Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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gründe für daS Vcrfahren gegen Frankfurt an:
Systematische Feindschaft der Frankfurter Re-
gierung gegcn Preußcn, Duldung von Belei-
digungcn deS Königs, Verlctzung der Vertrage,
Beschädigung preußischen EigenthumS, Theil-
nahme an dem Kricg OesterrcichS und der
Coalition gegen Preußen.

Ueber die Kämpfe im Tauberthale thei-
lcn wir noch folgende Einzelheiten aus verschic-
denen Blättern mit:

Der „Stuttg. Bürgerztg." wird aus Mer-
gentheim vom 24., Abcnds 8 Uhr, geschrieben:
„Soeben komme ich von einem Berge, wo ich
den Kampfplatz gut übersehcn konnte; das Ge-
fecht dauert seit gestern; Abends 4 Uhr hörten
wir Kanonendonner, heute den ganzen Tag.
TaubcrbischofSheim, 4 Stunden von hier, steht
in Flammcn, wir sehen daS Feuer. Wie wir
hören, stnd die Preußen 4 Stunden zurückge-
schlagen. Unsere Truppen haben wie dic Löwen
gekämpft; am ärgstcn babcn die bädischen Dra-
goner gehaust. Jetzt hören wir keincn Schuß
mehr. Zwci Stunden von hier waren am Mon-
tag preußischc Vorpostcn. ES sind hicr zwei
Lazarethe. Auf den «straßen müffen Fuhrwerke
stundenlaug halten, um durchzukommen vor
lauter Flüchtlingen aus den benachbarten Or-
ten und vor Militär. Wir kamcn bis Königs-
hofen. Abends halb 9 Uhr. Durch einen Fcld-
jäger erfahre ich, daß gcgen die bayerische
Grcnze, dem Maiu zu, die Preußen förmlich
eingcschloffen seien und daß in Bischofsheim
Wagen voll prcußischer Verwundeter angekom-
men sind.

Nach ciner oberflächlichen Schätzung sind bei
dem Gcfcchte 600 Würtembcrger, darunter etwa
40 Osficiere, verwundet wordcn und gegen 200
gefallcu. Tauberbischofsheim ging in Flammen
auf(hat bis jetzt keine Bestätigung gefunden).

Mergentheim, 25. Juli, Nachts halb 11
Uhr. Gestern Nachmittag 2 Uhr Beginn des
Gefechtes. Würtembcrger und Naffauer wurden
auS Bischofsheim zurnckgedrängt. Die Höhen
am rechten Tauberufer bei BischofShcim wur-
den von Bundcötruppen befetzt, dcr Kampf da-
selbst dauerte bis 4 Uhr. Die Bundestruppen
behaupteten deu Kampfplatz. Heute früh 4 Uhr
kurzcS Gcfecht. Dic Bundestruppcn ziehen lang-
sam gcgen Würzburg zu. Die Division Göben
rückt nach und soll jetzt in Grünfeld stchcn.
So e'oen sind etliche 60 Verwundete in Mer-
gentheim angckommen. Morgen wcrden cbcnso
viel crwartet. Dic würtembergifche Artillerie
hat gut geschossen. (Tel. d. Neck.-Z.)

Mergentheim, 26. Juli. Jn dem zum
Kriegführen so wenig g^igneten Tauberthal ist
eS diescr Tage zu erbittertem Kämpfe gckom-
men. Nachdem es zwischen den von Aschaffen-
burg hergckommenen Preußcn und Truppen des
8. Armeccorps am 23. Juli bei Hundhcim zu
einem Gesecht gckommen, das mit dem Vor-
rücken der Preußen gegcn die Tauber cndigte,
entspaun sich am 24. schon mit der Morgen-
dämmerung ein erneuerter Kampf bei Hard-
heim, in welchem die dort postirte hessische Jn-
santerie in die Gegend unter Tauberbischofsheim
gedrängt wurde. Die Prcußen zogcn sich theils
über die Berge, theils auf der Straße von Kö-

Wahrhcit. Die^Tr^ppen des Prinzen Frtedrich^Karl

als ich mit der Arm/e des Kronprinzen ^ankam,'
welche Alles vor sich zurückdrängte unb den Fetnd
von Stellung zu Stellung zurückwarf, bis er, so
schnell er konnte, zu fliehen vegann- Benedek selbst
"'ar genöthigt, sich zn flüchtcn. Hätte Herwarth
das Ganze so gut verstanden, alS wir, und ware
er, statt unmittelbar dem Prinzen Friedrich Karl
zu Hulfe zu marschiren, gegen Flanken und Rücken
der Benedekschen Armee vorgegangen, so würde die
ganze Benedek'sche Armee gkfallen oder grfangen
worden sein. Ick habe oft diefelbe Art Manöver
tn Thüringen versucht (mit dem Herzog von Ko-
burg, spkkiell 1855) und tmmer die SLlacht ge-
wonnen. Viele betrachten mich als die Seele des
ganzen KriegS, und obwohl däs gewiß sehr schmei-
chelhaft für mick ist, so wird es ficherlich bald
wieder vergessen sein. Aber ich kümmere mich nicht

