpftcn Bedingungen noch
nicht an. Die „Jtalie" sagt: „Kein Friede zwi-
schen Oesterreich und Jtalien, bevor nicht die
gegenwärtigen militärischen Bemegungen been-
digt sind."

Neueste Nachrichten.

Frankfurt, 23. Juli. Die von dem preus-
sischen Gouverneur geforderte neue Contribution
von 25 Mill. war trotz der Einsprachen uuse-
rer hervorragendstcn hiesigen Finanzmänner
bis heute Mittag noch nicht zurückgenommen
oder ermäßigt. Wie man auS Aeußerungen
der ChefS der ersten Bankhäuser schließen kann,
dürfte die Zahlung dieser Summe verweigert
werden und ist abzuwarten, ob die Drohung
ManteuffelS, dann einc gewaltsame Eintreibung
vorzunehmen, verwirklicht mird. Alle Ban-
quiers haben heute ihre Geschäfte geschloffen,
Rothschild soll erklärt haben, in Wien, Paris
und London die Zahlung aller Trattcn aus
Preußen, gleichviel ob acceptirt odcr nicht, sisti-
ren zu lassen. Ein Mitglied der französischen
Gesandtschaft ist, wic man hört, in der Con-
tributionSangelegenheit nach Paris gereist. Das
heutige Frankfurter Jourual ist confiscirt wor-
den. (M. I.)

München, 23. Zuli, Nachm. (Zn Bezug
auf die Mittheilung, es sei von Preußen an
Baden eine Sommation erfolgr, und von Baden
angenommen) bezweifelt die „Bayer. Ztg.", daß
der Großhcrzog von Baden die preußischc Som-
mation angenommen habe. Sie fagt, zur Stunde
sei hier darüber nichts bekannl. — Das gleiche
Blatt meldet, daß heute preußische Truppen
aller Waffengattungen in Hof eingerückt sind.

Paris, 23. Juli. 4 Uhr 35 Min. Nach-
mittags. Der Minister des Jnnern laßt an
der Börse anschlagen: Ocfterreich nimmt die
von Pr.eußen zugelaffenen FriedenSprälimi-
narien an. Bevollmächtigte sind vereinigt im
prcußischcn Hauptquartier, um den Waffen-
stillstand zu unterhaudcln. Jtaliens defi-
nitivc Antwort wird erwartet, es hat, wie
schon gestern gemeldet, die Präliminarien prin-
zipiell bereits angenommen.

Paris, 24. Juli, Morgens. Der heutige
„Morgen-Moniteur" meldet, daß Jtalien seine
Zustimmung zur Einstellung der Feiudseligkei-
ertheilt hat

Aus Baden. Die Verhandlung über die
von der StaatSanwaltschaft gegen den „Psäl-
zcr Botcn" erhobenc Klage findet am31.Juli
in Mannheim ftatt. Der Strafantrag lautet
auf 4 Monate. — DaS BezirkSamt in Mann-
heim mahnt die Jnhabcr der von den Finanz-
behörden über das Steueranlehen ausgestellten
Scheine dringend von einem Verkaufe derselben
ab und macht namentlich darauf aufmerksam,
daß solche den Werth von Staatsschuldscheinen
haben und einen Anspruch auf Rückzahlung
des Kapitals und Vergütung von Zinsen ge-
währen. — Durch höchstcn Befehl- wird dem
Oberst Gerber vom Armeecorps der Charakler
als Generalmajor ertheilt.

* Heidelberg, 24. Juli. Heute früh l,at uus die
letzte unbcdeutende Truppenablheilung verlassen, um
hoffenllich dic Friedenscasernen zu bezieben. Jm Gan-
zen war die Einquarticrungslast in hiesmer Slaüt nicht
groß und jeweilS nicht von langer Daue..

-j- Weinhe»m, 20. Iuli. Dic bicfige nördliche
Eisenbahnbrücke wurde (wie schon gcmeldet) durch
ein bad. Artillerie-Commando anf Bcfehl des Ober-
commando's bes 8. Armeccorps gesprcngt, was die
hiefigen Einwohner sehr erschrccktc, insbesondere
weil die Sprengung am spätcn Abend vorgcnom-
men wurde und sürchtcrlichc Erplosionen nach sich
zog. — Welche militärische Gründe diese Handlung
veranlaßten, ist uns nnbckannt, allein so viel ist
gewiß, daß der Verkehr auf längere Zeit gestört
ist- — Wunsch um Zurückbcrufung ''nürer

nisse würden dirjenige^n auch ickcht aufhalten, ble
fie nicht zurückhalten konnten.
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