nigheim nach Bischofsheim, wo sie von dem 3.
und 8. würtemb. Jnfauterieregiment und dem
2. und 3. Jägerbataillon empfangen wurden,
trotz einem starken Gewehrfeuer aber in die
Stadt einzogen. Ueber die Tauberbrücke wur-
dcn sie von der würtemb. Jufanterie zweimal
zurückgeschlagen, und der hartnäckige Kampf
währte dort gegen 2 Stunden, doch mußte sich
letzterc allmälig auf dem rechtcn Tauberufer
gcgen Ninderfcld zurückziehen. Die Todten auf
unsercr Scite sind beinahe durchgängig von
oben erwähnter Waffengattung und mögen ge-
gen 500 (?) betragen. Dic Verwundetcn wur-
den am Mittwoch früh in das Schulhaus und
Spital nach Bischofsheim gebracht und dort
verpflegt. Abends kamcn noch 60bis70davon
in das Lazareth nach Mergentheim. Bis 11 Uhr
sah man keineu lodten Preußen mehr auf vcm
Schlachtfeldc liegcn, dagcgen war bis Mittag
4 Uhr noch nicht ein Würtemberger begraben.
— Dem Vernehmcn nach hat sich der Kriegs-
schanplatz nun gegen das Mainthal hingeZogen
und sind —nach der Kanonade zu urtheilen —
gestern auch im Gau Kämpfe vorgefallen. Al-
len Aussagen nach hat sich die würtcmbergische
Artillerie mit ihren gczogencn Geschossen vor-
trefflich gkhalten. — Bci Hnudtzeim sind be-
stimmtem Vernehmen nach drci badische Offi-
cicre gcfallen; die Leichen wnrden durch eincn
Parlamentär im prenß. Hauptquartier crbeten
und beerdigt. (Taubcrztg.)

München, 26. Juli. Nach einem hente
Morgens hierhcr gelangten Tclegramm wurdc
Prinz Ludwig, Sohn des Prinzen Luitpold,
iu dcm gestrigen Gefecht bei Helmstadt durch
cinen Schüß in den Oberschenkel verwnndet.

Mergentheiur, 27. Juli. Man ver-
muthct, daß Würzburg von den Preußen be-
setzt sei, da jedc telegraphische Verbindung dort-
hin abgeschnitten ist.

Florenz, 26. Juli. Eine Commission von
Marine-Officieren hat mit großer Sorgfalt
unsere Flotte inspicirt und sich dahin ausge-
sprochen. daß sie fchkicll wieder zur See gchen
könnte. — Man versichert, daß in deu zwei
Kämpfcn von Borgo und Levico die Division
Medici 20 Todtc und 50 Verwundcte, der
Feind 30 Todte und 300 Vcrwundete vcrloren
hat. — Man vcrsichert, daß Gen. Govonc
nach Berlin gereist ist.

Derrtschlnnd.

Karlsruhe, 27. Juli. Das heule.erschienene Regie-
rnngSvlatl Nr. 44 enthäll (außer Personalnachrich'len):

LotterieanlchenS der Eisenbahn-SchuldeutilgunqSkasse zu.
14 Millionen Guldcn vom Jahr 1845 betreffend.

II. Diensterledigung. Der Notariatsdistrict Rickeubach
(AmlSgerichtSbezirk Säckingrn).

Karlsruhe, 27. Juli. Die „B. Ldsztg."
meldet: Sicherem Vernchmen nach haben die
Mitglieder Ves Staatsministeriums Sr.
Königl. Hoheit dem Großherzog ihre Ent-
lassung angcboten und ist dieselbe heute Vor-
mittag angenommen worden.

X Karlsruhe, 26. Juli. Wir frcuen
uns, Jhnen mittheilen zu könncn, daß von
Seiten unferes Großherzogs directe Schritte
gethan sind, um auch für die Bundestruppen
im Odemvald und an der Mainlinie Waffen-
ruhe und Maffenstillstaud zu erwirken. Wie
wir aus guter Quelle höreu, hat die Sache
günstigen Fortgang, und dürfte daher schon in
nächsten Tagen, vielleicht Stunden, das allge-
mein schmerzlich ersehnte Ziel erreicht sein. Der
Kampf, in den die südwestdeutschen Staaten
hineingezogcn wurden, galt der Erhaltung des
alten Bundcs, deffen Verfaffung sie zu einem
solchen Vorgehen unläugbar verpflichtete. Seit

nun aber Oesterreich die von Preußen ver-
! langtcn und von Frankrcich, dem man beider-
seitig die Vermittlerrolle übertragen hatte, unter
prcußischer Zustimmung modificirten FriedenS-
bcdingnngen angenommen, nnd damit seinen
Austritt aus dem bisherigen Bundesvcrhältniß
zn den übrigcn deutschen Staaten erklärt hat,
hat die alte Bundesverfaffung selbstverständlich
factisch mie rccktlich zu existiren aufgehört. Eine
Fortsetzunz des Krieges von Seiten der füd-
deutfchen verbündeten Staaten hieße also für
Etwas kämpsen, waS nicht mehr existirt; es
wäre cin Kampf uin ein Nichts, darum ein
unverantwortlichcs Blutvergießen, und zwar
unverantwortlich für beide kämpfende Parteien,
da der Gcgenstand des. Streites, der beide ent-
zweit und iu blutigen Zwist gebracht hat, nicht
mehr vorhanden ist. Die Vorausffetzun-
gen, unter denen die Waffen ergrif-
fcn wurden und gegen einander sich
kehrteu, find in Folge erschütternder
Ereignisse vcrschwunden und haben
andern Thatsachen das Feld geräumt.
Eine weife und gefnndePolitik, selbstwenn sie auf
überlegene Macht sich stützt, keuut keinen stör-
rigeu Eigensinn, sonderu sic hat jeweils mjt
den Rcalitätcn zu rechnen und von diesen, nicht
aber von Lieblingsneigungcn, Einbilduugen,
Vorurtheilen und soustigen Velleitäten sich lei-
ten zu laffeu. Hoffen wir, daß alle wirklich
patriotischen Männer in D^utschlaud, denen
die Wohlfahrt und Zukunft ihres engern wje
des großen gemeinsamen Vaterlandes höher
gehen als alle private, wcnu auch uoch so wohl-
gemcinte uud liebgewonnene Ausichten und Stre-
bungen, sich jetzt die Hände reichcn zu dem hci-
ligeu Entschluffe: Kein Blut mehr soll zwischen
uns fließen! Fort mit den citlen Auklagen und
elenden Vorwürfcn aus der Vergangenheit!
Wer ehrlich sein Land und Volk licbt, der helfe
jetzt redlich, beide wiedcr auszubauen!

/X Freiburg. 28. Iuli. Heute Vormittag
vcrsammelten sich im städtischen Kaufhaussaale
dahicr der Gemeindcrath, der kleiuerc ünd
größere Bürgcrausschuß und sonstige Bürger
und Einwohner aus allcn Ständen. Der Ge-
genstand der Berathuug und Beschlußfaffung
betraf dic Absendung ciner Adreffe an Se.
Königl. Hoheit den Großhcrzog. Der Ju-
halt der Adrcffe ist im Wesentlichen derselbe,
wie der der AdLeffe der Stadt Karlsruhe. Es
wird in derselben auch um Eiustcllnng der
Feindseligkeiten gegcn Preußen und um An-
nahme des preußischen Rcsormvorschlags ge-
beten. Die Adreffe lag während deS heutigen
TagcS zur Unterzeichuung auf dcm Rathhause.
Die Absendung dersclben wird aber schon heute
Abend erfolgen.

Frankfurt, 26. Juli. Der Commandant
General v. Röder und Civilcommiffär v. Diest
haben eine Bekanntmachung vom 24. Juli er-
laffen, welche anzeigt, daß Senat, Bnrgerreprä-
sentanten und Gesetzgebende Versammlung aus-
gelöst sind. Die bishcrigen. - Senatoren haben
die Amtsgeschäfte als MagistratSbchörde unter
der Oberleitung der preußischen Administration
fortzuführen, derselben Folge zu leisten, nichts
dcm preußischen Jntereffe Zuwiderlaufendes vor-
zunehmen oder zu gestatten. Sämmtliche Stadt-
behörden und die Polizei sind gleicher Maßen
verpflichtet. Der MilitärbefehlShaber, General
v. Nöder, übernimmt die Administralion Frank-
furts, indem v. Diest zur Administration an-
derer LandeStheile abberufen ist.

Berlin. 24. Juli. Ueber die zwlschen
Preußen und Frankreich jchriftlich formulirtcn
nnd jetzt von Oesterreich angenommenen Frie-
denspräliminarien erfährt die „Nationalztg."
angeblich von unterrichteter Seile Folgendes:

^ ^ ^^ ^

zur Veibindung zwischen den östlichen und westliche»
Provinzen PreußenS nöthig sind, werden Preußen cin-
verlcibt. Den außerösterreichischen Staaten Süddewsch-
lands wird cine besondere politische Einiqung übcrlassen;
eine internationale Berhandlung, namentiich über die
bandelspolitischen Beziehunqen zwischen dieser süddeut-
schen und norddeuischen Staalengruppe wird vorbe-
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